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"Kiss-Syndrom: Was wird beim Osteopathen gemacht?"

Anonym

Frage vom 28.05.2002

Halli hallo,

mein Sohn Torben ist 5 1/2 Monate alt und wird voll gestillt. Er hatte von Anfang an starke Last mit Koliken. Das wurde mit 3 Monaten sogar statt besser noch schlimmer. Nach einigem Hin und Her stellte sich bei ihm das Kiss-Syndrom heraus. Wir waren bei einem Chiropraktier, der ihn manipuliert hat und machen jetzt Krankengymnastik nach Bobath. Es tut sich jedoch nichts. Er schreit nach wie vor wahnsinnig viel, er hat starke Bauchkoliken (schluckt auch sehr viel Luft durch seine Unruhe) und kann sich nicht drehen (noch nicht einmal auf die Seite). Unsere KG meinte, die Reize würden bei ihm im Gehirn nicht richtig oder überhaupt nicht ankommen. Entweder es sei noch eine Blockade da oder durch die schwierige Geburt (Notkaiserschnitt, Nabelschnur um den Hals, Köpfchen im Becken fest) sei eine Sauerstoffunterversorgung entstanden, die den für die Motorik verantwortlichen Teil geschädigt hätte. Was halten sie davon?

Wir haben jetzt Freitag einen Termin mit Torben beim Osteopathen. Diese Behandlung ist uns empfohlen worden. Was halten Sie davon? Was genau wird da gemacht?
Hängen Blähungen /Koliken wirklich mit dem Kiss-Syndrom zusammen?

Ich bitte um Ihren Rat, denn wir sind nach 5 1/2 Monaten Schreierei ziemlich am Ende mit den Nerven.

Liebe Grüße

Anonym

Antwort vom 29.05.2002

Das sog. KISS Syndrom ist eine geburts-oder schwangerschaftsbedingte Verschiebung der Wirbel im Nackenbereich und stellt eine mögliche organische Ursache des Schreiens bei Kindern in den ersten Lebensmonaten. Allerdings haben nur etwa 10-12% der Schreibabys auch Verdauungsstörungen. Andere Studien haben ergeben, daß das unstillbare Schreien in den ersten Lebensmonaten in der Regel auf anfängliche Unreife der kindlichen Schlaf-Wach-Regulation zurückzuführen ist. Die Eltern eines Schreibabys sind erschöpft, mutlos und haben das Gefühl versagt zu haben. Es gibt aus diesem Grund zunehmend Schreiambulanzen bzw.-sprechstunden, die von verschiedenen Einrichtungen und Berufsgruppen angeboten werden. Das KISS Syndrom kann durch eine craniosacrale Therapie bei einem Osteopathen zur Linderung der Beschwerden beitragen. Diese Cranio Sacrale Therapie ist eine sanfte manuelle Technik, mit deren Hilfe Ungleichgewichte aufgespürt und behandelt werden. Bei der Therapie werden sanft ausgeführte Zug-und Druckkräfte angewandt. Alle Maßnahmen dienen dem Spannungsausgleich innerhalb des Bindegewebes und der Hirn-und Rückenmarkshäute mit dem Ziel der Optimierung der Funktion des Nervensystems. Ich persönlich bin über die körperliche Behinderung unserer Tochter mit dieser Therapie vertraut und halte sie für durchaus empfehlenswert, allerdings sollten Sie darauf achten, daß der Osteopath Erfahrung hat v.a. auch im Umgang mit Kindern. Bei dem von Ihnen beschriebenen Geburtsverlauf als auch der Symptomatik Ihres Sohnes ist eine Sauerstoffunterversorgung bzw. dadurch eine Schädigung des Zentralen Nervensystems nicht auszuschließen. Ich möchte Ihnen in diesem Zusammenhang die krankengymnastische Therapie nach Vojta nahelegen. Dabei handelt es sich um ein neurophysiologisches Bahnungssystem zur Wiederherstellung angeborener physiologischer Bewegungsmuster, die durch frühkindliche Hirnschäden in ihrer Entwicklung blockiert oder durch Traumata verlorengegangen sind. Diese Methode wird hauptsächlich zur Prophylaxe und Behandlung kindlicher neurologischer Bewegungsstörungen und orthopädischer Fehlhaltungen eingesetzt. Diese Therapie sollte bei Indikation möglichst früh begonnen werden. Sollten Sie noch Adressen benötigen oder in irgendeiner Form weitergeleitet werden wollen, so können Sie sich gerne nochmals an mich wenden.
Mit freundlichen Grüßen

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