Themenbereich: Abstillen

"Schlafprobleme nach schwerem Unfall"

Anonym

Frage vom 09.12.2013

Liebe Hebammen,

wir haben einen Sohn (10 Monate), der seit zwei Monaten ziemliche Schlafprobleme hat. Eigentlich kamen wir mit immer wieder kehrenden schlechteren Phasen gut klar, er liegt neben mir im Familienbett und ich finde es völlig in Ordnung, wenn so ein kleiner Kerl nachts gestillt werden will, Trost braucht und ähnliches. Es ist ja auch kein großer Aufwand wenige Minuten im Halbschlaf zu stillen wobei wir beide wieder eingeschlafen sind. Er hat nach und nach jedoch immer schlechter statt besser geschlafen, sprich die einzelnen Schlafphasen wurden immer kürzer und er hat so einmal pro Stunde nach mir verlangt - das ist dann schon recht anstrengend. Von unserer Großen kenne ich das auch und bei ihr ging es immer von alleine wieder auf ein- bis zweimal pro Nacht zurück, so dass wir uns keine größeren Gedanken gemacht hatten. Unser kleiner Spatz hatte dann leider einen Unfall (Ende Oktober) in dessen Folge er mit mir zusammen zwei Wochen im Krankenhaus verbracht hat. Das war ein großer Schock für uns alle und ist sicher schwierig zu verdauen. Dort habe ich ihn extrem viel gestillt, weil es die einzige Möglichkeit war ihm etwas Vertrautes zu bieten (ein Verband hat Augen und Ohren bedeckt). Dazu hat er in den ersten Tagen quasi 24h in meinen Armen verbracht. Die Schwestern meinten, dass sich dies zuhause rächen würde doch ich konnte ihn nicht verletzt und alleine schreiend im Krankenbett liegen lassen - was für absurde Verhältnisse. Jedenfalls schlief er dort und wachte wie zuhause auch alle ein- bis zwei Stunden auf, lies sich jedoch durch Stillen extrem schnell beruhigen und schlief wieder ein. Wieder zuhause war sowohl unser Kleiner als auch seine Schwester zweimal krank, beide haben die Situation aber mit viel Kuscheln und Zuwendung mittlerweile gut überstanden. Nur nachts wird es beim Kleinen immer schlimmer, er ist mittlerweile nicht nur oft wach sondern kann auch nicht wieder einschlafen. Er trinkt, dreht sich kurz weg, trinkt wieder, dreht sich wieder weg und dass stundenlang. Irgendwann tut es mir weh oder ich kann einfach nicht mehr vor Müdigkeit, dann darf er nicht mehr und schreit natürlich. Wir haben schon angefangen nachts Fläschchen zuzufüttern (er hat im krankenhaus und bei den nachfolgenden Krankheiten 1,5 kg abgenommen), als Versuch ob er vielleicht einfach nicht satt wird. Eine Nacht hat es geholfen (er ist beim Trinken eingeschlafen), die letzten Nächte hat er nach dem Trinken wieder geschriehen. Also trage ich ihn zum Teil stundenlang summend durchs Haus oder schaukel mit ihm im Arm im Bett bis er auf mir einschläft. Oft wacht er beim hinlegen auf und dann geht alles von vorne los...
Bisher (und vor allem bei unserer Großen) gab es zwar immer wieder schlechtere Schlafphasen, doch wurden sie von alleine besser. Doch diesmal habe ich das Gefühl, dass wir uns in einem Teufelskreis befinden und es immer schlimmer wird. Wir wollen ihn definitiv nicht alleine schreien lassen, ganz besonders nicht nach den traumatischen Krankenhauserfahrungen vor mittlerweile 7 Wochen. Auch hat sich schon wieder etwas geändert für ihn, weil seit einer Woche der Papa in Elternzeit ist und die Mama sich für die Diplomarbeit zurückzieht. Doch kann ich nach einer Woche kaum Schlaf sowieso nicht konzentriert arbeiten und habe das Gefühl, dass es so nicht weitergehen kann.

Haben sie ein paar Tips oder Denkanstöße für uns? Einfach abwarten? Oder ihn bewusst abstillen (wie der Kinderarzt empfiehlt) um einen Schlussstrich zu setzten und nach ein paar Nächten noch mehr Theater vielleicht eine Besserung zu erzielen, da es eben nicht mal Brust, mal Flasche und mal rumtragen gibt. Aber er ist noch nicht einmal ein Jahr und isst tagsüber auch bisher nicht genug um nachts ohne Zusatzenergie auszukommen. Oder die Diplomarbeit nochmals verschieben um für ihn besser da sein zu können, damit Mama nicht so kurz nach einem traumatischen Ereignis tagsüber fast weg ist???

Erschwerend kommt hinzu, dass ich wieder schwanger bin. Meine Hebamme hat empfolen spätestens 3 Monate vor der Geburt abzustillen, damit unser Kleiner sich nicht mehr daran erinnern kann und weniger eifersüchtig ist. Dass wäre dann sowieso in etwa 10 Wochen (kurz nach seinem ersten Geburtstag). Bei den derzeitigen nächtlichen Problemen kann ich mir aber nicht vorstellen, wie wir das schaffen sollen. Er nimmt als Stillkind auch keinen Schnuller, aus der Flasche eigentlich auch nur Milch aber statt Stillen einmal pro Stunde eine Flasche verlagert das Problem ja nur und das schaffe ich definitiv nicht, wenn dann noch ein Baby kommt. Aber dieses Problem wollten wir eigentlich erst nach seinem Geburtstag angehen, jetzt brauchen wir eine Lösung, damit er zumindest wieder einschlafen kann, wenn er aufwacht.

Vielen Dank für das Durchlesen meines "Romans" und für mögliche Tipps.
Mit freundlichen Grüßen

Antwort vom 11.12.2013

Hallo!
Das ist wirklich eine sehr komplexe und bewegende Geschichte, die Sie da erzählen. Sie haben eine ungeheure Kraftanstrengung geleistet in den letzten Wochen und Monaten und als Mutter versucht, das Beste daraus zu machen mit so viel Nähe und liebevoller Begleitung wie irgend möglich. Das Ereignis, was heraussticht, ist eindeutig der Unfall und der folgende Krankenhausaufenthalt, den Sie und Ihr Sohn als sehr belastend erlebt haben. Es ist am wahrscheinlichsten, dass sich die Unruhe in der Nacht erst bessert, wenn dieses Ereignis für Sie alle richtig geklärt und, wie Sie schreiben, auch "verdaut" ist. Für Sie als Mutter (Eltern) braucht es vielleicht eine Verarbeitung und Auseinandersetzung mit dem Unfall (nach Grund und Folge) auf sprachliche Weise im begleiteten Gespräch. Eine Klärung dahingehend kann auch bedeutsam sein für Ihr Ungeborenes. Auf der Seite Ihres Sohnes kann die Unruhe in der Nacht auch durch grosse körperliche Verspannungen ausgelöst sein, insbesondere als Unfallfolge bzw. aus schwerwiegendem körperlichen Ereignis. Diese könnten durch einen Physiotherapeuten oder Osteopathen entdeckt bzw. gelöst werden. Ansonsten braucht auch Ihr Sohn wieder das Vertrauen in den normalen Alltag und Ihre Nähe, Sicherheit und Verbundenheit, um das zu erlangen. Durch einen Unfall wird insgesamt das ganze "familiäre" Sicherheitssystem in Frage gestellt, so dass Ruhe und Entspannung erst wieder eintreten kann, wenn es auf diesen verschiedenen Ebenen geklärt ist. Ich glaube entsprechend nicht wirklich daran, dass durch ein "pauschales" Abstillen alles plötzlich gut ist, insbesondere, wenn es auch gar nicht Ihrem "Bauchgefühl" entspricht. Der fixe Zeitraum bzgl. des Abstillens macht mir keinen Sinn. Ein Säugling bzw. junges Kleinkind kann schon nach einer Woche vergessen haben, wie das Stillen an der Brust geht (und auch kein Bedürfnis mehr haben) und gleichzeitig aber auch nach Monaten wieder an die Brust wollen, wenn es ein Geschwisterkind dort sieht. Die Eifersucht eines Kindes, welches gerade seinen Platz aufgeben muss für ein jüngeres Geschwisterchen, lässt sich nicht pauschal geplant reduzieren. Und zuletzt: die Verschiebung einer Diplomarbeit lässt sich nur schwerlich von außen beraten; die Belastungsebene können nur Sie ermessen. Und genau so können auch nur Sie die väterliche Elternzeit als Geschenk und nicht als zusätzliche "Strafe" für Ihren Sohn gestalten. Alles Gute, Inken Hesse, Hebamme


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