Themenbereich: Geburt allgemein

"Kann mein Mann aktiv bei der Geburt helfen?"

Anonym

Frage vom 28.08.2010

Liebes Hebammenteam,

wir erwarten im Oktober unser erstes Kind und wollen in einem Krankenhaus entbinden, aber die Geburt soll so natürlich laufen wie möglich. Wir hätten gerne den Wunsch, dass mein Mann aktiv bei der Entbindung dabei ist, also auch den Kopf nimmt und mir das Kind gibt.
Bei dem Geburtsvorbereitungskurs hat die Hebamme sehr negativ auf diesen Wunsch reagiert, aber keinen Grund dafür gegeben. Gibt es diese Möglichkeit, und wenn nein, warum nicht?

Mit freundlichen Grüßen und vielen Dank!

Antwort vom 29.08.2010

Hallo, Ihr Wunsch einer gemeinsamen aktiven Geburt als Paar ist verständlich und es gibt generell nichts was dagegen spricht. Bei Hausgeburten und im Geburtshaus sowie auch in einigen wenigen Kliniken wird auf diese Wünsche oft eingegangen. Leider entspricht es nicht dem, was in Kliniken üblich ist. Natürlich gibt es Situationen, bei denen es besser ist, wenn Hebamme oder Arzt aktiv sind, bei den allermeisten Geburten wäre das aber nicht nötig, zumal nicht, wenn es nicht gewünscht ist. Bei einer normalen Geburt sind es weniger medizinischen Gründe, die dazu führen, dass negativ auf einen solchen Grund reagiert wird, als eher Gewohnheiten und Routinen, die dazu führen, dass es vom Personal als befremdlich empfunden wird. Viele Änderungen an den Routinen wurden durch Wünsche der Frauen initiiert. Einiges was noch vor einigen Jahren als exotisch oder sogar riskant galt, ist heute selbstverständlich (z.B. Wassergeburt, Verzicht auf Dammschnitt, Anlegen des Kindes nach der Geburt). Wenn Sie noch nicht angemeldet sind zur Geburt, können Sie bei der Anmeldung noch mal ihren Wunsch formulieren und darum bitten, dass er in der Akte vermerkt wird. Ansonsten können Sie, wenn Sie zur Geburt kommen noch mal über Ihre Wünsche mit den Personen reden, die Sie dann betreuen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihnen schon im Vorfeld Unverständnis entgegen kommt, können Sie sich auch noch mal andere Kliniken ansehen und sehen, ob Sie bei denen ein besseres Gefühl haben. Es kann ja sein, dass jemand anderer Meinung ist als Sie, dann sollte diese Meinung jedoch sachlich begründet werden und Ihnen nicht einfach nur eine "negative Reaktion" kommen. Sie können sich auch noch mal an eine freiberufiche Hebamme wenden (z.B., die die Sie nachbetreut) und mit der die Möglichkeiten für eine selbstbestimmte Geburt in der Region besprechen. In einigen Regionen gibt es die Möglichkeit sich eine Hebamme "zur Geburt mitzunehmen" mit der Sie im Vorfeld in Ruhe besprechen können was Sie möchten und was davon möglich ist bzw. warum nicht.
Ich wünsche Ihnen alles Gute, Monika

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