Themenbereich: Vorsorgeuntersuchungen

"Fruchtwasseruntersuchung beim 3. Kind?"

Anonym

Frage vom 23.02.2004

Hallo,
ich bin 35 Jahre alt und erwarte mein 3. Kind. Ich bin jetzt in der 11. SSW. Meine anderen Beiden sind 4 und 6 Jahre. Beide Schwangerschaften waren problemlos, allerdings hatte ich vor dem 1. Kind und nach dem 2. Kind jeweils eine Fehlgeburt. Jetzt hat mir mein Arzt aufgrund meines Alters zur Fruchtwasseruntersuchung nach der 16. Woche geraten. Ich bin allerdings ziemlich verunsichert, da ich dieses Kind gerne haben möchte, die letzte Fehlgeburt steckte mir bis vor kurzem noch in den Knochen. Allerdings fühle ich mich großartig, trotz abartiger Übelkeit, die jedoch auch positiv ist. Uns beiden gehts gut und ich möchte, dass es so bleibt. Soll ich das Risiko aufgrund des Alters (bei der Geburt immer noch 35 Jahre alt) eingehen, oder bleibe ich weiterhin optimistisch, denn für mich ist das Risiko einer Fehlgeburt größer als eine Chromosomenschädigung.
Über Ihren fachlichen Rat würde ich mich sehr freuen.
Viele liebe Grüße
Tina

Antwort vom 24.02.2004

Hallo,
das „Altersrisiko“ steigt mit 35 Jahren nicht sprunghaft an, sondern steigert sich in der gesamten Fruchtbarkeitszeit langsam. Bei 35 Jahren wurde eine Grenze gezogen ab der gezielte Diagnostik nach Chromosomenanomalien von den Kassen bezahlt wird, die auch ökonomische Gründe hat. Das Risiko durch eine Fruchtwasseruntersuchung eventuell das Kind zu verlieren ist tatsächlich gegeben und mit Ihrem Gefühl für die Wahrscheinlichkeiten liegen Sie auch ganz richtig. Eine Fruchtwasseruntersuchung macht nur dann Sinn, wenn Sie bei Feststellung einer Anomalie mit der Konsequenz einer späten Abtreibung (die eine frühe Geburtseinleitung ist) leben können. Die Behinderung eines Kindes ist übrigens kein anerkannter Abtreibungsgrund, auch wenn es in der öffentlichen Diskussion so aussieht. Eine Abtreibung bei Behinderung ist möglich, wenn das Austragen der Schwangerschaft für die Mutter mit der Gefahr der körperlichen oder seelischen Schädigung verbunden ist. Tatsächlich ist aber fraglich welcher Weg mit der größeren seelischen Schädigung verbunden ist. Die pränatale Diagnostik an sich ist jedenfalls für viele Frauen eine starke seelische Belastung, die mit Ängsten, Gewissensnöten und Distanzierung vom Kind verbunden ist. Sie haben die Möglichkeit sich in einer unabhängigen Beratungsstelle beraten zu lassen, wenn Sie sich mit der Entscheidung schwer tun sollten. Informationen finden sich unter www.cara-beratungsstelle.de.
Sie können auch mit Ihrer Hebamme einen Termin machen, in dem Sie ausführlich alle mit der Entscheidung verbundenen Fragen besprechen können.
Leider tragen fachliche Beratungen in der Frage meist nicht zur Klärung und Beruhigung bei, weil es letztendlich eine rein ethische Fragestellung ist, die Sie nur für sich entscheiden können. Wenn Sie sich einfach nur auf das Kind freuen wollen und die pränatale Diagnostik für sich als größeres Risiko sehen, ist aus ethischen Gesichtspunkten dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Ich wünsch Ihnen alles Gute für die weitere Schwangerschaft, Monika Selow

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