Themenbereich: Abstillen

"wieviel Milch braucht ein Säugling noch nach dem Abstillen?"

Anonym

Frage vom 06.04.2010

Liebes Hebammenteam,
ich habe Fragen zum Abstillen.

Mein Sohn 8 Monte bekommt seit dem 5. Monat Beikost, die er mit Genuss isst. Sein Essensplan sieht z.Zt. folgendermassen aus:

morgens/vormittags: Stillen

11-12 Uhr: Gemüse-Kartoffelbrei (2 mal pro Woche mit Fleisch)

15-16 Uhr: Obst mit Getreidebrei

18-19 Uhr: Milchbrei (Fertigmilchbrei von Holle mit 130 ml Wasser angerührt)

nachts will er noch ca. 2 mal die Brust

Er trinkt den ganzen Tag über Wasser aus der Trinklernflasche von Avent.


Ich glaube jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum vollständigen Abstillen gekommen (Er möchte am liebsten das Frühstücksbrot seiner Schwester und beisst mich ständig in die Brust)

Folgende Fragen habe ich:

- soll ich überhaupt noch Milch- Fläschchen geben? Oder morgens auch einen Milchbrei.

- Was mache ich dann nachts? Wasserfläschen? Mir scheint er hat nachts wirklich noch Hunger, reicht eventuell der Abendmilchbrei nicht aus?

- wenn Fläschchen, dann gleich Vollmilch oder lieber Säuglingsmilch? Wenn Säuglingsmilch dann schon die 2er Folgemilch?

Vielen herzlichen Dank für die Beantwortung meiner Fragen.

Antwort vom 06.04.2010

Hallo!
Auch ein 8-Monate alter Säugling braucht noch Milchmahlzeiten und bisher wird er seinen Bedarf an der Brust gedeckt haben. Die Milchmenge beim Stillen ist ein „natürliches Geheimnis“, aber durchschnittlich braucht es in dem Alter noch zwischen 400-600ml Milch und viele Mütter produzieren auch trotz Beikost noch so eine grosse Menge oder darüber hinaus. Das bedeutet, bis zum Ende des ersten Lebensjahres ist das die eiweiss- und kalziumhaltige Quelle, bevor andere Produkte (Käse, Quark, Joghurt, Hülsenfrüchte etc.) den Bedarf mit decken können. In Ihrem Fall liesse sich ein Teil davon durch eine Flaschenmahlzeit ersetzen, ein Teil durch einen Milch-Getreidebrei. Die Empfehlungen besagen, einem Säugling unter einem Jahr nur ca. 200ml Kuhmilch im Brei anzubieten. Die Milchmahlzeiten gänzlich mit Kuhmilch zu ersetzen wird nicht empfohlen bis zum ca. ersten Lebensjahr (es geht um die Mineralstoffe und Eisenaufnahmen). Zwischen dem 11. und 12. Lebensmonat können Sie Kuhmilch als Trinkmilch einführen. Entsprechend bräuchte er bis dahin eine Säuglingsmilch und prinzipiell wird eher eine Pre oder 1er Nahrung empfohlen (die Folgemilchen enthalten zusätzlich „leere Kalorien“ in Form von Zucker).

Prinzipiell lautet die Empfehlung weiter zu stillen. Wenn Sie schreiben, dass Ihr Kind Sie häufig beisst, kann ich gut verstehen, dass Sie wirklich etwas dagegen tun wollen. Es hat aber eher gar nichts damit zu tun, dass Ihr Kind auch abgestillt werden will, sondern eher etwas mit seinem Kaubedürfnis zu tun und meistens mit der Zahnentwicklung. Viele Kinder brauchen einen Gegendruck auf die Kauleiste und damit die Gelegenheit harte Gegenstände zu bearbeiten. Die meisten Stillkinder geben übrigens ein Zeichen bzw. verhalten sich auf eine bestimmte Art (insbesondere zum Ende einer Stillmahlzeit), bevor sie Mama beissen. Wenn Sie in dem Augenblick schon Ihren Finger parat haben und Ihren Sohn von der Brust rechtzeitig lösen, ihn ernsthaft anschauen und auch (liebevoll) zurechtweisen, werden Sie hoffentlich schnellen Erfolg haben. Ansonsten spricht nichts dagegen, wenn er ein Stück vom schwesterlichem Brot abkriegt, falls er schon recht gutes Kauvermögen hat. Wegen des Hungers in der Nacht (völlig normal in dem Alter und recht typisch) empfehle ich Ihnen nochmals zu prüfen, ob genügend Ölbeigaben auch für eine ausreichende Kalorienmenge sorgen. Und ja, es ist auch normal, dass Kinder in der Zeit noch mehrmals in der Nacht kommen. Stillkinder sind dahingehend auch den Trost in der Nacht gewohnt. Ob es mit dem Abstillen ausreicht ihm Wasser anzubieten oder ob es überhaupt reicht, ihn nichts Trinken zu lassen, bringt das Ausprobieren. Ich vermute, Sie wissen schon, dass eine Hebamme auch zum Thema Abstillen zur Beratung kommen kann? Ansonsten empfehle ich Ihnen eine professionelle Stillberaterin oder eine der Beraterinnen der LaLecheLiga oder des Afs zu kontaktieren. Diese haben vor Ort oft noch viele alltägliche Tipps.

Alles Gute, Inken Hesse, Hebamme


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