Themenbereich: Vorsorgeuntersuchungen

"Habe ich eine wichtige Risikountersuchung verpasst?"

Anonym

Frage vom 13.02.2009

Hallo liebe Hebamme,
Ich bin 31 Jahre alt, lebe im Ausland, bin zum ersten mal schwanger und inzwischen in der 17. Schwangerschaftswoche. Ich wurde in der 7. und 12. Woche mit Ultraschall untersucht, wobei alles ok zu sein schien (Herzschlag, Grösse, etc.) es wurden zu diesem Zeitpunkt jedoch keine Risikowerte gemessen. In der 15. Woche habe ich dann über eine Freundin erfahren, dass die Risikoberechnung also die wichtige Ultraschalluntersuchung in der 11.-14. Woche zu erfolgen hat. Ich habe mich an meine Ärztin gewandt, die mir daraufhin sofort einen Ultraschall-Termin gab, es war dann jedoch tatsächlich zu spät, das Baby war bereits zu gross und die Risikowerte konnten nicht mehr bestimmt werden. Ist das tragisch? Was bedeutet das nun für das Risiko meines Babys? Sollte ich für die Geburt nun mit einem höheren Risiko rechnen, es zumindest einplanen? Ich möchte in Zukunft auf keinen Fall mehr eine der wichtigen Untersuchungen verpassen. Welche und vor allem wann sind die kommenden wichtigsten Untersuchungen? Gleichzeitig möchte ich jegliche unnötigen Ultraschalluntersuchungen vermeiden, so dass es mir wichtig wäre zu wissen welche der Untersuchungen tatsächlich nun noch notwendig und sinnvoll sind. Vielen herzlichen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung.

Liebe Grüsse
KN

Antwort vom 16.02.2009

Hallo, leider weiß ich gar nicht, um welche wichtige Risikountersuchung es sich gehandelt haben könnte. Diese sind in jedem Land unterschiedlich. Der Verlauf der ganz normalen Schwangerschaft ist von Ihrer Ärztin untersucht worden. Somit besteht für die Geburt auch kein erhöhtes Risiko. Die Risikoberechnungen, die auch bei uns gemacht werden, beziehen sich nur auf die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten von bestimmten Behinderungen des Kindes. Meistens werden sie nicht von der Kasse bezahlt, eil sie individuell auch nicht viel aussagen. Es gibt ein so genanntes Altersrisiko. Dieses liegt mit 31. Jahren bei 1:826. Das heisst: wenn Sie 826 Kinder bekommen würden, dann hätte eines davon einen Gendefekt. Mit 35 Jahren liegt das Risiko bei 1:365.
Mit der Risikoberechnung werden nun bestimmte Hormone und Messwerte zusätzlich erhoben und daraus zusammen mit dem Altersrisiko ein individuelles Risiko berechnet. Dabei kann dann jede Zahl rauskommen. Nehmen wir mal an, dass Ihre Berechnung ergeben hätte, dass das Risiko bei 1:1500 oder 1:500 liegt. Welchen Erkenntnisgewinn hätten Sie dadurch??
Mit 1:500 hätten Sie ein erhöhtes Risiko bezogen auf Ihr Alter, jedoch immer noch ein geringeres Risiko als eine 35-jährige mit alleinigem Altersrisiko ohne zusätzliche Berechnung. Andererseits haben Sie auch mit einer Zahl von 1:1500 keine Garantie auf ein gesundes Kind. Nach meiner Erfahrung verunsichern diese Risikoberechnungen nur unnütz und führen zu weiteren Folgeuntersuchungen. Dadurch, dass Sie die Untersuchung nicht haben machen lassen, hat Ihr Baby ein völlig unverändertes Risiko und auch die Geburt ist davon gänzlich unbeeinflusst, weil die Untersuchung alleine nichts an den schon bestehenden Gegebenheiten ändert. Die ganzen Berechnungen beziehen sich nur auf Gendefekte. Weit mehr Behinderungen entstehen jedoch durch Frühgeburtlichkeiten und Erkrankungen der Mutter, so dass die ganz normale Schwangerenvorsorge weit mehr Sinn macht, vor allem weil dort die Möglichkeit der Behandlung besteht, die vermeiden hilft, dass es negative Auswirkungen auf das Baby gibt.
In Deutschland wird um die 20. und um die 30. Woche herum noch mal ein Ultraschall gemacht, jedoch zeigen internationale Studien, dass sich die Ergebnisse dadurch nicht verbessern. Wichtig ist, dass die ganz normalen Vorsorgeuntersuchungen gemacht werden, in denen das Wachstum des Kindes und Ihr Gesundheitszustand kontrolliert werden. Soweit ich es verstanden habe, ist bisher bei Ihnen alles in Ordnung. Wenn Sie sich gesund ernähren und auf schädigende Verhaltensweisen verzichten (Alkohol, Nikotin, Tabletten, zu viel Zucker usw.), dann tun Sie das optimale für ein gesundes Baby und eine ganz normale Geburt.

Ich wünsch Ihnen alles Gute, Monika

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