Themenbereich: Geburt allgemein

"Verhindert ein Kaiserschnitt ein Blasenschwäche?"

Anonym

Frage vom 09.09.2015

Hallo liebe Hebammen,

ich habe vor knapp 3 Jahre natürlich entbunden.
Weder die Schwangerschaft noch die Geburt an sich habe ich als sonderlich belastend empfunden.
Das Kind war ein richtiger Brocken und ich hatte im ersten halben Jahr nach der Geburt stark damit zu kämpfen, dass ich den Harndrang nicht kontrollieren konnte. Nach intensivem Yoga- und Pilatestraining bin ich mir nun wieder ziemlich sicher gewesen. Nur beim Husten oder Niesen oder extremeren Belastungen wie Seilspringen oder Trampolinspringen kam es immer noch zu kleineren Harnverlusten.
Jetzt bin ich wieder schwanger und bin mir sehr unsicher, ob ich erneut vaginal entbinden möchte, da ich Angst habe, dass die Problematik dadurch wieder unkontrollierbar wird bzw. ich Sie vielleicht gar nicht mehr in den Griff bekomme.
Ist diese Angst berechtigt?

Antwort vom 12.09.2015

Hallo, Harnverlust betrifft auch Frauen, die nie schwanger waren und Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten. Die wesentlichsten Faktoren sind die Veranlagung dazu und ein untrainierter Beckenboden. Als nächster Grund kommt die Schwangerschaft, in der durch Hormone der Beckenboden aufgelockert wird. Durch das Tragen des Kindes in der Schwangerschaft wird zusätzlich Druck ausgeübt. Die Geburt selber hat nur einen geringen Einfluss im Verhältnis zu den ganzen anderen Ursachen, so dass es sein, kann, dass Sie auch nach einem Kaiserschnitt die selben Blasenprobleme nach der Geburt hätten. Bei einem Kaiserschnitt können jedoch weitere hinzu kommen.
Die meisten Frauen, die sowohl die Erfahrung eines Kaiserschnittes als auch einer natürlichen Geburt gemacht haben, können viele Gründe nennen, weshalb sie mit einer Wahl immer die natürliche Geburt wählen würden.
Es gilt daher für die Entscheidung den Blick nicht nur auf den einen Aspekt zu richten, der Sie nach der letzten Geburt belastet hat, sondern auch alle anderen Faktoren (sicher auftretende und mögliche) für Sie und das Kind einzubeziehen. Wenn Sie sich ein Gesamtbild machen möchten, kann ich Ihnen die Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfehlen, bei der die ausführlichen Informationen auf wissenschaftlicher Grundlage erstellt und regelmäßig überprüft werden. Links:
Zum Beckenboden:
http://www.familienplanung.de/schwangerschaft/beckenboden/schwangerschaft-und-geburt/

Zum Thema Kaiserschnitt:
http://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/kaiserschnitt/

Mit dem Ziel den Beckenboden zu schonen, gibt es ganz viele mögliche Maßnahmen in der Schwangerschaft und danach, die Sie umsetzen könnten. Die Wahl der Geburtsart ist von den vielen Möglichkeiten nur eine Maßnahme, die noch dazu nicht besonders effektiv ist.
Möglich wären beispielsweise: Beckenbodenstärkung in der Schwangerschaft, Schonung nach der Geburt (sehr wichtig) und gezieltes Beckenbodentraining nach der Geburt (auch nach Kaiserschnitt nötig).
Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass Ihr Kind nicht wieder so "ein Brocken" wird, sollten Sie auf Zucker verzichten (auch zuckerhaltige Getränke, Fruchtsäfte und Obst in größeren Mengen). Eine ausführliche Beratung dazu können Sie bei einer Hebamme erhalten, mit der Sie auch noch mal bezüglich der Möglichkeiten bei der Geburt besprechen können. Bei der Geburt selbst gibt es auch noch Möglichkeiten den Beckenboden zu schonen (beispielsweise durch selbstbestimmte Gebärhaltung, schonendes Vorgehen in der Austreibungsphase).

Ich wünsche Ihnen alles Gute, Monika Selow

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Kommentare zu "Verhindert ein Kaiserschnitt ein Blasenschwäche?"
Anonym
Kommentar vom 13.09.2015 23:46
Verständnisfrage
Hat der Verzicht auf Zucker einen Einfluss auf die Gewichtsentwicklung oder auch auf die Grössenentwicklung? Die Hauptbelastung ist doch ein großer Kopfumfang, oder?
Wieso treten bei Veranlagung oder allg. Schwäche die Probleme dann erst nach der Geburt auf und nicht schon zB in der Schwangerschaft? Und warum ist die Situation selbst durch intensives Training nicht mehr vollständig zu bereinigen?

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