Themenbereich: Hausgeburt

"Hausgeburt nach IVF?"

Anonym

Frage vom 18.02.2005

Liebes Team,
ich bin 36,glücklich schwanger nach dem 2. IVF Versuch und plane eine Hausgeburt.
Mein Frauenarzt ist total dagegen, konnte mir aber keine wirklichen Argumente liefern, außer irgendwelcher Horrorgeschichten und meinte ich müßte unterschreiben, daß er jegliche Verantwortung für eine solche Geburt ablehnt. Auch mein Fortplanzungsmediziener ist völlig ausgeflippt und will mich (unter diesen Umständen) nicht mehr sehen. Er hat mich aus seiner Kartei gestrichen.
Das ist alles sehr traurig und trägt nicht gerade zu einer glücklichen SS bei.
Auch bin ich nun ein wenig verunsichert. Bedeutet SS nach IVF zwangsläufig "Risikoschwangerschaft im höchstem Maße" und ist an eine Hausgeburt nicht zu denken?
Bei meiner Hebammensuche hörte ich 2 andere Meinungen. Aber an dieser Stelle bräuchte ich noch weitere Infos. Gibt es Studien über (Haus-)Geburten nach IVF?
Vielen Dank
Katrin

Antwort vom 18.02.2005

Hallo,
es gibt zumindest Studien darüber, dass Hausgeburten kein höheres Risiko darstellen, als die Geburt im Krankenhaus. Unter http://www.quag.de/content/publikationen.html können Sie sich die Daten der außerklinischen Geburtshilfe ansehen, unter http://www.bqs-qualitaetsreport.de/2003/ergebnisse/leistungsbereiche/geburtshilfe/index_html finden Sie die Daten aus den Kliniken.
Komplikationen können auftreten, egal für welchen Geburtsort Sie sich entscheiden (unabhängig von der IVF). Ist dies der Fall, dann wird die Hebamme, die Sie bei der Hausgeburt betreut, Sie in eine Klinik einweisen. Bei normal verlaufender Schwangerschaft sind Komplikationen zu Hause jedoch weit seltener anzutreffen. Die kontinuierliche Betreuung von einer vertrauten Hebammen, das gewohnte Umfeld und Ihre eigene, ungestörte Kraft tragen viel zu einem guten Gelingen der Geburt bei. Dass bei Ihnen eine Störung bestand das Kind zu empfangen, bedeutet nicht, dass Schwangerschaft und Geburt komplizierter sein müssen, als wenn Sie "ganz normal" schwanger geworden wären. Studien, die sich speziell mit den Geburten nach IVF befassen, kenne ich nicht. Schon gar nicht mit Hausgeburten nach IVF. Klar ist aber, dass die IVF an sich nicht das einzige ist, was zählt für eine gute Geburt. Selbst wenn bewiesen wäre, dass nach IVF ein erhöhtes Risiko bestünde, ließe sich nicht sagen, ob dies an der IVF liegt oder z.B. daran, dass Frauen nach IVF besonders verunsichert sind. Aus meiner Erfahrung würde ich sagen, das die IVF weniger ausmacht als die Einstellung mit der die Frauen danach an die folgende Schwangerschaft und Geburt gehen. Es gibt Frauen, die am liebsten jede Woche Ultraschall hätten und einen Kaiserschnitt auf Wunsch bekommen, ohne eine normale Geburt auch nur in Erwägung zu ziehen. In einer Studie wäre demnach zu erwarten, dass der Anteil von Kaiserschnitten nach IVF besonders hoch ist. Würde das wirklich etwas über das tatsächliche "Risiko" nach IVF aussagen?
Es gibt andere Frauen, die sich nach IVF einfach freuen, dass es geklappt hat und die eine ganz normale Schwangerschaft und Geburt haben (auch zu Hause).
Es kann also sein (und das nehme ich an), dass die Einstellung der Frau nach der IVF entscheidender ist, als die IVF selbst.

Die Geburt ist ja erst am Anfang der Beziehung zum Kind und ich glaube, dass sich die hinter der gewählten Vorgehensweise stehende Einstellung im ersten Beispiel (die Verantwortung wird zu einem großen Teil auf andere übertragen, kein Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten als Mutter usw.) im Umgang mit dem Kind nach der Geburt fortsetzt.
Daher halte ich Ihre Herangehensweise an die Geburt, nach der IVF, zunächst einmal für "gesund". Ihr Umgang mit der bevorstehenden Geburt zeugt eher davon, dass Sie die Geburt und auch Ihr Kind ganz normal betrachten, Selbstvertrauen haben in Ihre Fähigkeit als Mutter und sich eine eigene Meinung bilden können. Alles gute Voraussetzungen für eine schöne Geburt und eine entspannte Beziehung zum Kind.
Das Verhalten Ihrer Ärzte dagegen finde ich unverschämt. Es zeugt nicht gerade davon, dass sie Ihre Wünsche ernst nehmen und Sie respektieren. Sicher haben Sie überhaupt nicht verlangt, dass Ihr Arzt die Verantwortung übernimmt. Das müßte er auch nur, wenn er die Geburt selber leiten wollte. Da er das sicher nicht vorhat, müssen Sie auch nichts bei ihm unterschreiben. Die Aufklärung über eine Hausgeburt liegt bei dem/derjenigen, die die Hausgeburt begleiten. Das sind diejenigen, die auch die Verantwortung für Ihr eigenes Tun tragen. Ansonsten tragen Sie selbstverständlich als erwachsene, mündige Frau die Verantwortung für Ihre Entscheidung selbst! Würde Ihr Arzt Ihnen erklären können, was genau gegen eine Hausgeburt spricht, wären Sie sicher ohne weiteres in der Lage die Entscheidung gegen eine Hausgeburt selbst zu treffen. Das Verhalten Ihres Arztes läßt vermuten, dass er Ihnen eben nicht zutraut die richtige Entscheidung über den Geburtsort treffen zu können. Stattdessen erwartet er, dass Sie sich blind seiner Meinung anschließen, obwohl er anscheinend nicht in der Lage ist Ihnen die Informationen zu geben, mit denen er seine Entscheidung begründet. Das ist nicht gerade das, was unter einer optimalen Beratung zu verstehen ist.
Auch Ihr Fortplanzungsmediziener hat keinerlei Anlass "auszuflippen", wenn Sie ein vernünftiges Gespräch mit ihm suchen. Sie als Patientin haben ein Recht darauf ernst genommen zu werden und Informationen zu erhalten, die Ihnen eine eigene Entscheidung ermöglichen. Neben den medizinisch-technischen Möglichkeiten ist es letztendlich das gute Verhältnis zwischen Arzt und Patientin, das eine gute Betreuung ausmacht und so zu einem ungestörten Verlauf von Schwangerschaft und Geburt beiträgt.
Sollten Sie keine Studien oder andere Entscheidungshilfen für Klinik- oder Hausgeburt auf der rein medizinischen Ebene finden , würde ich Ihnen empfehlen, die Geburt da zu machen, wo Sie sich besser aufgehoben, betreut und beraten fühlen.
Alles Gute, Monika

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