Themenbereich: Entwicklung und Erziehung

"Sohn, will nur getragen werden, läßt sich nur von den Eltern tragen, ...."

Anonym

Frage vom 20.11.2002

Kann man ein Baby "verwöhnen" indem man es von Anfang an zuviel herumträgt? Mein Sohn 6 1/2 M. will nur getragen sein (schaut dabei sehr aufmerksam durch die Gegend) und akzeptiert ein hinlegen unter ein Spieletrapez oder auf der Decke nur für einige Minuten in meinem Beisein, bevor er dann anfängt zu weinen. Soll ich ihn weinend einige Zeit liegen lassen? Ist es außerdem normal, daß er seit dem 3. Monat bis jetzt (mit wenigen Ausnahmen) sich von keinem nehmen läßt außer von mir und meinem Mann? Was können wir hier tun?

Anonym

Antwort vom 20.11.2002

Meiner Überzeugung nach kann man als Eltern seinem Kind kein <zuviel> an Liebe, Aufmerksamkeit und Geborgenheit geben, um es genau aufgrund dieser Voraussetzung dazu in die Lage zu versetzen, sich aus dieser Sicherheit heraus zu einer selbständigen Persönlichkeit zu entwickeln. Jedes Kind ist eine eigene Persönlichkeit und hat individuelle Bedürfnisse- das Eine braucht und sucht Zuwendung, Nähe und Geborgeneheit <mehr> als ein Anderes. Sie haben als Eltern die Pflicht, in aller Ruhe und Aufmerksamkeit die Bedürfnisse Ihres Kindes zu erkennen und zu befriedigen bzw. es in seiner individuellen Entwicklung zu unterstützen und zu fördern. Zwingen Sie Ihren Sohn niemals, sich in die Hände Fremder zu begeben, wenn er das nicht will. Erst im Arm einer für ihn vertrauten Person beginnt er, sich an Fremde zu gewöhnen. Ein Kind, das oft hochgenommen und gestreichelt wird empfindet und lernt, dies als liebevolles und menschliches Verhalten durch seine Eltern. Im Grunde genommen, ist eine solche Reaktion von Eltern an die Bedürfnisse Ihres Kindes völlig normal! Während der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres wird das Kind zunehmend tagsüber längere Wachphasen haben. Es wird versuchen, so viel Zeit wie möglich mit Ihnen als Eltern zu verbringen, denn Sie sind seine Hauptquelle für Anregung, Unterhaltung und Zärtlichkeit. Sorgen Sie dafür, daß Ihr Sohn bei Allem, was Sie tun, in Ihrer Nähe ist. Es liegt in Ihrem Ermessen abzuschätzen, wie lange er in der Lage ist, sich z.B. mit einem Mobile zu beschäftigen, während Sie andere Dinge tun. Wenn er in dieser Zeit weint, so lassen Sie es zu, solange Sie es mit Ihrem eigenen Gefühl gut vereinbaren können. Eine Alternative wäre z.B. ein Tragetuch oder -gurt. Haben Sie Geduld.
Mit freundlichen Grüßen

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