Themenbereich: Geburt allgemein

"Warum kein Kaiserschnitt ?"

Anonym

Frage vom 07.09.2003

Ich habe am 16.07.2003 meine Tochter in der 41,5 Schwangerschaftswoche entbunden. Die Geburt war nicht sehr schön, da die Hebamme mir nicht gezeigt hat, wie ich richtig atmen soll und dann gingen auch noch die Herztöne des Kindes in den Keller. Obwohl der Muttermund noch nicht geöffnet war, wurde das Thema Kaiserschnit nur kurz angesprochen aber man entschied, dass das Kind normal kommen soll. Nach der Geburt wurde das Kind sofort weggebracht und behandelt, erst nach zwei Stunden wurde es mir zum Anlegen gebracht, da es ihm sehr schlecht ging. Warum haben sie sich gegen einen Kaiserschnitt entschieden und warum habe ich an die Geburt fast keine Erinnerungen mehr? Ich weiß viele Dinge nur von meinem Partner, der mit dabei war (Ich bekam keine Schmerzmittel). Ich wollte eigentlich noch ein zweites Kind, habe aber jetzt Angst, dass die zweite Geburt genauso verläuft.

Antwort vom 07.09.2003

Hallo,
leider ist es für Außenstehende wie mich nicht möglich, die Entscheidungen nachzuvollziehen, die von denjenigen getroffen wurden, die bei der Geburt dabei waren. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt spielen viele Faktoren eine Rolle und die Teams sind bemüht, diese gegeneinander abzuwägen und die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Im Nachhinein stellt sich dann manchmal heraus, dass man sich doch besser anders entschieden hätte. Eventuell hat man sich gegen einen Kaiserschnitt entschieden, da die Herztöne zwar nicht gut waren, aber keine akute Bedrohung vorlag. Ein Kaiserschnitt wird auch nur gemacht, wenn absehbar ist, dass er eine deutliche Verkürzung der Geburt bedeutet. Auch wenn man sich für einen Kaiserschnitt entscheidet, dauert es noch eine ganze Weile, bis das Kind tatsächlich auf der Welt ist. Wenn also Ihr Muttermund zwar nicht ganz, aber schon weit geöffnet war, hat das geburtshilfliche Team vielleicht angenommen, die Geburt würde normal nur unwesentlich länger dauern. Es ist verständlich, dass es Sie belastet, dass Sie sich an kaum etwas erinnern können, außer an den mit den Ereignissen verbundenen Stress. Auch bei völlig normalen Geburten sorgt die Hormonausschüttung bei der Geburt dafür, dass sich die Frauen an wenig erinnern, kein Zeitgefühl mehr haben und das Drumherum bei der Geburt nicht wahrnehmen. Sie haben ein Recht darauf, die Patientenakte einzusehen. Daraus geht hervor, wann der Muttermund wie weit geöffnet war und wieviel Zeit verging zwischen der Entscheidung gegen den Kaiserschnitt und der Geburt. Auch Maßnahmen, die getroffen wurden, um die Herztöne des Kindes zu verbessern, sind vermerkt. Diese könnten sein: eine andere Lage, wehenhemmmende Mittel, Sauerstoffgabe usw. Auch können Sie sehen, wie es Ihrem Kind nach der Geburt ging. Eventuell haben Sie Ihre Tochter nur nicht bekommen, weil sie noch Sauerstoff bekommen hat und beobachtet wurde, ohne dass es Ihr die ganze Zeit schlecht ging. Dies ist sehr wahrscheinlich, da sie sicher in eine Kinderklinik verlegt worden wäre, wenn es Ihr anhaltend schlecht gegangen wäre. Sie können auch versuchen, mit der Hebamme, die die Geburt begleitet hat, einen Gesprächstermin auszumachen, in dem Sie Ihnen alles noch mal erklären kann. Für Gedanken an ein 2. Kind ist es so kurz nach der Geburt einfach noch zu früh. Oft dauert es eine Weile, bis die Ereignisse verarbeitet sind. Lassen Sie sich Zeit dabei. Es gibt in manchen Städten auch Gruppen für Frauen mit traumatischen Geburten. Geburten sind völlig verschieden. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die 2. Geburt ohne die Probleme der ersten verläuft. Für die 2. Geburt ist es gut, dass Sie beim ersten Kind keinen Kaiserschnitt bekommen haben. Es erhöht die Chancen auf eine normale Geburt sehr.
Ich wünsche Ihnen alles Gute, Monika Selow

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