Themenbereich: Entwicklung und Erziehung

"Machtkämpfe mit 1J - wie begegnen?"

Anonym

Frage vom 21.01.2002

Hallo guten Abend,

ich habe eine 1 jährige sehr aufgeweckte Tochter.Von Anfanf an hatte sie einen sehr ausgeprägten Willen.Sie will nun vom Tisch mit essen und das am liebsten allein,also ohne,dass wir ihr das Essen in den Mund geben.Beim Abendbrot haben wir das Problem,dass sie mit dem Essen ständig matscht und jeden Brocken aus dem Mund holt.Sie wirft das Essen auf den Boden und freut sich,wenn Hund oder Katze es fressen.Ich habe versucht sie immer wieder gerade hinzusetzen,da sie auch ständig herumzappelt.Morgends und Mittags isst sie viel besser.Nun ja,wenn ich ihr dann doch einen Brocken in den Mund gebe,holt sie ihn gleich heraus. Ich habe sie festgehalte,damit sie dies nicht tun konnte,was dazu führte,dass sie wieder einen Wutschreianfall bekam und mich seit neuestem auch beisst.Daraufhin habe ich erst so getan,als ob ich weine-sie hat gelacht.Dann habe ich zurückgebissen-sie hat gelacht.Ich habe ihr auf die Finger gehauen-sie hat gelacht.Das gleiche Gezädere und Machtkämpfe haben wir beim Anziehen.Nicht 1 Minute kann sie ruhig liegen bleiben.Plötzlich dreht sie sich um 180 Grad oder krabbelt mir davon.Wenn ich sie hinunterdrücke,bäumt sie sich auf.Eine Machtrangelei entsteht.Sie weint und lacht zugleich.Wie soll ich mich verhalten?Ich habe das Gefühl sie testet mich schon aus.Kann das sein?Versteht sie Bestrafungen?Welche sind sinnvoll?Von dem so vielen Nein sagen und Schimpfen, ist dieses übrigends das einzige Wort,welches sie mit erhobenen Zeigefinger spricht.Das Wort in seiner Bedeutung verstanden,hat sie aber nicht.Alles ist nein,trotzdem macht sie es.Ich komme mir so unfähig vor.Wie kann ich Ihrem Jähzorn entgegenwirken ohne sie zu verwöhnen.Es gibt leider nur Literatur zu Grenzen und Regeln im Kleindkinderalter ab 3 Jahre.Was ist mit den Baby vorher,machen die keien Probleme?Ich kann ihr doch noch nichts erklären.
Sonst (außer,dass sie für meine Begriffe ein bißchen ruhiger sein könnte) ist sie ein echter Sonnenschein.Immer gut gelaunt,verschmust,aufgeweckt,etc.
Wissen Sie Rat?


Im Voraus vielen Dank.

Liebe Grüße Alexandra

Anonym

Antwort vom 21.01.2002

Kaum ein Kind unter einem Jahr muß dizipliniert werden. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es gar nicht empfänglich für vernünftige Begründungen. Ihre häufigste Maßnahme ist deshalb einfach nur nein. Folgt das Kind nicht, entfernen Sie entweder das Objekt, oder das Kind. Schläge sind ein grundsätzlich völlig ungeeignetes Mittel. Dem Kind müssen die Grenzen für sein soziales Verhalten aufgezeigt werden. Es ist ein Teil Ihrer Verantwortung als Erzieher, dem Kind Richtlinien für sein Verhalten zu geben und Sie sollten damit bereits im ersten Lebensjahr beginnen. Gegen Ende des ersten Lebensjahres sind Enttäuschungen die Hauptursache für Unarten. Ein von Anfang an sehr willensbetontes Kind möchte dies mit zunehmendenm Alter und wachsender Selbständigkeit ausdrücken. Indem seine Willensstärke zutage tritt, akzeptiert es nicht mehr, daß Sie alles bestimmen. Es widersetzt sich Ihren Entscheidungen und beginnt kräftig, sich zu behaupten. bei seinem Alleine-machen-wollen erlebt das Kind auch Enttäuschungen, da sein Wollen oft seine Fähigkeiten übersteigt. Sein Körper macht nicht immer das, was es will und auch in seiner Umwelt geht nicht immer alles nach seinem Wunsch. Das mündet in Tränen und Zornausbrüchen. Versuchen Sie, sich nicht darüber zu ärgern, da jedes Kind dieses Verhalten aufweist. Helfen Sie Ihrer Tochter darüber hinweg. Wenn Sie keine Hilfe anbieten, vergeudet das Kind viel Kraft für Dinge, die seine Fähigkeiten übersteigen und wird durch ständige Fehlschläge entmutigt. Befindet sich das Kind in dieser Gefühlslage, wird es durch Einschüchterungsversuche und Druck noch widerspenstiger. Sie müssen Feingefühl un Humor beweisen und etwas indirekter vorgehen, so erst können Sie Ihrer Tochter helfen. Ein ausdrückliches Nein ist dann angebracht, wenn eine Gefahr für das Kind selber oder für andere droht. In anderen Fällen wird Disziplin dadurch gelehrt, daß gutes Verhalten ein entsprechendes Lob oder eine Belohnung bekommt. Loben Sie also Ihre Tochter immer z.B. dann, wenn Sie gut am Tisch ißt, entfernen Sie das Essen sofort, wenn sie mit dem Essen schmeißt-damit ist die Mahlzeit beendet. Bei einem Wutanfall seitens Ihrer Tochter verhalten Sie sich ruhig und beachten diesen am Besten gar nicht, lassen Sie sie dann völlig in Ruhe und unbeachtet. Der Wutanfall verliert somit seine Wirkung. Beim Thema Wickeln würde ich sagen, sind Sie immer noch die Stärkere, machen Sie es kurz und bündig, aber machen Sie die Windeln, ohne viel Worte darüber zu verlieren oder Zeit daran zu verschwenden. Wenn sich Ihre Tochter z.B. durch ein Mobilé oder ein schönes Bild am Wickelplatz beruhigen bzw. ablenken läßt, so ist das schön, finden Sie hier keinen Weg, so ändert es einfach nichts an der Tatsache, daß es Zeit zum Wickeln ist. Handeln Sie, viele Worte sind nicht angebracht. Zu der von Ihnen angesprochenen allgemeinen Unruhe Ihrer Tochter würde ich vorschlagen, daß Sie bei Bedarf oder großer Unsicherheit entweder den Kinderarzt ansprechen oder aber sich direkt an einen Kinderpsychologen wenden, um eine krankhafte Störung, wie z.B. der Hyperaktivität auszuschließen. Hier können Sie auch Hilfestellung im Umgang mit Ihrer Tochter bekommen, und zwar sehr gezielt und effektiv.
Mit freundlichen Grüßen

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