Themenbereich: Schwangerschaft allgemein

"Hätte ich eine mögliche Fehlgeburt verhindern können?"

Anonym

Frage vom 28.10.2015

Ich habe eine Frage bezgl. eines vermutlichen Frühabborts.
Wir haben bereits ein Kind (6) und planen aktuell weiteren Nachwuchs. Die erste Schwangerschaft ist etwa in der 6. Woche problemlos abgegangen. Nun hatte ich in meinem letzten Zyklus (je 25 Tage, Regel am 22.09.) das Gefühl erneut schwager zu sein (Symptome waren bereits bei den anderen Schwangerscahften spätestens ab Einnistung deutlich da), wollte aber nicht vorschnell einen Test machen, um mir und meinem Mann den Frust eines weiteren frühen Abgangs zu ersparen. Ich bekam in der zweiten Oktoberwoche heftige UNterleibskrämpfe, eine Woche später starke Blutungen und dachte, das wäre es gewesen. EInen Test machte ich nicht, auch den Arztbesuch habe ich mir "gespart". Die Blutung endete am 21.10 (recht lang anhaltend, stark und schmerzhaft). Danach hatte ich beim Geschlechtsverkehr Schmerzen und unangenehmen Druck am Unterleib. Heute Morgen (28.10.) dann ein seltsamer Klumpen im Toilettenpapier, der in meinen Augen wie ein 3-4 mm großer Embryo aussah. Nun mache ich mir furchtbare Vorwürfe, dass die Blutung eventuell doch noch keine Fehlgeburt war und ich das Kind nur wegen meiner Untätigkeit verloren habe. Hätte es vielleicht überlebt, wenn ich bei den Unterleibsschmerzen direkt zum Arzt gegangen wäre? Oder habe ich mich täuschen lassen und es war gar kein Embryo? Ist das überhaupt möglich, dass ein toter Embryo die Blutung im Unterleib aushält und erst später ausgespült wird? Ich bin gerade ratlos und maßlos traurig. Vielen Dank für ihre Zeit und ihre Antwort.

Antwort vom 30.10.2015

Hallo,
im Nachhinein lässt sich leider überhaupt nicht sagen, ob eine Schwangerschaft bestanden hat.
Was sich ganz allgemein sagen lässt: nicht jede Befruchtung mündet in eine Schwangerschaft. In einem sehr hohen Anteil kommt es zwar zu einer Befruchtung der Eizelle, sie entwickelt sich jedoch nicht weiter oder sie nistet sich nicht richtig ein. In diesem Fall tritt die Menstruation ein, eventuell auch etwas verspätet. Das was sich bis dahin entwickelt hat, ist nur Bruchteile eines Millimeters groß und in der Schleimhaut, die mit der Menstruation ablutet, nicht zu erkennen. Früher wurde mit dem Einsetzen der Periode nur festgestellt "doch nicht schwanger". Heute wird, durch Frühtest und mehr Informationen als der Psyche guttun, oft durch den Hormonnachweis dieser sehr frühe Beginn festgestellt und damit auch dessen frühes Ende. Meine Empfehlung dazu ist, keine Frühtests durchzuführen, weil an diesem Geschehen nichts geändert werden kann und das Wissen mehr belastet als nützt. Es ist einfach ein sehr komplizierter Prozess, dass aus einem befruchtetem Ei ein Mensch wird und er ist genauso normal, wie dass nicht jedes Ei befruchtet wird. Die Natur ist in diesem Zeitraum "verschwenderisch" ausgelegt und der Vorgang ist so häufig, dass er "normal" ist.
Was den fraglichen Embryo angeht, der später abgegangen ist: Selbst ohne jede Störung könnte sich in so kurzer Zeit kein Embryo von 3-4 Zentimeter Länge entwickeln. Zwischen der 8. und 9. Schwangerschaftswoche ist er noch deutlich unter 3 Zentimeter groß und von der letzten Periode an gerechnet wären Sie heute noch deutlich davor. Warscheinlicher ist, dass es sich bei dem "Klumpen" um geronnenes Blut (Koagel) mit Schleimhautresten gehandelt hat. Vielleicht war deshalb auch die Menstruation verstärkt.

Ein früher Artzbesuch hätte auch bei bstehen einer Schwangerschaft überhaupt nichts ändern können. Im Ultraschall lässt sich meist noch nichts nachweisen ( die Diagnose lautet "aufbaute Schleimhaut") und die einzige Folge ist eine weitere Kontrolle in zeitlichem Abstand. Der Abgang einer frühen Schwangerschaft lässt sich dadurch nicht verhindern, sondern höchstens "beobachten". Inwieweit eine Frau das als hilfreich empfindet oder auch ab welchem Grad von Beschwerden im Zusammenhang mit der Menstraution oder Unterleibsschmerzen ein Arzt aufgesucht wird, ist individuell sehr unterschiedlich und kann von der Frau nur selbst entschieden werden.
Sie haben also in der jeweiligen Situation alles richtig gemacht. Wenn Sie es anders gemacht hätten, wäre es auch gut gewesen, hätte aber nichts geändert.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für eine baldige Schwangerschaft,
Monika Selow




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Kommentare zu "Hätte ich eine mögliche Fehlgeburt verhindern können?"
Anonym
Kommentar vom 02.11.2015 17:10
Danke.
Vielen Dank für die schnelle und zumindest etwas beruhigende Antwort... Ganz sind meine Bedenken zwar noch nicht zerstreut, zumal das "Etwas" das ich gefunden habe nicht 3-4 Zentimeter, sondern 3-4 Milimeter groß war (hier haben sie mich wahrscheinlich missverstanden), was sich meines Wissens in etwa mit der durchschnittlichen Größe im 2.Monat deckt. Auch hatte es keinerlei Ähnlichkeit mit einem Koagel, wie man es bei Google Bildersuche etc findet, es sah vielmehr aus wie ein Fötus, weißlich, mit erkennbarem Kopf aber noch vor fertiger Ausbildung der Gliedmaßen. Nach langem Suchen habe ich im Netz ein Bild gefunden, das ähnlich aussieht: http://www.alles-ueber-kinder.net/images/41dagen.jpg (ich hoffe, ich darf den Link hier schreiben -er führt ausschließlich zu dem blanken Bild, ohne weitere Informationen, Text oder ähnliches), wenn es auch weniger durchscheinend, sondern eher milchig war. Könnte es sein, dass es trotz der starken Blutung zunächst überlebt hatte? Oder schon hinüber war und einfach nur verspätet durch den Geschlechtsverkehr gelöst und ausgespült wurde?
Aber es ist dennoch beruhigend zu hören, dass ich zumindest vermutlich keine aktive Schuld trage - auch wenn das Gefühl, vermutlich ein Kind (und sei es auch noch so klein) im Klo herunter gespült zu haben, dadurch leider nicht erträglicher wird.
Kommentar vom 05.11.2015 01:38
Fehlgeburt
Hallo, mit den Millimetern und Zentimetern hatte ich mich tatsächlich verlesen. Sorry. Normalerweise verläuft eine Fehlgeburt so, dass erst der Embry, evtl. in der Fruchtblase, abgeht und danach kommt es noch zu einer längeren Blutung, in der auch die Plazenta abgeht und die Schleimhaut abblutet. Es ist schwer vorstellbar, dass erst alles andere abgeht und dann später der Embryo folgt, zumindest ist mir unklar wie das gehen könnte. Damit der Embryo es zunächst überlebt haben könnte, müssten schon sehr ungewöhnliche Umstände vorliegen und es hilft auch nicht weiter, wenn ich hier verschiedene Spekulationen in den Raum stellen würde. Was Sie jetzt noch tun könnten ist einen Schwangerschaftstest durchführen, der Ihnen zumindest anzeigen könnte, ob noch restliche Hormone da sind. Sollten Sie noch Beschwerden haben oder wenn keine Menstruation einsetzt, könnten Sie sich untersuchen lassen.
Vielleicht hilft Ihnen die Vorstellung, dass der Weg des Embryos mit dem "Runterspülen" nicht zu Ende war, sondern dass er erst in einen Fluss und schließlich im großen Meer landet.

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