Themenbereich: Stillen allgemein

"Wie lernen Neugeborene einen Stillrhythmus?"

Anonym

Frage vom 27.01.2010

Hallo liebes Team,

es geht ums Stillen.

Meine Tochter ist jetzt 11 Tage alt und wir hatten eigentlich einen guten Trinkrythmus tags und nachts ca. alle 2-2,5 Stunden. Auch wenn ich die Zeichen noch nicht ganz deuten kann ob sie wirklich Hunger hat oder nicht habe ich sie zumindest in dem Rahmen immer angelegt und es hat ganz gut funktioniert.
Da trinkt sie eigentlich erst eine Seite aber nie länger als 10 Minuten dockt dann ab und ich lege sie meist gleich an die andere an ( nach einem Bäuerchen ) Sie trinkt die 2. Seite dann nur noch max. 5 Minuten. Nachts kam sie sogar manchmal erst alle 3 Stunden und alles klappte super. Manchmal hatte sie aber abends einen Rappel, da zappelte sie vorher und schrie und war ganz aufgewühlt und wollte alle 15 Min. an die Brust, da meinte eine befreundete Mutter dass ich ihr die nicht gewähren soll weil sie gar kein Hunger haben kann wenn sie vorher die gleiche Menge immer trank und satt war. Denn mein Baby hat in den 11 Tagen bereits 500 gramm zugenommen, also recht viel für die Zeit...Ich habe auch sehr viel Milch, was man ja am Gedeihen der Kleinen merkt. Für mich machte das dann Sinn ihr die Brust nicht alle 15 Minuten zu geben und habe sie so beruhigt ( auf den Bauch legen, Finger in den Mund stecken ) was auch ganz gut geklappt hat so konnte ich es dann auf die üblichen 2,5 stunden ziehen.

Seit vorgestern ist es nun so dass sie manchmal nur eine Seite trinkt, ich kann sie gar nicht animieren die andere Brust anzutrinken gehe also davon aus sie ist satt und dann 10 Minuten später wird sie ganz wild so als würde ich ihr die Nahrung verweigern und sie will wieder trinken. Das Problem ist dann in der Nacht wenn man erstmal eine Pause machen muss und sie dann nach Minuten plötzlich doch entschließt zu trinken. Die Abstände sind auch kürzer geworden, jetzt bei 1,5- 2 Stunden.
Die Kinderärztin meinte vor der Änderung des Trinkverhaltens nicht kürzer als 1,5 - 2 Stunden die Brust zu geben weil die Restmilch noch verdaut werden muss.
Meine Fragen:

1. Wie ist das mit der neuen Pause von 10 Minuten dazwischen -soll ich ihr die gewähren oder davon ausgehen dass sie bei der 1. Brust satt ist und es einfach nur Gewohnheitstrinken ist - gerade in Bezug auf die Gewichtszunahme? Mit dem Rappel alle 15 Minuten trinken habe ich ja auch nicht nachgegeben -allerdings hatte sie da schon beide Brüste gehabt während sie jetzt nur eine trinkt wenn sie nach 10 Minuten wieder kommt.
2. Diktiere ich meinem Kind den Trinkrythmus von 2,5 Stunden auf wenn ich es "hinziehe" oder ist es sogar vorteilhaft damit sie sich schnell an einen Trinkrythmus gewöhnen oder ist nach Bedarf stillen wirklich sinnvoller - das macht es für mich schwierig und unberechenbar und ich habe Angst dass das Kind dann nie lernt wann es was trinken soll...
3. Warum kommt sie nachts früher als am Tag, kann das wirklich Hunger sein oder eher andere Umstände ( Dunkelheit, Einsamkeit ) - sie schläft in der Mitte unseres Bettes auf einer Minimatratze da sie das Beibett nicht akzeptiert.
4. Lernen Neugeborene denn überhaupt so etwas wie einen Rythmus in den ersten Lebenstagen?

Danke für ihre Antworten,
viele Grüße
Charlotte

Antwort vom 28.01.2010

Hallo!
Gerade am Anfang ist es ganz schön schwierig als stillende Mutter herauszufinden, was das eigene Kind von einem will. Aber ich darf Ihnen versichern: Ihre Tochter verhält sich völlig normal! Und toll, wie sie zunimmt. Allein das ist das Zeichen dafür, dass Ihre bisherige Strategie mit dem Stillen nach Bedarf genau richtig ist und funktioniert. Ihre Tochter meldet den Bedarf an und Sie halten das passende Angebot bereit. Es wäre sicher einfacher, wenn wir genau wüssten, wieviel unsere Kinder an der Brust trinken – eine durchsichtige Messeinrichtung beim Stillen würde alles viel glaubhafter machen (und uns die Unberechenbarkeit nehmen). Ich empfehle Ihnen, genau so weiter zu machen und Ihrem Kind Vertrauen zu schenken: Ihr Neugeborenes trinkt nicht zu jeder Mahlzeit die gleiche Menge, genau so wie wir nicht immer gleich Hunger oder Appetit haben. Aber insbesondere, wenn Ihr Kind lernen kann nach seinem eigenen Bedarf und Bedürfnissen zu trinken, lernt es eigenständig damit umzugehen. Bitte bedenken Sie auch, wie gross der Magen Ihres Kindes zur Zeit ist. Kleine, aber häufige Mahlzeiten sind ganz normal und für viele Säuglinge besser zu verarbeiten. Und damit möchte ich ein Ammenmärchen rausnehmen: es gibt keinen Nachweis davon, dass frische und angedaute Milch im Bauch zu Problemen führen und deshalb eine vorgegebene Pause dazwischen richtig ist. Und das Problem mit einem vorgebenen Rhythmus kann folgendes sein: Sie greifen damit in den Stillkreislauf ein und es findet weniger Anregung statt als Ihr Kind braucht (insbes. in der Zeit der Wachstumsschübe). Mahlzeiten von 8-10-12 Mal am Tag sind insbesondere in der Neugeborenenzeit nicht nur normal, sondern wichtig, weil der Hormonspiegel für die nächsten Monate so angeregt wird, dass die Milch reicht für das volle Stillen von sechs Monaten oder darüber hinaus. Und insbesondere ein Neugeborenes teilt sich seine Stillmahzeit auf: intensives, hungriges Saugen, grosse Müdigkeit, Luft ablassen und dann passt ein Nachtisch hinein. Also, Ihre Tochter hat ihren Rhythmus! Tag und Nacht gleichen sich ansonsten: Hunger, Mama-Nähe, Geborgenheit und das stete Prüfen, ob jemand da ist. Anstrengend, aber sehr normal. Ihnen eine innige Zeit mit Ihrem Kind, Inken Hesse, Hebamme

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