Themenbereich: Milchfluss & Milchbildung anregen

"schlechte Gewichtsentwicklung beim Stillen_ abwarten oder was tun?"

Anonym

Frage vom 04.04.2011

Hallo liebe Hebammen,
ich habe folgendes Anliegen: meine Tochter ist jetzt 10 Wochen alt. Bei der Geburt wog sie 4440 g und war 56 cm groß, Kopfumfang 36 cm. Sie hatte Gewichtverloren bis auf 4.000 g runter und nahm dann wieder zu. Mit 10 Wochen wog sie 4780 g.
Scheinbar jedoch nimmt sie zu wenig zu. Unsere Kinderärztin jedenfalls hatte sich sehr darüber erschrocken, dass sie nur 240 g in vier Wochen zunahm. Durchschnittlich hat sie bis jetzt nach Gewichtsabnahme nur 78 g pro Woche zugenommen.
Meine Tochter trinkt an beiden Brüsten gleich gern und lange, aber eben unterschiedlich viel. Wir wiegen sie nun seit ca. 1 Woche und haben so herausbekommen, dass sie an meiner rechten Brust viel mehr in gleicher Zeit trinkt als an der Linken und auch insgesamt mehr. Sie trinkt pro Tag ca. 6-8 Mal, dabei dauert eine Mahlzeit von 40 Minuten bis zu 90 Minuten. Pro Tag trinkt sie so ca. 400-500g. Nachts und Morgens schafft sie bis zwischen 110 und 180 ml, die anderen Mahlzeiten teils nur 20 bis zu 60 ml. Den Milchspendereflex spüre ich fast immer, am Nachmittag häufiger als am Morgen oder Nachts, manchmal sogar gleich am Anfang.
Nachts wecke ich sie einmal, sonst schläft sie fast bis zum Morgen durch. Ich lege sie tagsüber an, wenn sie wieder ausgeschlafen hat, sie selbst „meckert“ erst später, wäre dann aber schon wieder zu müde um die langen Mahlzeiten durchzuhalten.
Sehr selten hört sie von alleine auf zutrinken und lässt die Brustwarze selten alleine los ohne weiter zu trinken. Eher schon wird sie langsamer und dockt sich ab und an usw.. Morgens schafft sie es nach ca. 80 Minuten, dass sie von alleine aufhört. Wenn ich sie früher abdocke ist sie auch zufrieden und weint nicht. Überhaupt ist sie ein zufriedenes Kind, sie schläft gut ein und weiter auch wenn es turbulent um sie herum ist, nimmt keinen Schnuller, weint fasst nie, beschäftigt sich super gut alleine und aktiv mit gucken, strampeln und Hände anschauen in den übrigen Wachphasen bis sie müde wird. Sie hat sich schon mehrfach vom Rücken über die Seite auf den Bauch gedreht. Sie lächelt mich oder andere viel an und hat einen warmen Körper, beim Schlafen werden manchmal die Hände kalt. Die Fontanelle ist nicht eingesunken, sie ist meist rosig, manchmal aber auch blass. Die Windeln sind beim Wechseln immer nass, wenngleich sie nachts weniger und tagsüber sehr voll. Stuhlgang hat sie mindestens einmal pro Woche (dann ca. 130 g) und manchmal öfter.
Ich stille fast von Geburt an mit Brusthütchen, da die Schmerzen sonst zu heftig sind. Vor allem an der Brust, an der sie am meisten trinkt. Hier hatte ich so heftige Schmerzen, dass ich nur mit Schmerztabletten stillen konnte und es dann auch nur erträglicher war. Noch immer tut sie ab und sehr weh.
Wenn sie trinkt, dann habe ich teilweise Stiche in den Brüsten, vor allem in der gut laufenden, so als würde mit einem Fingernagel in die Brust gepickst.
Was wir schon probiert haben:
- Öfter anlegen als jetzt: da eine Stillzeit so lange dauert, ist sie dann so müde, dass sie kaum trinkt und auch später immer wieder an der Brust einschläft. Ihr Rhythmus trinken – schlafen –trinken … war dadurch völlig durcheinander und sie trank am Ende noch weniger.
- Länger trinken lassen an jeder Seite – das hilft ein wenig, dadurch schafft sie am Morgen und am späten Vormittag mehr, die anderen Mahlzeiten kann ich kaum ausweiten, da sie dann schläfrig ist und nicht richtig trinkt.
- Stilltee trinken– weiß nicht ob es was bringt.
- Unterschiedliche Stillpositionen: Liegen oder Sitzen - weiß nicht ob es was bringt.
- Brusthütchen weglassen – zu schmerzhaft und sie trinkt nicht wesentlich mehr.
- Hin- und Her wechseln der Brust nach ca. 20 Minuten bis sie satt oder zu müde wird.
- Windel wechseln oder anders wachmachen / halten – bringt nicht viel, sie wird schnell wieder langsamer und schläfrig wenn sie erst mal müde ist.
- Genug trinken, kein Problem ich trinke mindestens 1,5 - 2 Liter Wasser pro Tag schon immer.
- Fetthaltigere Lebensmittel essen – weiß nicht ob es was bringt.
Da ich meine große Tochter ab Mittags zu Hause ist, ist es nachmittags turbulenter und ich stille auch beim Essen oder spielen. Bisher hat sie trotzdem durchgehend getrunken, jetzt wird sie jedoch zunehmend aufmerksamer und dockt sich auch schon mal zwischendurch ab und wieder an.
Verhärtungen in den Brüsten hatte ich am Anfang mehr, jetzt habe ich lange keine mehr gehabt. Nach dem Trinken sind die Brüste immer leichter und weicher, eventuelle Verhärtungen auch wieder weg.
Ich habe auch probiert abzupumpen, aber da läuft es auf beiden Seiten ganz schlecht, mindestens 10 Minuten für 10 ml!
Bei meiner ersten Tochter (jetzt 7,5 Jahre) habe ich ohne Brusthütchen stillen können, aber sie hat ähnlich langsam zugenommen und so musste ich ca. ab dem 3. Monat zufüttern. Dies möchte ich diesmal vermeiden.
Unsere Kinderärztin hat mir sehr Angst damit gemacht, dass meine zweite Tochter durch zu wenig Zunahme Entwicklungsverzögerungen hat und ihr Wichtiges für ihre Entwicklung fehlt. Es soll ihr natürlich nichts fehlen. Meine Hebamme sagt dazu, dass ich locker bleiben soll solange sie zunimmt, auch wenn es wenig ist.
Wer liegt richtig und was kann ich tun, damit sie bekommt, was für ihre Entwicklung wichtig ist? Ich bin sehr beunruhigt, obwohl sie super fit aussieht und sich auch so verhält.
Herzlichen Dank für Ihre Antwort
Lieselotte

Antwort vom 06.04.2011

Hallo!
Die Gewichtskurve Ihres Kindes läuft kontinuierlich nach unten und mit dem schmerzhaften Stillen mit Brusthütchen bezweifle ich, dass die Situation sich bessern wird. Ich stimme entsprechend Ihrer Kinderarztin zu und glaube auch, dass Ihr Kind auf die Dauer nicht ausreichend versorgt wird. Beruhigend, dass Ihr Kind fröhlich ist und fit, aber ihre Gewichtsentwicklung ist nicht optimal und das gilt es zu beobachten. Wenn auch Kopfumfang und Länge nicht entsprechend gleichmässig zunehmen, würde ich umgehend zum Zufüttern raten! Das bedeutet nicht das Stillende, sondern es gibt mehrere Möglichkeiten der Hilfe. Zufüttern muss nicht unbedingt über die Flasche gehen, sondern geht auch an der Brust über das sog. Brusternährungsset (BES oder auch lactaid). So bleibt Ihr Kind an der Brust, saugt, stimuliert und erhält zusätzlich Milch. Aber: in erster Linie scheint Ihr Kind einfach nicht richtig zu saugen. Ein massgeblicher Grund wahrscheinlich für die bleibenden Schmerzen.
Ein Brusthütchen ist in vielen Fällen ausserdem hinderlich. Oft wird über das Saugen beim Brusthütchen nicht ausreichend Milch stimuliert. Das Hütchen selber kann reiben, auch zu klein sein, nicht richtig eingesetzt. Das alles ist aber nur bei Ihnen daheim bei einer Stillmahlzeit zu erkennen. Wahrscheinlich gibt es auch noch andere hinderliche Gründe, die eine Stillberaterin liebevoll mit Ihnen zusammen rausfinden kann. Übrigens: wenn das Saugen sich bessert, Ihr Kind wieder zunimmt, ist das sog. BES nur eine Übergangshilfe. Bitte kontaktieren Sie eine Kollegin, die sich mit dem BES auskennt und auch z.B. Kenntnisse in der Soordiagnostik hat. Es gibt in Ihrer Stadt mehrere. Vielfach finanzieren sich die Besuche über die Krankenkasse. Bitte fragen Sie nach.

Alles Gute, Inken Hesse, Hebamme

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