Themenbereich: Babyernährung allgemein

"Mein Kind möchte nur gestillt werden"

Anonym

Frage vom 12.12.2006

Liebes Hebammenteam,
mein Sohn ist 11 ½ Monate und wird noch voll gestillt. Seit 5 Monaten versuchen wir ihn zum essen zu bewegen, jedoch ohne viel Erfolg. Wir haben ihm schon alles mögliche zu essen gegeben: Gemüsebrei (Brokoli, Spinat, Mohrrübe, Kohlrabi, Blumenkohl) mit und ohne Kartoffel, Tomatensuppe mit Reis, Reis mit Apfel, Obstbrei, Banane, Weintraube, Haferbrei und Hirsebrei mit Obst, Brot mit Frischkäse, Nudeln. Ich habe die Lebensmittel fein püriert, grob püriert und in Stückchen gegeben (Er hat inzwischen 8 Zähne!). Ich habe mit dem Finger gefüttert (anfangs ging es nur mit dem Finger) und mit dem Löffel. Ich habe mit ihm gegessen, die ganze Familie hat mit ihm gegessen oder er hat alleine gegessen. Er hat auf meinem Schoß gesessen, auf der Erde oder im Stühlchen. Ich habe ihn zu sämtlichen Tageszeiten gefüttert. Wir haben anfangs ein/zwei Wochen Pause gemacht, weil es gar nicht klappte und dann wieder probiert. Sprich: Wir haben mittlerweile alles ausprobiert. Er isst ab und zu mal ein paar Häppchen oder Löffelspitzen voll, aber nur aus Neugier. Wenn er dann probiert hat, hat er kein Interesse mehr. Er hat noch nie mehr als etwa drei Eßlöffel voll gegessen, meistens viel weniger. Oft verweigert er auch komplett. Das Problem ist: Er öffnet den Mund kaum, so dass man nur Löffelspitzen in den Mund hinein bekommt. Er kaut dann lange auf der kleinen Nahrungsmenge herum, so dass einige Zeit vergeht, bis man ihm die nächste Löffelspitze geben kann. Geht es aber um meine Brustwarze kann er den Mund ganz weit aufsperren. Ein weiteres Problem ist, dass er manchmal wirklich Interesse an den Lebensmitteln zeigt, den Mund auch etwas weiter und von alleine öffnet, das geht dann aber nur ein paar Tage und dann hat er das Interesse wieder verloren. Und dann gibt es wieder Tage wo er gar nichts haben will. Diese Tage überwiegen.
Seit ein paar Wochen habe ich ihm nur noch ab und zu was angeboten, habe mich nicht mehr an feste Zeiten gehalten und ihm auch keinen Druck gemacht, habe ihn einfach ab und zu mitessen lassen. Manchmal habe ich ihm auch ein paar Tage nur Muttermilch gegeben. Ich wollte erreichen, dass er vielleicht von allein Interesse zeigt und sich nicht so gedrängt fühlt, außerdem war ich es satt mir immer so viel Mühe zu geben, was zu kochen, zu schnippeln, zu reiben usw. und dann doch drauf sitzen zu bleiben. Aber es ist dadurch überhaupt nicht besser geworden, eher schlechter.
Mein Sohn ist in seiner grobmotorischen Entwicklung etwa drei Monate hinter anderen Kindern zurück. Und er ist eher der gemütliche Typ, also kein Draufgänger. Z.B. kann er jetzt seit vier Wochen robben, tut es aber nur in sehr seltenen Fällen, bzw. wenn man ihn sehr lockt. Vielleicht ist er ja mit dem Essen auch einfach nur ein Spätzünder und ich muss ihm noch ein bisschen Zeit geben? Es ist ja kein Baby wie das andere, genau wie Erwachsene auch grundverschieden sein können. Auf der anderen Seite mache ich mir natürlich Gedanken, wie lange die Muttermilch als einzige Nahrung ausreichend ist. Er sieht wohlgenährt aus, hat hier und da seine Speckanansätze, hat ein rundes Gesichtlein mit glatter rosiger Haut, ist meistens gut gelaunt und gut drauf. Er ist auch alles andere als müde, also keine Anzeichen für Eisenmangel. Er schläft tagsüber nur etwa zwei Stunden und nachts ca. 11 Stunden. Dennoch weiß ich nicht, ob ich mich darauf verlassen kann, dass er früher oder später von alleine merken wird, dass er noch etwas anderes braucht als Muttermilch und dann schon anfangen wird zu essen. Ich frage mich, ob es sein kann, dass es auch Babys gibt, die man irgendwann zum essen zwingen muss. Meine Freundin hat ihr Kind mit 8 Monaten in einen Kindergarten gebracht. Bis dahin hatte er auch das essen verweigert. Die Kindergärtnerinnen haben es ihm dann beigebracht und abends hat ihr Mann gefüttert. Es gab einiges Geschrei, aber er musste da dann durch. Wird das bei meinem Sohn auch nötig sein oder kann man der Natur seinen freien Lauf lassen? Bisher habe ich es meist so gemacht, dass ich ihn nach dem Füttern die Brust gegeben habe. Manchmal habe ich ihn auch ein bisschen warten lassen. Manchmal hat es ihm nichts ausgemacht, wenn er aber schon zu sehr Hunger hatte, hat er doch protestiert und dann hat er mir einfach zu leid getan und ich habe ihn gestillt. Ich denke, es würde viele Tränen und einen langen Machtkampf geben und es wäre eine große Quälerei für ihn, wenn ich ihn zum essen zwingen würde indem ich ihm nach dem Füttern nicht mehr stillen würde. Eine Zeitlang hatte mein Sohn große Schwierigkeiten mit dem Einschlafen und wir mussten es ihm beibringen und ihn auch ein wenig weinen lassen. Muss ich da beim Essen auch eingreifen, weil es sonst immer schwieriger wird, je älter er wird oder wird der Knoten von alleine platzen? Wenn ich eingreifen soll, wie? Wie soll ich mich verhalten? Ich bin wirklich ratlos? Sollte man vielleicht mal sein Blut untersuchen lassen, um festzustellen, ob er ausreichend mit allem was er braucht versorgt ist?

Anonym

Antwort vom 12.12.2006

Hallo, mit einem Jahr braucht ein Kind so langsam mehr als nur Muttermilch, allerdings ist "so langsam" auch ein etwas dehnbarer Begriff! Ihr Sohn isst zwar nicht soviel wie man sich wünschen könnte, aber er isst doch immer wieder kleinste Portiönchen andere zusätzliche Nahrung, das ist schon mal gut. Ich finde Ihre Haltung der letzten Wochen auch gut, nichts zu erzwingen, dennoch Essen anzubieten.Ich denke, Sie haben vorallem auch sich selber nicht mehr den Stress gemacht, konnten selber mal durchschnaufen. Suchen Sie vor Ort Hilfe, fragen Sie am besten bei Ihrem Kinderarzt nach, an wen Sie sich für ein ausführliches Beratungsgespräch wenden können, evtl. an eine Familienberatungsstelle. Ihr Kinderarzt kann Ihnen auch sagen, ob organisch bei Ihrem Sohn keine Auffälligkeiten vorhanden sind. Sowohl die motorische als auch die Entwicklung was das Essen betrifft, fällt bei Kindern so unterschiedlich aus, da ist eine ganz breite Spanne auch einfach in Ordnung.
Alles Gute,Barbara

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