Themenbereich: Stillen

"Sollte ich konsequenter sein?"

Anonym

Frage vom 10.03.2013

hallo, ich bin gerade ziemlich verzweifelt und frage mich, ob ich meiner Tochter bisher zu wenig Grenzen gesetzt habe und somit Schuld an allem bin. Sie wird diesen Monat ein Jahr alt und ist ein echter Sonnenschein - vorausgesetzt es geht nach ihrem Willen. Vor allem bei zwei Themen ist sie kaum zu baendigen: Essen und Schlafen. Seit sie sechs Monate alt ist, versuche ich sie abzustillen. Von selber Kochen bis hin zu zahlreichen Glaeschen habe ich alles versucht. Mal isst sie etwas, mal schlaegt sie mir den Loeffel aus der Hand und es geht garnichts. Allerdings ist sie immer total heiss auf das, was wir auf unserenTellern haben. Deshalb haben wir ihr auch schon extra ungewuerzte Portionen von uns zu essen gegeben. Aber auch davon isst sie nie soviel, dass sie nicht auch noch an die Brust will. Das zweite Problem, das damit einher geht ist, dass sie bis jetzt nur einschlaeft, wenn ich sie stille. Wir haben auf Anraten unserer Kinderaerztin schon ein Schlafprogramm versucht, das ich aber nach zwei Tagen abgebrochen habe, weil ich meine Tochter nicht laenger leiden sehen konnte. Mein Mann und ich streiten uns nur noch darueber, da ich in seinen Augen zu inkonsequent bin. Wenn es ihm nach gegangen waere, haette sie mit vier Monaten im eigenen Zimmer geschlafen und das Abstillen wuerde prima funktionieren,wenn ich sie einfach nicht mehr stillen wuerde - wenn sie richtig Hunger hat, wuerde sie schon essen. Ist es denn so falsch, dass ich sie nicht schreien lassen kann? Gestern Abend hat sie zwei Stunden ohne Unterbrechung geschrien, weil ich sie ohne Stillen hinlegen wollte. Am Ende hab ich nachgegeben und sie hat sofort geschlafen. Ich bin gerne Mutter, aber gerade hab ich das Gefuehl, alles falsch zu machen. Haben Sie Rat fuer mich? Danke!

Antwort vom 13.03.2013

Hallo!
So temperamentvoll und willensstark Ihre Tochter zu sein scheint, so wenig ungewöhnlich reagiert sie. Vielen Müttern ergeht es ähnlich, insbesondere, wenn es um das Stillen bzw. Abstillen, die Beikost und die Schlafsituation geht. Alle Säuglinge entdecken in den letzten Monaten des zweiten Lebenshalbjahres einen Teil ihres eigenen Willens und der wirkt sich auch auf die Stillbeziehung aus und kommt am Essenstisch zum Tragen. Im Grunde kann Ihre Tochter unkompliziert am Familientisch mitessen und falls sie mit den Fingern und all ihren Sinnen essen möchte, dann ist das eine Möglichkeit, ihr wichtige Erfahrungen zu ermöglichen. Konsequenz in jedem Alter ist da notwendig, wenn ein Kind in Gefahr gerät, körperlichen oder seelischen Schaden zu erleiden. Typische Beispiele für das Alter Ihrer Tochter sind z.B.: nicht in die Steckdose fassen, keine Tüten über den Kopf ziehen, keine kleinen Gegenstände in Mund und Nase schieben etcetc.. Dort müssen Sie als Eltern konsequent und vorausschauend handeln. Das Stillen eines einjährigen Kindes zählt nicht zu einer Gefahr, sondern ist eine Form der Befriedigung von Bedürfnissen nach Nähe, Ruhe und Geborgenheit. Für sich selber sollten Sie ausloten, ob Sie wirklich drunter leiden, wenn Sie Ihr Kind in den Schlaf stillen oder sich vornehmlich von aussen gestresst fühlen. Erst mit dieser persönlichen Erkenntnis werden Sie konsequent die ein oder andere Richtung verfolgen können. Gleichzeitig rate ich Ihnen davon ab, das schlechte Gewissen zu nähren, das Sie denken lässt, dass Sie alles falsch machen. Viel wichtiger ist es zu schauen, was Sie bisher alles richtig gemacht haben. Ich nehme prinzipiell an, dass Ihre Entscheidungen als Eltern die Dinge bisher so gelöst haben, dass sie der ganzen Familie in der ein oder anderen Situation geholfen hat; z.B: wenn Sie Ihre Tochter in den Schlaf gestillt haben, hat sicher auch Ihr Mann von der Ruhe danach profitiert (oder?)! Der Konfliktstoff des ewigen „wenn.....dann....hätte.....würde....“ wird Sie beide leider nicht weiter bringen. Sie sind als Eltern in einer Situation, die deutlich macht, wie unterschiedlich erziehende Vorgehensweisen sein können, aber auch die eigene Wahrnehmung zu den Situationen. Sie können Ihr Kind nicht schreien lassen und wollen es auch nicht. Das ist Ihr gutes Recht und daran ist meines Erachtens gar nichts falsch. In einer Paarbeziehung kommen die Partner oftmals aus unterschiedlichen Herkunftsfamilien mit unterschiedlichen Vorgehensweisen. Es ist hilfreich und nützlich gemeinsam herauszufinden, warum z.B. Ihr Mann so strikt zu der einen Vorgehensweise tendiert und diese aber nicht mit Ihren Bedürfnissen oder Erfahrungen übereinstimmt. Bleiben Sie im Gespräch miteinander und setzen Sie dort die Grenzen, wo jemand echten Schaden erleiden kann. Alles, alles Gute, Inken Hesse, Hebamme

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