Themenbereich: Stillen allgemein

"Umstieg vom Stillen auf richtiges Essen mit 1 Jahr?"

Anonym

Frage vom 08.08.2010

Hallo liebes Hebammen-Team,
hier kommt eine etwas längere Abhandlung, denn ich bin etwas ratlos, wie bei meinem Sohn der Umstieg vom Stillen aufs Essen erfolgen soll: der kleine Mann wird Ende August 1 Jahr alt (allerdings 5 Wochen zu früh geboren, was man aber nicht mehr wirklich merkt) und ich stille noch immer voll. Er hat – so scheint es mir – bis jetzt herzlich wenig Interesse am Essen. Während andere Babies in seinem Alter (wir haben eine regelmäßige Krabbelgruppe) nach allem Essbaren gieren und richtig sauer werden, wenn sie es nicht bekommen, ist das bei unserem Sohn so gar nicht der Fall. Brei mag er überhaupt nicht, wenn man mit einem Löffel voll kommt macht er den Mund nicht auf, dreht den Kopf weg und nimmt die Hände vor das Gesicht oder schlägt den Löffel richtig weg – völlig egal, welche Art von Brei wir kredenzen, und auch völlig egal, ob wir das Zeug essen oder nicht (ich mag z.B. Griesbrei ). Das Experiment, den Brei etwas flüssiger aus dem Becher zu geben hatten wir schon – mit mauem Erfolg. Das erste Mal hatte er so etwas wie Interesse am Essen, als ich einen cremegefüllten Windbeutel gegessen habe, da durfte er dann dran nuckeln und das hat ihm gefallen. Also bieten wir ihm mittlerweile so ziemlich alles an, was wir essen, wir kochen schon entschärft, mit kaum Salz, wenig Gewürzen – und alles ein bisserl weicher. Aber das Interesse hält sich wirklich sehr in Grenzen, er mümmelt ein bisschen am Butterbrot, nimmt ein paar Gabelspitzen Reis etc. und das war es auch schon. An Gurken- oder Paprika-Stücken nagt er gern, und er hat auch schon mal ein Stück Breze gegessen. Er mag auch Ziegen-Gouda, oder mal etwas Brot mit Butter, Frischkäse oder Leberwurst. Aber das sind alles winzige Mengen. Wir betreiben in der Tat Beikost, eine Mahlzeit ersetzen geht so natürlich nicht. Und so stille ich immer noch voll, denn Milchflasche geht auch nicht (er nimmt von Beginn an auch keinen Schnuller) und aus dem Becher mag er eigentlich nur Wasser, keine Milch. Ich habe kein Problem damit, 1 Jahr voll zu Stillen, nur: wie soll das weitergehen? Kommt das Interesse am Essen irgendwann? Mein Gefühl sagt mir, ich sollte abwarten, Tee trinken und alles wird gut. Das zehrt aber so allmählich sehr an mir, körperlich wie auch sonst: Ich hatte mir eigentlich vorgestellt, dass ich am ersten Geburtstag unseres Sohnes guten Gewissens das eine oder andere Glas Sekt trinken könnte. Es ist auch schwierig, ihn länger z. B. bei der Oma zu lassen, ich bin immer noch sehr „angehängt“. Aus meinem Umfeld kommen dann teilweise Ratschläge, dass unser Sohn bestimmt durchschlafen würde, wenn ich ihm einfach Brei am Abend geben würde (statt ihm das weiter zu enthalten…). Oder dass ich den Kleinen noch mit 2 an der Brust haben werde. Es läuft im Grunde darauf hinaus, dass ich was falsch mache. Und so langsam frage ich mich, ob da was dran ist. Ich habe einfach gewartet, dass unser Sohn von sich aus Interesse am Essen zeigt. Ich will keinen Machtkampf am Esstisch, mit Geschrei und der Frage, wer als erster aufgibt. Nur: Hätte ich strenger sein müssen und einfach weiter füttern, egal, wie groß das Gezeter ist? Mir geht das gegen den Strich, ich habe ja Versuche unternommen, aber wenn ein Kind den Löffel regelrecht wegstößt und das Essen ausspuckt ist das für mich ein Zeichen, aufzuhören. Und er macht das Schnäbelchen ja schon auch auf, es sind eben keine klassischen Babybreie, die er akzeptiert – und eben Winzmengen.
Ich beobachte auch, dass unser Sohn grundsätzlich recht wählerisch ist mit Dingen, die er in den Mund nimmt, er betastet und betrachtet Sachen zunächst sehr ausgiebig, bevor er „probiert“. Es sind ganz unterschiedliche Dinge, die er dann doch in den Mund nehmen mag, ich kann kein Muster entdecken, es geht von Papprollen über Spielzeug bis zu den Reifen seines Kinderwagens. Und mittlerweile ist er sowieso mehr damit beschäftigt, zu krabbeln und sich überall hochzuziehen, die Welt ist so spannend und er erforscht sie jeden Tag ganz ausgiebig, kein Unterschied zu den Altersgenossen.
Muss ich Sorge haben, dass er Mangelerscheinungen bekommt, wenn er so lange (fast) nur gestillt wird? Krank war er aber so gut wie nie bis jetzt, nur einmal Schnupfen. Oder kann er psychische „Schäden“ davontragen? Ich stille unseren Sohn sehr viel, es ist natürlich für ihn mehr als Nahrungsaufnahme und das beste Mittel, ihn „runterzubringen“. Andererseits sehe ich so viele Kinder, die 2 oder 3 Jahre alt sind und noch einen Schnuller haben, Daumen lutschen oder am Nuckelfläschchen hängen – die haben auch alle ein Nuckelbedürfnis, es sieht eben selbständiger aus, wenn sie sich den Schnuller selber in den Mund stecken – aber diese „Beruhigungsmittel“ funktionieren bei unserem Kleinen einfach nicht, also bleibt nur Mamas Brust. Und das sind ja zwei Paar Schuhe, ich will ihm nicht komplett die Brust entreißen  (zumindest noch nicht, das hat noch was Zeit). Ich würde nur gerne haben, dass er anfängt, zu essen. Wie also kann ich ihn überzeugen, dass das keine schlechte Sache ist? Haben Sie eine Idee, wie ich das anstellen kann? Vielen Dank für Ihre Mühe!

Herzliche Grüße,

Antwort vom 11.08.2010

Hallo!
Ich möchte Sie motivieren, wirklich Ihrem Gefühl zu trauen mit dem, was Sie beschreiben und für sich als richtig und wichtig erachten. Ihr Sohn scheint einfach so gar kein Breiesser zu sein, aber neugierig auf alles feste Essen. Finger-food ist also eher sein Thema und ich glaube, dass Sie einfach dran bleiben sollten. Und es ist super, dass Sie ihn einfach am Familientisch mit teilhaben lassen. Vielleicht hilft es Ihnen ansonsten, einmal alle Dinge, die er so über den Tag verteilt isst und probiert, aufzuschreiben. Viele Mütter sind dann oft erstaunt, wieviel am Ende dabei herauskommt. Aber auch sonst: Ihr Sohn wird schon noch mehr essen, vertrauen Sie einfach drauf. Und es gibt auch keinen Grund zu erwarten, dass Ihr Kind psychische Schäden davon trägt. Sie beschreiben Ihren Sohn als sehr aufgewecktes, neugieriges, selbstbewusstes Kind, das bisher noch kaum krank war. Gratulation: es läuft also alles in die genau richtige Richtung! Und bleiben Sie weiter Vorbild mit Familientisch-Zusammenkünften: das gemeinschaftliche Essen hat noch immer Appetit gemacht.

Alles Gute, Inken Hesse, Hebamme

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Kommentare zu "Umstieg vom Stillen auf richtiges Essen mit 1 Jahr?"
Anonym
Kommentar vom 31.08.2010 22:59
geht uns genauso...
Ich wollte nur mitteilen das es uns haargenauso geht - 1 Jahr alt, wird voll gestillt, mag kein Schnuller, Essen am Tisch ist mal mehr mal weniger interssant für ihn, war bisher nur einmal so krank, körperliche und geistige Entwicklung sind bei ihm sehr gut. Mein Umfeld hat mich gestresst das es doch langsam Zeit wäre ihn Abzustillen. Doch als eine Frau mir erzählte das die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Kinder bis zu 2 Jahren zu stillen, wurde ich wieder entspannter. Sie hat erzählt das ihre Tochter mit 15 Monaten von ganz alleine immer mehr die Brust ablehnte, obwohl sie nicht abstillen wollte. Ich hoffe mein Sohn wird die Brust auch von selbst ablehnen. Herzliche Grüsse.

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