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"Kind mag keinen Schnuller und mag nur an die Brust auch zum einschlafen - was tun?"

Anonym

Frage vom 17.08.2002

Liebes Hebammenteam!

Ich muß mal jemanden mein Herz ausschütten. Ich bin im grunde genommen allein erziehend, der Vater, sprich mein Freund, rennt schon, wenn der Lütsche nur´nen Pieps von sich gibt und nimmt ihn auf den Arm oder sagt, wenn wir noch im Bett liegen, laß ihn uns doch in die Mitte legen. Aber ich halte von diesen Sachen eigentlich nichts. Da ich nicht möchte, dass er immer zu uns ins Bett will und gar nicht mehr in seinem Bett schlafen möchte. Ebenso ist das mit dem sofortigem auf dem Arm nehmen.
Auch sagen alle, er sei schon verwöhnt, da es ja nur nach ihm geht. Wenn er knötert, sitzt er manchmal auf dem Schoß oder ist in der Fliegerhaltung, aber wehe, man ändert die Position ein Geknötere. Also bekommt er wieder seine vorherige Stellung zurück, damit er Ruhe gibt.
Ich bin richtig fertig, stehe kurz vorm Nervenzusammenbruch, alles habe ich falsch gemacht!
Und alle sagen, warte ab, es wird besser. Das kann ich leider nicht sagen, da bis jetzt, jeder Tag schlimmer wurde, immer mehr zu einer Katastrophe!
Das war erstmal der eine Punkt, der mich beschäftigt.

So, jetzt komme ich zu den eigentlichen Problematiken, die mich belasten, mich noch wahnsinnig machen. Manchmal könnte ich nur Heulen, ach was sage ich da, ich heule sogar.
Mein Sohn (3 Monate) ist einfach dermaßen schwierig.
Ungefähr seit seiner 2./3. Lebenswoche ist er nur am Knötern und am Schreien. Ich habe halt das Gefühl, dass es immer nur nach seinem Willen gehen muß, ansonsten wird gejammert. Wenn er nicht erhört wird, wird geschrieen und dann hat er es wieder geschafft. Er bekommt seinen Willen. Z.B. Wenn er liegt, wird er hoch genommen u.s.w. Egal in welcher Situation er sich befindet.
Kann das ein Zeichen für seinen Charakter sein, dass er auch später immer seiner Willen durchsetzen will, ansonsten wird geknötert ?
Hat man ihn vielleicht schon dadurch verwöhnt?
Er kann sich nicht mal alleine beschäftigen, damit ich auch mal irgendetwas schaffe. Laufend dann das Geschreie! Was soll ich machen? Ist das jetzt immer so oder macht er nur´ne Phase durch?

Außerdem will er keinen Nuckel nehmen, diesen lehnt er partout ab, vielleicht würde dann vieles leichter sein. Denn, so glaube ich, er hat wahnsinnige Probleme mit dem Einschlafen. Wenn ihn die Müdigkeit überkommt und er nicht in den Schlaf findet, dann wird auch gejammert und einer von uns muß ihn dann in Schlaf wippen, ansonsten wird aus dem Jammern irgendwann Schreien.
Nach dem Trinken, wenn er noch Saugen möchte, versuche ich immer wieder den Nuckel als meine Brustwarze auszugeben. Aber jeder Versuch scheitert mit Geschrei, wenn der Sauger nur seien Mund berührt oder er probiert´s mit dem Nuckeln an der Brust, aber meistens kommt da halt was raus und das passt ihm natürlich nicht, also wieder Geschrei. Seit ein paar Tagen schreit er auch, wenn er merkt, er befindet sich nicht mehr an der Brust. Dann schreit er so lange bis ich ihn wieder angelegt habe.
Ich möchte aber nicht sein Nuckel sein! Was soll ich bloß machen? Das Geschrei macht mich noch ganz fertig und ich gebe wieder nach!


Da ich ihn stille haben wir auch keinen Rhythmus. Habe ich vielleicht etwas falsch gemacht? Hätte ich ihn konsequent alle 3 Std. anlegen sollen?
Nach seiner letzten Mahlzeit, die immer unterschiedlich ist, schläft er meistens beim „Nuckeln“ ein. Die ganze Zeit hat er immer so zwischen 5 – 7,5 Std. geschlafen, bis er sich wieder wegen Hunger meldete. Danach kam er dann so nach 2,5 – 3,5 Std. wieder. Auch das Einschlafen hat immer super geklappt.
Aber seit ungefähr 3 Wochen klappt gar nix mehr. Er kommt das 1. mal schon nach 1 – 2 Std. und dementsprechend nach seinem Rhythmus. Und das Einschlafen ist auch der reinste Krampf. Ich kriege dadurch so gut wie keinen Schlaf mehr, da er auch tagsüber so gut wie gar nicht schläft.
Woran liegt das jetzt bloß, dass er so früh und so häufig nachts kommt?
Ich kann bald nicht mehr!!!!
Wird er vielleicht nicht mehr richtig satt, aber tagsüber will er ja auch nicht immer Trinken, sondern nur Nuckeln. Aber seine Windeln sind immer ziemlich schwer und das mehrmals am Tag. Auch nimmt er ständig an Gewicht zu.
Soll ich abends vielleicht zu füttern? Wenn ja, muß ich ihm dann zusätzlich was zu Trinken geben?

Kann frühes Sitzen und Stehen, man hält und stützt ihn ja, gesundheitliche Folgen haben? Liegepositionen mag er überhaupt nicht. Er bäumt sich immer zum Sitzen hoch und so lässt man ihn dann halt auf dem Schoß sitzen.
Ab wann darf man was (Sitzen, Stehen, Krabbeln, Laufen) ohne das gesundheitliche Schäden entstehen könnten?

Auch würde mich interessieren, wie laut die Musik oder andere Geräusche sein sollten, damit sie keine hörschädigenden Auswirkungen auf Babys/Kleinkinder haben?

Vielen Dank im voraus.
Ist etwas umfangreicher geworden, aber das sind halt meine ganzen Sorgen, die mich tagtäglich beschäftigen.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir so schnell wie möglich antworten könnten

Anonym

Antwort vom 19.08.2002

Zunächst einmal müssen Sie einen mehr oder weniger einheitlichen Umgang mit Ihrem Sohn zusammen mit Ihrem Mann finden. Oder aber, wenn das nicht geht, dann halten Sie sich strikt an Ihren Umgang bzw. das gleiche sollte dann Ihr Mann tun- das Kind wird es sehr bald raushaben, wie was bei wem gemacht wird. Das heißt jedoch auch, daß eben z.B. dann Ihr Mann auch alleine mit seinem Sohn im Bett schläft und Sie z.B. woanders schlafen. Sie müssen eine Linie in Ihr Familienleben bringen- das wird sich auch positiv auf Ihren Sohn auswirken, wenn hier nämlich dann dieser Streß zwischen den Elternteilen reduziert wird. Es gibt Kinder, die einfach sehr fordernd sind. Es gilt auf der einen Seite, daß Kinder in diesem Alter Anspruch darauf haben, Aufmerksamkeit zu bekommen, auf der anderen Seite gilt aber auch, daß die Eltern für sich ebenfalls zu sorgen haben bzw. für die Familie und die tägliche Dinge des Lebens, die geregelt gehören. Wichtig ist, einen geregelten Rhythmus in den Alltag zu bringen mit mehr oder weniger festen Stillmahlzeiten- entweder in einem festen Rhythmus nach Bedarf Ihres Sohnes oder aber u.U. einen festen Rhythmus z.B. alle 3 oder 4 Stunden einzuhalten(damit überhaupt erst ein Rhythmus reinkommt). Die oberste Regel lautet: Die Brust ist nicht zum Nuckeln da. So, wie Sie es beschreiben, rate ich Ihnen, hier von sich aus Einfluß auf den Stillrhythmus zu nehmen und feste Stillzeiten einzuführen. Daran kann Ihr Sohn sich dann orientieren und Sie sich auch. Wenn er keinen Schnuller mag, so können Sie ihm diesen nur immer wieder anbieten, oder aber er findet seine eigenen Finger bzw. z.B. etwas anderes, woran er sein Saugbedürfnis befriedigen kann- aber nicht die Brust. Mit drei Monaten kann es sich ebenfalls um einen Wachstumsschub handeln, in der Ihr Sohn einen Mehrbedarf hat- ebenfalls gerade jetzt auch im heißen Wetter. Dieser Mehrbedarf sollte sich nach 2-3 Tagen wieder gelegt haben, da Sie dann ebenfalls mehr Milch produzieren. Solange er kontinuierlich an Gewicht zunimmt und die Windeln mind. 5x täglich naß sind, ist es in Ordnung. Wenn Sie zufüttern möchten z.B. abends, um einen höheren Sättigungsgrad zu erreichen, damit Sie selbst u.U. längere Ruhepausen haben, so können Sie das tun(wenn von Kinderarztseite nichts dagegen spricht)-vorausgesetzt, er nimmt die Flasche problemlos bzw. dann umgekehrt auch wieder die Brust. Ich meine, daß es in Ihrer Situation jedoch angebracht wäre, diesen Versuch zu unternehmen. Wenn Sie tagsüber weiter stillen, brauchen Sie erstmal nichts zusätzlich an Flüssigkeit zu geben. Die körperliche Entwicklung verläuft bei jedem Kind nach einem bestimmten individuellen Plan, d.h. die Kinder bestimmen Ihre Entwicklung selbst. Schritte dabei vorwegzunehmen, ist nicht ratsam. Sie können jedoch Ihren Sohn durchaus in einer etwas erhöhten Liegeposition legen, wenn sein Kopf gut gestützt ist und begrenzt auf eine bestimmte Dauer- also nicht z.B. einen halben Tag am Stück. Manche Kinder sind sehr geräuschempfindlich und bringen dies auch zum Ausdruck. Sie sollten darauf achten, daß die Reize- also auch in Form von Geräuschpegel jeglicher Art, sei es Musik, Staubsauger, Waschmaschine- begrenzt bleiben und es auch eine Zeit der Ruhe im Haus gibt- so, wie Sie es eigentlich auch selbst als angenehm empfinden. Auch eine solche Reizüberflutung kann das Kind entsprechend reizbar machen. Richten Sie also einen festen Tagesablauf ein mit festen Stillmahlzeiten als auch geregelten Schläfchen bzw. dann, wenn Sie merken, daß Ihr Sohn müde ist, bieten Sie ihm die Gelegenheit, Ruhe oder auch Schlaf zu finden. Was er dann macht mit dieser Zeit- ob er nun schläft oder nicht- das ist erstmal nicht entscheidend- entscheidend ist, daß Sie solche festen Zeiten einführen. Das wird entscheidend sein für die Bewältigung Ihres Alltags mit Ihrem Sohn, der ja doch sehr fordernd ist. Jedoch braucht auch er etwas, wonach er sich richten kann- einen Rhythmus.
Mit freundlichen Grüßen

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