Themenbereich: Stillprobleme

"Behandlung von Brustabszessen"

Anonym

Frage vom 17.06.2010

Liebe Hebammen,
ich habe in der rechten Brust einen Abszess, inzwischen 8-10cm groß, der sich leider nicht von selber wieder verkleinert. Mein Baby ist jetzt viereinhalb Monate alt, und wird voll gestillt. Schon wenige Wochen nach der Geburt habe ich einen Knoten dort bemerkt, der sich beim Ultraschall aber als harmlose Zyste entpuppt hat. Zunächst 2cm groß. Es gab an der Stelle aber immer wieder Verhärtungen, und die Milch hat sich auch oft gestaut, so daß ich immer wieder Beschwerden hatte. Auch die Brustwarze hat an einer Stelle immer wieder ein Bläschen gebildet und war sehr schmerzempfindlich. Die Stelle an der Brust über dem Knoten war öfter gerötet und entzündet, hat sich aber zwischenzeitlich wieder beruhigt. Seit ein paar Wochen aber Dauerrötung und Schmerzen. Nun wollte ich die Cyste punktieren lassen, damit die Brust wieder in Ordnung kommt, nur ist da inzwischen ein Abszeß draus geworden, bei dem mir mein Gynäkologe nicht mehr helfen kann. Er meinte, das müsste operiert werden vom Chirurgen. Ich habe ziemlich großen Respekt vor einem Eingriff an einer Brust, die ja ständig im Einsatz sein muss, wegen dem Stillen. Zur Zeit lässt sich der Abszeß noch aushalten, aber ich habe Befürchtungen, daß es noch größer wird. Der Gynäkologe meinte, ich kann erstmal noch abwarten, aber seitdem (ca. eine Woche her) wird es eher größer
Gibt es einen Weg um die OP herumzukommen? Läßt sich sowas ohne Eingriff abheilen? Von ganz alleine ohne Hilfsmittel geht es wohl nicht. Oder kann ich noch bis zum Abstillen warten mit dem Öffnen des Abszesses ? Meine eigene Hebamme muss sich erst noch in das Thema reinarbeiten, und hat mir empfohlen, euch zu kontaktieren. Vielen Dank

Antwort vom 19.06.2010

Hallo!
Nach heutigem Standard gibt es zwei Möglichkeiten einen Abszess zu behandeln. Wobei man früher eher eine Inzision (einen Schnitt) mit einer Gegeninzision gemacht hat, gibt man heute, wenn möglich, einer Punktion (unter Sonographiesicht) mit Abzug des Abszessinhalts und mit Spülung sowie Antibiotikagabe den Vorzug. Der Vorzug liegt in dem kosmetischen Ergebnis, der Möglichkeit der lokalen Betäubung und der möglichen ambulanten Behandlung. Bei beidem Vorgehen aber sollte der Milchfluss aufrecht erhalten werden, es kann prinzipiell weiter gestillt werden bzw. je nach Ort des Geschehens vorsichtig abgepumpt werden. Es gibt keinen Anlass für das Abstillen oder eine Stillpause, sondern die Milch soll weiter fliessen. Je nach Milchmenge und Belastung der Brust braucht es vielleicht verschiedene begleitende Massnahmen. Ich vermute, dass Sie kontinuierlich immer wieder einen Stau hatten wegen der Bläschenbildung auf der Brustwarze. Das ist ein sehr typisches Geschehen mit immer der gleichen Folge: die Milch staut sich hinter dem Bläschen (hat verschiedene Ursachen, gibt versch. Möglichkeiten, dem zu begegnen), wird nicht entleert, Keime (insbes. auch durch wunde Brustwarzen) wandern nach innen, verursachen eine Entzündung und können damit unbehandelt zu einem Abszess führen. Für mich hört sich das Ausmass Ihres Abszesses und die Dauer des Verlaufs schon sehr lange an und sollte Sie definitiv nicht mehr länger mit Schmerzen, Schwierigkeiten beim Stillen und Einfluss auf das Immunsystem belasten. Ziel wird es sein, jemanden zu finden, der Sie mit einer Punktion, wenn möglich, betreut. In manchen Fällen reicht eine einmalige Punktion nicht aus, sondern es braucht häufigere Eingriffe. Bitte nehmen Sie oder Ihre Hebamme Kontakt auf zu einer Stillberaterin, IBCLC. An Ihrem Heimatort gibt es ausserdem eine aerztliche Stillberaterin IBCLC, die Sie sicher mindestens telefonisch kontaktieren und um Rat oder Verweis bitten können. Einer Zusammenarbeit mit Ihrem Gynäkologen sollte in Ihrem Sinne nichts im Weg stehen. Somit können Sie auch pflegerisch adäquat begleitet werden und Ihrem Bedürfnis folgen, weiter zu stillen, auch nach einer Punktion bzw. Inzision. Dazu braucht es auch einen Rat bzgl. der Bläschenbildung, damit sich das Geschehen nicht mehr wiederholt. Ich wünsche Ihnen alles Gute, gute Gesundung und hoffentlich eine gute weitere Stillzeit. Inken Hesse, Hebamme

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