Themenbereich: Schwangerschaftsbeschwerden

"Blutung durch tiefen Sitz der Plazenta"

Anonym

Frage vom 23.12.2011

Liebe Hebammen,

ich bin in der 34. SSW und kam vor 4 Tagen (33+0) wg. Blutungen in die Klinik. Es waren nur Schmierblutungen (begannen mittags, abends um 10 bin ich in die Klinik), ich hatte erst überlegt, ob ich überhaupt gehen soll. Ich hatte am selben Tag morgens eine vaginale Untersuchung beim Frauenarzt - sehr vorsichtig - deshalb hätte mich auch gewundert, wenn es eine Kontaktblutung gewesen wäre.

Unter dem Verdacht, dass es sich nur um eine Kontaktblutung handelt, die die Untersuchung am Morgen verursacht hat, hat die Ärztin in der Klinik mich untersucht, was extrem (!) schmerzhaft war - sie hat regelrecht an mir "rumgerissen", so eine grobe, schmerzhafte Untersuchung hatte ich noch nie!. Dabei hat sie mir zwei blutige Wattebäusche aus der Scheide gezogen, ich war richtig erschrocken, weil es zu Hause, wie gesagt, nur eine Schmierblutung war. Sie sagte mir dann, dass sie in Scheide und Muttermund keine Verletzungen entdecken konnte, die Blutung, die jetzt auch stärker sei, käme aus der Gebärmutter und damit von der Plazenta, die bei mir angeblich auch "recht tief" sitzt. Das mit dem tiefen Sitz wurde mir bisher allerdings nie gesagt.
Ich wurde stationär aufgenommen, am nächsten und übernächsten Tag kam nur noch braunes Restblut, also keins mehr seit der Untersuchung, aber ich sollte 3 Tage blutungsfrei sein, bevor ich nach Hause darf. Finde ich auch alles in Ordnung.
Heute morgen habe ich erfahren, dass ich in zwei Wochen nochmal kommen muss und dann entschieden wird, ob ich überhaupt spontan entbinden darf (ich fänd es so sehr schade, wenn nicht!), wegen dem tiefen Sitz der Plazenta (es wird dann der Abstand zw. Plazentarand und Muttermund gemessen).

Mich lassen nun 2 Gedanken einfach nicht los:
1. Warum wurde der tiefe Sitz der Plazenta vorher nicht bemerkt, wenn sie angeblich so kritisch tief sitzt? Ich wusste bisher nur von einer "Hinterwandplazenta ohne Befund". Ab welchem Befund des "Plazentasitzes" darf ich denn spontan entbinden?
2. Ich bin mir mittlerweile fast sicher, dass die Ärztin die stärkere Blutung mit ihrer groben Untersuchung verursacht hat. Könnte das sein?? Sagen tut das hier natürlich niemand. Denn sie wollen seither keine vaginale Untersuchung mehr machen, "damit ich nicht wieder blute".

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Schon im Voraus vielen Dank dafür!
Ich wünsche Ihnen allen schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Liebe Grüße

Antwort vom 26.12.2011

Hallo, einen festen Befund, ab wann bei einem tiefen Sitz der Plazenta eine Spontangeburt unmöglich wird, gibt es nicht. Klar ist, dass ein Kaiserschnitt gemacht werden muss, wenn die Plazenta über dem Muttermund liegt, ihn also verdeckt. Das Vorgehen bei "tiefem Sitz" richtet sich dagegen nach der Blutungsstärke. Es ist also durchaus möglich eine Spontangeburt abzuwarten und erst dann einen Kaiserschnitt zu machen, wenn es vermehrt blutet. Ob die Blutung überhaupt durch die Plazenta kommt oder, wie Sie es vermuten, durch die Untersuchungen, kann ich leider nicht beurteilen. Eine Entscheidung in den nächsten zwei Wochen ist auf jeden Fall nicht nötig, wenn ohne Untersuchungen keine Blutungen auftreten. Inzwischen werden in Deutschland leider sehr viele Kaiserschnitte gemacht. Durchschnittlich sind es über 30%, wobei es auch Kliniken gibt, wo es jede zweite Geburt ist und welche, wo es nur 15% sind, was in etwa der medizinisch begründeten Rate entspricht.
Dass bis jetzt nicht von einem "tiefen Sitz" der Plazenta gesprochen wurde, ist nicht ungewöhnlich. Die Plazenta liegt oft relativ tief am Anfang der Schwangerschaft, im Verlauf des Wachstums der Gebärmutter kommt sie jedoch meist höher. Ich finde es besser nur relevante und sichere Diagnosen zu verkünden, als viele Frauen unnötig zu verunsichern, bei denen einfach noch gar nichts sicheres gesagt werden kann.
Ich rate Ihnen erst mal abzuwarten und sich noch mal mit Ihrem Frauenarzt zu besprechen. Dann könnten Sie sich überlegen in welcher Klinik in Ihrer Umgebung Sie am ehesten davon ausgehen können, dass Ihrem Wunsch nach einer Spontangeburt nachgekommen wird, wenn nichts konkret dagegen spricht. Beratend kann Ihnen dabei eine Hebamme zur Seite stehen, die Sie auch schon in der Schwangerschaft kontaktieren können.
Wenn Sie von etwas nicht selbst überzeugt sind, dass Ihnen geraten wird, dann lohnt es sich immer eine weitere Meinung einzuholen.

Ich wünsch Ihnen alles Gute, Monika

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