Themenbereich: Abstillen

"isst fast keine Beikost und ich muss bald arbeiten"

Anonym

Frage vom 28.10.2010

Hallo,

ich habe eine Frage zum Abstillen...
Meine Tochter ist neuneinhalb Monate alt und ich stille eigentlich noch voll. Ich fing schon vor Monaten
mit Beikost an aber sie will nicht so wirklich essen. Brei geht gar nicht -außer abends da ißt sie immerhin
ein paar Löffel Milchbrei mit Obstmus kurz vorm Schlafen gehen ( aber immer unter 50 Gramm).
Am Tag biete ich immer was an, wenn ich selbst koche bekommt sie was in die Hand ( Gemüse z.B.)
es landet aber kaum was im Magen, sie befördert es mit der Zunge immer wieder heraus obwohl sie
schlucken kann( im Sommer hat sie mal eine Viertel Banane gegessen und hat es auch runtergeschluckt), oder auch
bevor ich das Essen scharf würze bekommt sie was ab ( Bolognese,Risotto,Suppe ) aber
außer probieren geht es nicht hinaus.
Morgens bevor mein Mann zur Arbeit geht sitzen wir alle am Eßtisch und frühstücken, sie bekommt dann
immer Wasser( sie trinkt zwar nicht viel, aber sie trinkt Wasser aus dem Becher was ganz gut klappt )
und kleine Brotstücke, pur oder mit Butter oder Frischkäse bestrichen. Auch hier knabbert sie darauf rum,
spielt aber eher damit, zerquetscht es mit den Fingern, untersucht es, aber ißt es nicht wirklich, meistens
befördert sie es raus, nur ganz wenig landet im Bauch.
Ich sehe es gelassen,sie soll Essen ja als was positives sehen, aber ich weiß einfach nicht warum
sie Essen nicht als Nahrung sieht - sieht sie uns doch auch immer essen...sie ist ja neugierig und will
alles probieren, aber mehr nicht. Sie will immer nur die Brust. Da sie immer agiler wird,krabbelt ( obwohl
sie da eher faul ist :-), sich hochzieht und am Sofa langläuft ( ihr liebstes Hobby zur Zeit ) denke ich
sollte sie schonmal mehr essen, aber ich kann sie ja nicht zwingen. Somit stillt sie tagsüber alle 2 Stunden
und auch nachts. Eigentlich wollte ich nachts gerne mal wieder länger schlafen, aber seit Monaten keine Chance.
Die Menge an 3-4 Stunden Schläfchen nachts kann ich an einer Hand abzählen. Stillberatungen waren bisher keine Hilfe
( vor Ort und LaLechLiga etc. ) denn sie sind ausgesprochene Stillbefürworter bis ins hohe Kleinkindalter - hier
sagt man ich solle solange stillen was ich a. aber nicht will und b. auch nicht kann weil ich im Februar wieder
arbeiten gehe und tagsüber auch nicht anwesend bin und nicht abpumpen werde.

Meine eigentliche Fragen:

Ich habe den Tipp bekommen nachts das Stillen auszuschleichen und erstmal eine Mahlzeit nach den üblichen 2 Stunden ausfallen zu lassen - das wird wohl nicht ohne Geschrei einhergehen
aber so würde ich sie quasi dazubringen dass sie am Tag vielleicht darauf kommt Beikost zu essen..
Ist das denn so, hat sich sowas in der Praxis bewährt oder ist das reine Theorie?
Oder will sie dann evt. nicht eher sogar stündlich an die Brust?Oder ist das Verhalten eher so dass sie dann zu den anderen nächtlichen Stillmahlzeiten einfach mehr trinkt wenn sie weiß
sie bekommt nicht mehr alle 2 Stunden was... Es gibt ja verschiedenes Trinkverhalten bei Babys, manche Babys kommen öfter und trinken kürzer
und andere kommen eben nicht sooft und trinken dafür länger. Meine kommt eben öfter so frage ich mich ob es überhaupt Sinn macht ihr das so anerziehen zu wollen dass sie plötzlich
länger trinkt und mehr???

Außerdem trinkt sie nachts ja wirklich und nuckelt nicht - d.h. ich denke weil sie eben so agil ist, braucht sie auch die Menge an Kalorien oder liege ich da falsch?Wäre es da
nicht fatal ihr nachts diese Mahlzeiten nicht zu gewähren und sie bekommt dann vielleicht sogar Mangelerscheinungen
oder wird untergewichtig?( Sie ist bei 73 cm schon sehr leicht knapp 7 kg )? Es gibt ja die Theorie dass ein Baby ab 6 Monaten nachts eigentlich nichts mehr trinken muss aber gilt das Vorhaben nicht eher für Kinder die am Tag schon gut essen und man will sie nachts von der Brust entwöhnen?
Oder macht das nichts aus und ich kann ruhigen Gewissens so vorgehen? Ich muss ja nicht alle Stillmahlzeiten aussetzen aber vllt. so dass sie
dann alle 4 Stunden trinkt - wenn wir das so schaffen, das ist ja die andere Frage. Ist es denn wirklich so dass ein Baby eine bestimmte Menge an Kalorien in 24 Stunden benötigt?
Welche Alternativen gibt es denn noch das Kind zum Essen zu bewegen?

Das andere Problem ist ja dann noch meine Erwerbstätigkeit im Februar - was mache ich denn wenn sie bis dahin immer noch nicht wirklich
ißt - es hört sich noch lange an aber die letzten Wochen sind auch so schnell vergangen und es hat sich nichts getan am Eßverhalten und auch hier wurde mir oft gesagt ich soll Geduld haben.
Macht es Sinn sie in dem Alter noch an Säuglingsmilch zu gewöhnen die sie dann wie Wasser aus dem Becher trinkt? Oder wie macht man das
dann damit sie auf ihr Pensum kommt wenn sie doch nichts ißt..
So langsam verzweifle ich schon, ist sie doch schon bald 10 Monate alt und der Tag der Krippe rückt auch näher.Hilfe!

Danke für Tipps
Grüße



Antwort vom 01.11.2010

Hallo!
Erst einmal: ganz wunderbar, wie neugierig und probierfreudig Ihr Kind ist und das Sie ihrer Tochter das „Experimentieren“ mit dem Essen bisher so unkompliziert erlaubt haben. Bzgl. der Gewichtsentwicklung Ihres Kindes und möglicher Mangelerscheinungen würde ich mich vertrauensvoll an Ihren Kinderarzt wenden. Von dem akt. Gewicht her liegt Ihr Kind zum jetzigen Zeitpunkt (kenne den Verlauf! nicht, sollte ihr Geburtsgewicht längst verdoppelt haben) auf einer unterdurchschnittlichen Perzentile (zw. 15. u.3.), mit ihrer Grösse/Länge allerdings auf einer überdurchschnittlichen Perzentile (zw. 50. und 75.). Ein wichtiges Wachstumskriterium bleibt der Kopfumfang (unbekannt), der sich ebenfalls gleichmässig gem. Alter entwickeln sollte. Wenn Ihre Tochter also entlang ihrer eigenen Kurve wächst, hat ihr Muttermilch bisher gereicht. Zu Ihrer Beruhigung und Absicherung empfehle ich, dass Ihr Kinderarzt konkret schaut, ob es Zeichen gibt für einen Mangel an gewissen Nährstoffen oder auch, ob Ihre Tochter evtl. gewisse Stoffe nicht verdauen und aufnehmen kann. Kinder im ersten Lebensjahr brauchen auch deshalb noch reichlich Nahrung in Form von Muttermilch oder Flaschenmilch, weil sie darüber in kurzer Zeit eine grosse Menge an sättigenden Kalorien erhalten. Diese Sättigung erfahren sie vielfach nicht bzw. nicht so rasch über die B(r)eikost. Wenn also Abstillen Ihr klares Thema ist, ist das Anbieten einer Flaschenmilch eine Möglichkeit. Reine Kuhmilch als Getränk wird nicht empfohlen vor dem 12. Lebensmonat, also bräuchte sie eine adaptierte Milch. Es kann sein, dass sie mehr aus der Flasche trinkt als aus der Brust und entsprechend auch länger satt ist, kann sein, dass sie die Flasche verweigert. Empfehlenswert ist es, den ersten Versuch vom Vater machen zu lassen. Von Ihrer Beschreibung der Beikost her hört es sich eher so an, als hätte Ihre Tochter noch Mühe mit der Konsistenz der Nahrung, gröbere Stücke scheinen sie zu interessieren, aber sie kann sie noch nicht wirklich gut schlucken. Einerseits ist das ein Lernakt, andererseits kann es sein, dass es ihr leichter fällt, einen dünnen, fast wässrigen Milchbrei zu essen, aber alles Gemüse mit der Konsistenz nicht schlucken kann (Risotto wie erwähnt halte ich schon für anspruchsvoll für eine „Anfängerin“). Vielleicht sollten Sie nochmals einen Schritt zurückgehen und sehr weiche Beikost ohne Stückchen anbieten (nicht! in der Flasche, das hat keinen Lerneffekt). Ich kann Ihnen leider nicht wirklich „den“ Tipp geben zum Stillvorgehen bei Nacht und bei Tag, aber meine Erfahrung zeigt, dass eine Veränderung im Stillverhalten im Alter Ihres Kindes am ehesten möglich ist, wenn Sie selbst fest entschlossen und konsequent dahinter stehen. Das bedeutet, jeden Plan, den Sie für sich sinnvoll aufstellen (Abstände verlängern o.a.) auch wirklich gedanklich und seelisch sacken lassen, alle Kinder spüren die klare und feste Entschlossenheit ihrer Mutter. Alles Gute, Inken Hesse, Hebamme

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