Themenbereich: Entwicklung des Ungeborenen

"Doch eine "Missed abortion"? "

Anonym

Frage vom 22.03.2011


Liebe Hebammen,

Ich bin derzeit sehr aufgewühlt und verunsichert im Hinblick auf meine Schwangerschaft und brauche dringend Rat. Vielleicht können Sie mich beraten? ...

Meine letzte Menstruation hatte ich am 15. Januar 2011. Sie ist für gewöhnlich sehr unregelmäßig und schwankt zwischen 30 und 45 Tage, wobei ich seit der Geburt meines Sohnes vor vier Jahren nur noch selten einen Zyklus von 45 Tage gehabt habe. Eher bis 35-37 Tage. (Dafür aber habe ich seitdem zwei Mal im Monat menstruiert: einmal mit leichten Schmierblutungen und dannach "richtig", also extrem stark.)

Am 30. Januar und am 16. Februar 2011 hatte ich Geschlechtsverkehr. Am 17. Februar war der Schwangerschaftstest bereits positiv, und zwar sehr deutlich und schnell. Bin sogleich zur einer Frauenärztin gefahren, die mir Blut abgenommen und sofort Uterogast aufgeschrieben hat, da ich am 28. Oktober 2010 eine Fehlgeburt gehabt hatte in der 7+0 Woche. Die HcG-Werte lagen an diesem Tag bei 280. Sie stiegen in den darauffolgenden 5 Tagen bis 2081, so daß, zunächst, alles in Ordnung zu sein schien.

Am 10. März sollte ich zu meiner ersten Vorsorgeuntersuchung kommen. Im Ultraschallbild konnte die Frauenärztin allerdings keinen Embryo feststellen und meinte, daß der Dottersack auch nicht altersgerecht entwickelt sei; sodann diagnostizierte sie eine "missed abortion" und überwies mich dringend zu einer Ausschabung.

Ich fühlte mich eher zu einer Abtreibung gedrängt. Meine Schwangerschaftssymptome hatten nicht sonderlich abgenommen. Im Gegenteil, ich ging weiter auf wie ein Hefekuchen, habe weiter zugenommen (insgesamt 8 kg), meine Brüste spannten zwar nicht mehr so stark wie anfangs, aber sie spannen noch immer zwischendurch und sind weiter gewachsen. Seit dem 10. März habe ich sogar hier und da Übelkeit, was ich vorher gar nicht hatte. Bloß die üblichen Bauchzimperleien und die Rückenschmerzen waren verschwunden.

Wie gesagt, es fiel mir sehr schwer, die Diagnose zu akzeptieren. Allerdings stieg mit der Zeit bei mir die Angst, ich könnte eventuell eine Bauchhöhlenschwangerschaft haben, da mein Bauch immer unheimlichere Ausmaße nahm und der obere Bereich so sehr stark spannte, daß ich häufig das Gefühl hatte zu platzen. Ich hatte keine Schmerzen, dennoch war es mir unangenehm, die Hand auf meinem harten "aufgeblähten" Bauch zu legen, ich fühlte mich die ganze Zeit wie in einem Korsett eigeengt, und nachts konnte ich weder auf dem Bauch noch auf der Seite richtig schlafen.

Also, vereinbarte ich einen Termin zur Ausschabung. Ich dachte, etwas stimme mit mir nicht. Ob der Darm nicht in Ordnung ist? Aber irgendwie wollte ich Gewißheit haben, daß ich keine ektopische Schwangerschaft habe. Zudem wollte ich ev. Fragen meiner Umwelt vermeiden, denn der Frühling naht, und ich kann meinem dicken Bauch nicht mehr hinter Winterkleidung verstecken.

Gestern, am 21. März 2011 war dann der Ausschabungstermin. Nach knapp zwei Stunden war es dann soweit. Ich lag in der OP und der Arzt machte noch ein letztes Ultraschallbild. Plötzlich war da ein Embryo, und er war sich nicht sicher, ob er sogar eine Herztätigkeit sieht oder nicht. Er meinte, es könnte mein Herz sein, das da pulsiert, er wüßte es nicht genau, dennoch, wolle er mich nicht operieren, bevor er nicht sicher sei. Also entließ er mich, und wir vereinbarten für nächste Woche einen neuen Termin (zum Ultraschall und ggfs. zur anschließenden Ausschabung). Das einzige, was ich in Erfahrung bringen konnte, ist, daß der Embryo erst 6 mm groß ist, ich wäre demnach erst in der 6. Woche schwanger, was, unter Berücksichtigung meiner oben dargestellten Daten, praktisch unmöglich ist, nicht wahr? Die Ärzte rechnen 6 Wochen nach der letzten Menstruation, und nicht nach dem Konzeptionstag, oder? Es ist auch sehr unwahrscheinlich, daß es sich ursprünglich um Zwillinge gehandelt haben könnte, wobei der eine abgestorben ist und der andere sich nun langsamer entwickelt, oder?

Hat die Frauenärztin mein Baby damals übersehen, und der gestrige Frauenarzt hat bloß den nicht weiterentwickelten Embryo entdeckt und die Herztätigkeiten gehören tatsächlich mir? Wie kann es denn sein, daß er die Herztätigkeit nicht richtig zuordnen konnte? Ich dachte immer, daß die Embryos eine deutlich höhere Herztätigkeit aufweisen als die Erwachsene. Gibt es rein theoretisch doch noch eine Möglichkeit, daß sich ein gesundes Baby in meinem Bauch entwickelt? Der Arzt gestern behauptete sehr selbstsicher, daß er nächste Woche auf jeden Fall eine hundertprozentige Aussage machen könne. Aber das gleiche hat meine Frauenärztin ursprünglich auch behauptet. Könnte es sein, daß ich nächste Woche möglicherweise ein Leben, das Leben meines Babys auslöschen lasse, weil sich der nächste Arzt vertut? Oder ist es eher so, daß es praktisch keine Hoffnungen mehr gibt für mich und mein Baby?

Ich bin so konfus und durcheinander, ich möchte so gerne wieder Hoffnung hegen, aber ich möchte mir auch nichts vormachen. Ich weiß nicht mehr, was ich glauben oder denken soll. Mein Vertrauen in Ärzten war ohnehin erschüttert, jetzt erst recht. Ich möchte wissen, woran ich bin und was noch als realistisch gilt?

Wie ist Ihre Einschätzung hierzu?

Für Ihre Mühe, herzlichen Dank schon mal im voraus,

Antwort vom 22.03.2011

Hallo, zunächst mal sind alle Berechnungen der Schwangerschaftswoche darauf ausgelegt, dass der Zyklus 28 Tage lang ist. Bei unregelmäßigem oder verlängertem Zyklus kommt es oft zu falschen Erwartungen, was die Entwicklung des Kindes angeht. Üblich ist, dass in diesen Fällen der zu erwartende Geburtstermin und damit zusammenhängend die aktuelle SSW per Ultraschallmessung bestimmt werden. Dies ist natürlich erst dann möglich, wenn das Kind groß genug ist. Das die Diagnose Ihrer Ärztin vorschnell war, ist recht sicher, weil ja zwischen der Diagnose und der erneuten Messung ganz eindeutig noch eine Entwicklung stattgefunden hat. Ob Herzschlag zu sehen ist oder nicht, ist erst mal zweitrangig, weil Wachstum an sich ein eindeutiges Anzeichen für Leben ist. Sie haben recht: es passt alles nicht wirklich zusammen. Wenn Sie in unserer Sprechstunde stöbern, werden Sie feststellen, dass das recht häufig der Fall ist. Ich würde Ihnen raten sich auf das zu konzentrieren was JETZT sichtbar und fühlbar ist. Das ist eine Schwangerschaft. Nachträglich in Einklang bringen werden Sie alle unterschiedlichen Aussagen nicht und das ist auch nicht nötig. Wenn die Untersuchung in der nächsten Woche das Ergebnis bestätigt, wird das Schwangerschaftsalter anhand der Befunde neu bestimmt. Evtl. klärt sich dann im Nachhinein etwas, evtl. aber auch nicht, weil irgendetwas falsch war. Es war gut, dass Sie auf Ihr Gefühl gehört haben und dass Sie erst mal mit dem Termin zur Ausschabung gewartet haben. Gut war auch, dass der Arzt jetzt die Woche bis zur nächsten Untersuchung wartet. Sie müssen sich auch in Zukunft zu nichts drängen lassen, von dem Sie nicht überzeugt sind. Es gibt keinen Grund für überstürztes Handeln und auch wenn Sie jetzt verständlicherweise verunsichert sind, dann können Sie trotzdem in der nächsten Woche wieder neu entscheiden, wie Sie die dann erhobenen Befunde bewerten. Eine völlig intakte Schwangerschaft ist jedenfalls durchaus im Bereich des Möglichen. Ich wünsch Ihnen alles Gute, Monika

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