Themenbereich: Kaiserschnitt

"wie verhalten bei unterschiedlichen Meinungen von Arzt und Hebamme?"

Anonym

Frage vom 26.05.2005

Liebes Hebammenteam,
ich bin in der 38 SSW( 1. Kind).Ich habe einen FA und eine Beleghebamme, mit beiden bin ich sehr zufrieden.
Mein FA rät zu einem KS, da der Kopf des Kindes schon jetzt 37 cm misst und keinen Kontakt zum Becken aufnimmt.Die Hebamme rät dringend ab und rät nur noch durch sie Untersuchengen durchführen zu lassen.Die Hebamme sagt, dass der Muttermund bereits 1cm durchlässig ist, der Frauenarzt spricht von einem unreifen Befund. Ich bin besonders verunsichtert, da die Hebamme sehr auf die Ärzte schimpft, während ich nur gute Erfahrungen gesammelt habe.
Der Bauch ist sehr hoch und es erscheint mir richtig, dass der Kopf noch nicht im Becken liegt. Die Hebamme bittet mich Ihr zu vertrauen, aber mir ist etwas mulmig, wenn noch nicht einmal mehr Ausmessungen per Ultraschall gemacht werden.
Die Geburt war eigentlich im Krankenhaus zusammen mit der Hebamme geplant. Nun fürchte ich, dass diese selbst bei Komplikationen keinen Arzt rufen würde. Wie soll ich mich verhalten.
Vielen Dank für die Hilfe,
Sabrina

Antwort vom 26.05.2005

Hallo, es ist immer schwierig, wenn man unterschiedlichen Meinungen ausgesetzt ist und letztendlich selbst eine Entscheidung treffen muss. Eine dritte Meinung ist da nicht immer klärender. Allgemein ist zu sagen, dass die Kaiserschnittrate in Deutschland untragbare Höhen angenommen hat, die auch medizinisch sehr bedenklich ist. International wird eine Rate von 10-15% als normal angesehen. Die hatten wir auch noch bis vor ein paar Jahren. Inzwischen sinds 30-40% ohne dass sich an den Ergebnissen irgendetwas verbessert hat. Im Gegenteil die Rate der Kinder, die nach der Geburt medizinische Versorgung brauchen ist ebenso angestiegen und besonders bei den Geburten nach bereits erfolgtem Kaiserschnitt sind die Risiken für Mutter und Kind deutlich höher.
Als Grund für die Kaiserschnitthäufigkeit wird vorgeschoben, dass die Frauen vermehrt Kaiserschnitte wünschen, dabei trifft dies aber nur auf 8% der Frauen zu, die letztendlich einen Kaiserschnitt bekommen. Der Rest wollte ursprünglich eine Spontangeburt und hat sich wegen verunsichernder Faktoren zu einem Kaiserschnitt entschlossen (wenn man mal die berechtigten rausnimmt).
Die Gründe, die Ihr Arzt angibt wären noch vor wenigen Jahren noch nicht mal einer Erwähnung wert gewesen und es hätte sich keine Klinik gefunden, die deshalb schon vor Wehenbeginn von Kaiserschnitt redet, geschweige denn einen durchführt. Die Punkte im Einzelnen: Der Kopfumfang ohne Bezug zum Becken sagt gar nichts aus, weil sich der Kopf dem Becken anpasst, wenn er ins Becken tritt und die Lage und Haltung des Kopfes (unter Wehen) viel entscheidender ist als der Umfang. In der 38. Woche muss der Kopf noch nicht im Becken sein. 1cm Muttermundsdurchlässigkeit kann gleichzeitig ein unreifer Befund sein, je nachdem wie der Muttermund steht, wie fest er ist und wie lang der Gebärmutterhals ist. In der 38. Woche ist ein unreifer Befund ganz normal, weil die Zeit ja auch noch nicht reif ist. Letztendlich kann erst bei der Geburt gesagt werden, wie sich ein Kind während des Geburtsvorganges verhält und es gibt keinerlei Veranlassung darüber bereits vorher Entscheidungen zu treffen. Es ist in den Mutterschaftsrichtlinien noch nicht mal vorgesehen, dass ab der 30. Woche überhaupt noch routinemäßige Ausmessungen vorgenommen werden, eben weil sie überhaupt keine Relevanz haben.
Ihre Hebamme würde ihr Geld auch leichter verdienen, wenn sie einfach nur die Angaben des Arztes bestätigen würde und einen relativ kurzen Kaiserschnitt zu geplantem Termin begleiten würde, statt sich auf eine Geburt mit (immer) ungewissem Ausgang einzulassen. Auch wenn Hebammen keinen Kaiserschnitt ohne hinreichende Begründung befürworten, so wissen wir doch sehr Wohl um den Wert ärztlicher Hilfe, wenn wirklich Bedarf ist. Ein Kaiserschnitt ist in der Klinik innerhalb von 20 Minuten möglich. Was spricht also dagegen eine normale Geburt abzuwarten und einen Kaiserschnitt erst dann zu machen, wenn absehbar ist, dass er notwendig ist? Bei Komplikationen wird jede Hebamme schon aus Eigeninteresse einen Arzt hinzuziehen. Was sollte sie auch sonst machen, wenns wirklich nicht passt?
Schade ist, dass Sie inzwischen schon nicht mehr so ganz daran glauben, dass Sie selbst in der Lage sind dieses Kind zu gebären. Normlerweise befürworte ich eine gute Zusammenarbeit zwischen Arzt und Hebamme und Absprachen zu den Empfehlungen, die der Frau gegeben werden, wobei die Frau diejenige sein soll, die entscheidet wann sie wen in Anspruch nimmt und welcher Empfehlung sie letztendlich folgt. Ich halts in Ihrem Fall für schwierig, wenn die Hebamme die Geburt begleitet, wenn vorher der Arzt pessimistische Prognosen in den Raum gestellt hat und Sie Bedenken bezüglich der Zuverlässigkeit der Hebamme im Komplikationsfall in die Geburt tragen.
Die Empfehlung Ihrer Hebamme eine normale Geburt anzugehen entspricht (nach dem was ich ohne eigene Untersuchung aus Ihren Angaben schließen kann) den anerkannten wissenschaftlichen Empfehlungen, während mir die Aufklärung Ihres Arztes über die Ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten eher mangelhaft erscheint. Seine eigene Meinung kann er natürlich haben. Fair wäre es allerdings gewesen, wenn er diese mit der Hebamme bespricht und Sie bittet mit der Hebamme, als der Person, die die Geburt begleiten soll, Kontakt aufzunehmen, damit die Hebamme sie über Ihre eigene Einschätzung informieren kann. Schließlich will Ihr Arzt die Geburt ja nicht begleiten.
Niemand kann Ihnen versprechen, dass das Kind letztendlich normal kommen kann, eine reelle Chance haben Sie aber allemal.
Sich bis zur Geburt unterschiedliche Meinungen von Arzt und Hebamme anhören kann ich Ihnen nicht empfehlen, da es den Geburtsverlauf nicht gerade begünstigt, wenn Sie verunsichert sind und jede Aussage vom jeweils anderen kommentiert oder in Frage gestellt wird. Versuchen Sie mal sich von den Meinungen anderer zu lösen und hören Sie was Ihr Herz Ihnen sagt, vielleicht kommen Sie damit zu einer Entscheidung mit der Sie dann auch zufrieden sein können.
Alles Gute für die Geburt, Monika

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