Themenbereich: Stillen

"Kleinkind schläft nur ein an der Brust"

Anonym

Frage vom 06.06.2015

Hallo Hebammen,

mein Sohn ist zwischenzeitlich 2 Jahre und 4 Monate. Ich stille ihn noch immer, was allerdings langsam ein Problem für mich ist. Er liebte es von Geburt an gestillt zu werden und ich lies ihn wenn möglich immer und jederzeit an die Brust und habe die gemeinsame "Kuschelzeit" auch meist sehr genossen. Er lies sich stets beruhigen, schlief ein, kuschelte, tröstete sich damit. Allerdings hieß das für mich, dass ich von 24 Stunden ihn fast 18 an der Brust hatte. Zwischenzeitlich isst er voll am Tisch mit, aber die Brust ist nicht annähernd wegzudenken! Natürlich sind es keine 18 Stunden Stillzeit mehr, aber wenn es nach ihm ginge, dann würde er tagsüber noch mindestens 2 Stunden gestillt werden, zum Einschlafen und nachts auch immer wieder um erneut einzuschlafen. Er "kuschelt" auch nur an der Brust mit mir und genießt das auch sehr, ich würde allerdings auch gerne mal mit ihm kuscheln ohne dass er nuckelt. Das ist mir langsam aber sicher zu viel! Mehrmals habe ich versucht das Stillen einzuschränken, aber er tobt, schreit und zieht an meinem T-Shirt, hat zeitweise sogar nach mir gehauen, wenn ich sie ihm verweigert habe. Ich fühl mich teilweise so, als wäre meine Brust sein Eigentum! Nachts schlief er nicht mehr richtig ohne Brust und war dann tagsüber total quengelig, weil er nicht genug geschlafen hatte, sodass ich immer wieder nachgab und ihn dann doch wieder an die Brust lies. Ich bekam auch immer ein schlechtes Gewissen und fühlte mich als "Rabenmutter" wenn ich ihn so schreien hörte und ihn nicht an die Brust lies. Auch habe ich bereits viel darüber gelesen und überall wird vom Abstillen abgeraten und dass es das Beste wäre, wenn die Kinder sich selbst abstillen. Natürlich möchte ich das Beste für meinen Sohn und schon gar nicht möchte ich ihm schaden, aber so geht das nicht mehr. Vor allem in der Öffentlichkeit ist es mir peinlich! Ich stille ihn an öffentlichen Orten schon lange nicht mehr, aber er brüllt dann lautstark los und schreit: "Mama Busen" und zieht an meinem T-Shirt und ich fühl mich so als ob alle mich anschauen und denken: "Was die stillt immer noch!?" Wäre es gesellschaftlich nicht so "unnormal"Langzeitstillmama zu sein hätte ich wahrscheinlich auch weniger ein Problem damit, aber ich schaffe es langsam nicht mehr mich ständig überall rechtfertigen zu müssen und die Witze anderer über mich ergehen zu lassen. Auch würde ich nachts gerne mal wieder durchschlafen ohne ständig zum Stillen geweckt zu werden. Mein Mann kann ihn natürlich auch nicht ins Bett bringen, da er nur an meiner Brust einschläft und deswegen bin ich ziemlich eingeschränkt in meiner Freizeit was zwar nicht sooo ein großes Problem ist, aber dennoch würde ich gern auch mal mit Freunden mal wieder was Trinken gehen...! Sowohl beim Schnulli, als auch beim Shoppen hat er immer gewürgt und ich weiß langsam wirklich nicht mehr was ich tun soll. Wenn ich wüsste, dass er sich in einem halben Jahr selbst abstillt wäre das für ich akzeptabel, aber die Vorstellung ihn noch weitere 2 Jahre oder gar noch länger zu stillen ist für mich keine Option! Wann er sich aber abstillen wird kann mir ja keiner sagen. Ich hab versucht ihm zu erklären, dass er nur noch zum Einschlafen die Brust bekommt, aber er ist ja clever und will dann ständig "schlafen" - um an die Brust zu dürfen. Unterwegs will er dann nach Hause "schlafen und an Mamas Busen" und das schreit er dann auch ganz laut. Ich hoffe sie können mir weiterhelfen und bedanke mich jetzt schon mal für ihre Mühe.

Antwort vom 09.06.2015

Hallo!
Es ist traurig und frustrierend zugleich, dass es unsere gesellschaftlichen Strukturen kaum erlauben, sich als stillende Mutter mit über einem halben Jahr Stillzeit normal und ungeschoren in der Öffentlichkeit zu bewegen. Allerdings ist das öffentliche Thema nur bedingt Ihr Problem. Es geht auch nicht darum, ob das Abstillen zu einem früheren Zeitpunkt, jetzt oder später das Richtige für Sie und Ihren Sohn ist oder gewesen wäre. In Ihrer Beschreibung wird deutlich, dass es in Ihrer beiderseitigen Still-Beziehung eher um eine Art der Abgrenzung geht. Wie diese Abgrenzung aussieht, wird auch von Ihnen als Mutter direkt erfragt. Ihr Sohn tut genau das, was seinem Alter und seinem Entwicklungsstand entspricht: Kraft seines sich entwickelnden Ich-Willens fordert er das ein, was er gewohnt ist, was ihm selbst ein Bedürfnis ist und wovon er profitiert, denn nach wie vor ist in dem Alter das Stillen eine Station zum Aufladen und Krafttanken zwischendurch. Möglicherweise kennt er aber auch keine andere Form mit Hilfe derer er sich selbst beruhigen und regulieren kann. Entsprechend verzweifelt ist er also, wenn diese Hilfe verweigert wird. In diesen Augenblicken sind Sie selbst dann hin- und hergerissen; Sie können annehmen, dass auch das für Ihren Sohn spürbar ist. Dabei ist es wichtig, dass auch Sie Stellung beziehen, so dass Ihr Sohn Ihre Position auch wirklich deuten kann. Abstillen ist für die meisten Mütter ein ambivalentes Thema, weil es mit zunehmendem Alter des Kindes sich zu einem Erziehungsthema entwickelt. Dabei geht es hier maßgeblich um eine echte, ehrliche Entscheidung: was brauchen Sie für sich, wo kommen Sie an Ihre Grenzen, was können Sie Ihrem Sohn zumuten. Es geht also auch um Führung und Regulationshilfe für Ihr Kind; wenn er Frust, Unlust, Müdigkeit etc. nicht an der Brust regulieren kann und sich heftig wehrt, was kann er mit Ihnen lernen, damit er Entlastung findet? Und wie ist es sonst um seine Autonomie bestellt? Manchmal gibt es übrigens noch "unerledigte bzw. ungesagte" Dinge aus den Monaten der Schwangerschaft, Geburt und den ersten Monaten danach. Je mehr Sie für sich selbst regeln, desto "einladener" wird es für Ihr Kind, dem auch zu folgen. Übrigens ist es manchmal auch gut, wenn noch eine Fachperson auf Ihre Beziehung schaut; wenn Sie eine kinder- und stillerfahrene Hebamme hatten, kontaktieren Sie diese doch nochmals. Von aussen betrachtet sehen manche Dinge anders aus. Alles Gute, Inken Hesse, Hebamme

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