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"Neugeborenes sehr unruhig_wie kann ich ihm helfen?"

Anonym

Frage vom 23.02.2012

Liebes Hebammen-Team,

unser kleiner Sohn ist jetzt 3 Wochen alt und verlangt uns einiges ab. Ich bin nie genervt von ihm, ich bin einfach nur oft traurig, weil ich ihm scheinbar nicht helfen kann.
Er wird voll gestillt, das klappt seit Beginn super, er nimmt auch gut zu.

Er ist extrem unruhig und lässt sich kaum beruhigen. Seit etwa einer Woche ist es schlimmer geworden.
Ich weiß keine Position auf meinen Armen, von der ich finde, dass sie ihm besser gefällt als die andere. Kein „Beruhigungsmittel“ bringt unter Garantie Erfolg: Tragetuch, Autofahren, Kinderwagen, Schnuller, Pezziball, Fön… Alles KANN funktionieren, kann ihn aber auch noch mehr in Rage versetzen.
Am Tag fällt es mir natürlich leichter damit umzugehen, aber nachts bin ich am Ende meiner Kräfte.
Zwischen 19 und 20 Uhr gehe ich mit ihm ins abgedunkelte Schlafzimmer, dort wird er gewickelt, gepuckt (er ist sehr aktiv – anders kann er kaum schlafen), wenn er ruhig ist, singe ich ihm noch ein Lied und dann stille ich ihn im Liegen im Dunkeln in unserem Bett, wo er auch schläft. Bis vor einer Woche ist er dabei auch eingeschlafen. Jetzt ist es so, dass er zwar ruhig wird, danach aber sehr unruhig ist, weil er (wie ich vermute) Luft im Bauch hat. Nehme ich ihn hoch, geht alles wieder von vorne los: Er weint, ich muss ihn zur Beruhigung stillen usw. Oft hat er dann zu viel getrunken und spuckt. Ab dann wenn er satt ist trinkt er auch extrem unruhig. Er strampelt und windet sich wie verrückt. Das tut auch meinen Brustwarzen alles andere als gut, aber den Schnuller nimmt er nicht immer, sondern weint dann noch mehr. Nachts wacht er dann auf, wenn er Hunger hat und schläft nach dem Stillen einfach nicht mehr ein. Er ist todmüde. Wenn wir ihn auf dem Arm wiegen, beruhigt er sich nur kurzfristig. Ich habe auch den Eindruck, dass es ihn nicht wirklich beruhigt, sondern er sich nur für kurze Zeit mit der Situation arrangiert und dann, wenn überhaupt, sehr unzufrieden einschläft und deshalb nach wenigen Minuten wieder aufwacht und weint.
Das EINZIGE, was ihn meistens beruhigt, ist einfach nur (ohne dass man ihn wickelt, umzieht etc.) das Liegen auf dem Wickeltisch unter der Wärmelampe. Das Problem ist, dass er dort nicht einschläft, sondern nur ruhig wird und liegen lassen kann man ihn dort ja auch nicht. Sobald man ihn wieder von dort weg nimmt, ist er wieder unzufrieden und weint.
Er hat auch leider oft Blähungen, wobei ich nicht glaube, dass die gesamte Unruhe nur darin begründet ist. Wir geben ihm regelmäßig sab simplex dagegen. Bauch massieren mag er gar nicht.
Was mache ich falsch? Ich gebe ihm seit Beginn so viel Nähe und Körperkontakt, mehr davon geht gar nicht. Er darf immer auf meinem Arm schlafen und dort bleiben. Kann es denn sein, dass er meine Nähe gar nicht genießt?

Ich hoffe, sie haben mehr Ratschläge oder ermutigendere Worte für mich als meine Hebamme, die immer nur sagt: „Babys weinen auch einfach mal, wenn ihnen ein Pups quer sitzt…“
Ich kann einfach nicht akzeptieren, NICHTS gegen seine Unruhe tun zu können, er tut mir so leid!
Vielen Dank schon im Voraus für Ihre Antwort!
Liebe Grüße

Antwort vom 25.02.2012

Hallo!
Sie sind seit drei Wochen frischgebackene Mama, und es ist sehr normal, wenn es noch nicht so einfach ist, das eigene Kind mit allen Bedürfnissen einzuschätzen. Auch ist es nicht ungewöhnlich, dass Ihr gemeinsamer Tag- und Nachtrhythmus noch nicht eingespielt ist. Sie liegen ganz richtig, wenn Sie Ihrem Sohn viel Körperkontakt und Nähe bieten, aber es ist möglich, dass er in manchen Situationen auch etwas anderes braucht. Sie beobachten schon von selbst, dass Stillen bei Unruhe in erster Linie beruhigt: Sie, weil Sie etwas machen können, wo Sie beide schon ein toll-eingespieltes Team zu sein scheinen! und Ihr Kind, weil es erstmal hilft. Manchmal hat Stillen zum Trost aber wirklich die „Nebenwirkung“, das Saugen bessert, aber die dann fliessende Milch zuviel ist. Insbesondere die sog. Vormilch mit dem reichlichen Milchzucker kann dann immer wieder neu den Darm anregen. Das kann bei grosser Empfindlichkeit des Kindes mit viel Unruhe und Schmerz einhergehen. Mein erster Tipp wäre also, Ihren Sohn zum Troststillen immer nur an die Brustseite zu nehmen, wo er schon vorher ausgiebig und entlastend getrunken hat. Damit erwischt er beim Stillen mehr die fettreichere Hintermilch oder sehr viel geringere Mengen. Es hört sich fast so an, als wenn Ihrem Kind das Saugen hilfreich ist und er es zur Beruhigung sehr wohl brauchen könnte. Häufig sind das Säuglinge, die damit eine grosse Empfindlichkeit im Nacken und Kiefer oder auch Schmerzen dort gut verarbeiten können. Schmerzen oder Verspannungen treten an den Stellen insbesondere auf, wenn die Geburt entweder sehr schnell oder sehr lange gedauert hat, aber oft auch nach einem Kaiserschnitt. Vielfach ist dann eine osteopathische Behandlung sinnvoll. Sie beschreiben, dass es Ihrem Sohn gut geht, wenn er einfach unter der Wärme auf dem Wickeltisch liegt. Könnte es sein, dass er insgesamt zu wenig warm angezogen ist? Bitte prüfen Sie das nochmals. Ausserdem ist das eine tolle Gelegenheit für Sie beide: Sie können Ihren Sohn einfach nur beobachten und dabei selbst tief durchatmen. Sie müssen nichts tun und dürfen einfach dort nur stehen, ihn geniessen, selbst durchschnaufen, bewusst die Schulter fallen lassen und Ihren Sohnemann anlächeln!!!! Falls Sie ihn berühren möchten, dann vielleicht nur damit, dass Sie ihn an seinen Füsschen warm und kuschelig mit Ihren Händen halten und auch sonst nichts weiter tun. Es bringt Ruhe und Entspannung für Sie beide und insbesondere Ihnen fällt es dann wahrscheinlich leichter, wieder spüren zu können, was Sie und Ihr Sohn brauchen (dies ist eine Empfehlung aus der Schmetterlingsmassage; vielleicht ist das auch eine Idee für Sie beide)! Wenn Sie eine mühevolle Schwangerschaft und/oder Geburt bzw. Familienstart hatten, ist es sehr oft hilfreich darüber zu sprechen. Das geht weder an Ihnen noch an Ihrem Kind vorbei. Die meisten Müttern fühlen sich sehr hilflos und es fällt sehr schwer bzw. sie empfinden es als unerträglich, nichts tun zu können bei der Unruhe ihrer Kinder. Sie sollten aber nicht an sich zweifeln, sondern ich vermute, Sie wissen nur noch nicht, welche Lösung Ihnen und Ihrem Sohn gut tun könnte, Ihre Beschreibungen sagen mir aber, dass Sie sehr intuitiv richtig wahrnehmen. Ich empfehle Ihnen nochmals mit Ihrer Hebamme das Gespräch und gemeinsam auch nach weiteren Hilfsmöglichkeiten zu suchen.Alles geht aber auch besser, wenn Sie ausreichend Schlaf und Nahrung selbst bekommen, dafür brauchen Sie jetzt Unterstützung im Haushalt und Alltag. Sie befinden sich noch mitten im Wochenbett und der Genesung, und alles ist sehr viel mühsamer, wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie schon wieder im Alltag funktionieren müssen. Das geht gar nicht. Wenn Sie gut versorgt sind, überträgt sich das häufig auf das Kind. Alles Gute, Inken Hesse, Hebamme

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