Pseudo-Krupp:

Heftig, aber nicht lebensgefährlich

Pseudo-Krupp
Der Fachautor, Rettungssanitäter und vierfache Vater Janko von Ribbeck schreibt bei babyclub.de zum Thema Pseudo-Krupp. Er klärt auf und informiert, was es zu beachten gilt.

Pseudokrupp, auch Infektkrupp genannt, ist eine Erkrankung der Atemwege, die nur im Kindesalter vorkommt. Die Krankheit erscheint ganz plötzlich, ist sehr auffällig und vielen Müttern bekannt. Pseudokrupp tritt fast ausschließlich in der kalten Jahreszeit auf, wenn wir für die Husten- und Schnupfenviren besonders anfällig sind. Er tritt typischerweise nur nachts auf.

Der Anfall ist nicht lebensbedrohlich

Besonders anfällig sind in der Regel kleine Kinder im Alter von etwa ein bis fünf Jahren. Der Grund dafür liegt im geringen Querschnitt der Luftröhre und des Kehlkopfes. In diesem Alter liegt der Durchmesser der Atemwege bei zunächst nur rund acht Millimetern. Beim Pseudokrupp kommt es zu einer infektbedingten Schwellung der Schleimhäute. Dadurch verändert sich die Luftströmung in den Atemwegen und die feinen Härchen der Luftröhre werden gereizt. Dies löst den typischen Husten aus. Die Anfälle sind nicht lebensgefährlich. Schwere Anfälle kommen selten vor.

Der Husten ähnelt dem Bellen von Seehunden

Meist fängt alles mit einem banalen Infekt wie Schnupfen oder Heiserkeit an. Manchmal merken die Eltern auch, dass das Kind etwas "ausbrütet". Oft gibt es aber keine Vorboten für den nächtlichen Anfall. Das Kind wird wie gewohnt zu Bett gebracht, schläft friedlich ein, dann beginnt es gegen Mitternacht mit einem bellenden, trockenen Husten, von dem es aufwacht. Der Husten klingt so hohl, als komme er tief unten aus dem Bauch. Er klingt wie das Bellen von Seehunden und ist mit normalem Husten nicht zu verwechseln. Vor allem das Einatmen ist erschwert, genau umgekehrt wie beim Asthmaanfall. Das Kind ist heiser und pfeift beim Atmen. Durch das plötzliche Aufwachen, verursacht durch Atembeschwerden, haben die Kinder Angst, keine Luft mehr zu bekommen. Eltern sollten berücksichtigen, dass ihr Kind Todesängste aussteht. Diese Ängste bewirken eine Verkrampfung des Kehlkopfes. Atemnot kommt im Allgemeinen erst dann hinzu, wenn das verängstigte Kind durch Schreien den Atemwiderstand erhöht.

Wichtigste Maßnahme: Beruhigen!

Ruhiges Handeln und Beruhigung sind das Wichtigste, was das Kind jetzt braucht. Beruhigung entkrampft. Wenn es sich wirklich um Pseudokrupp handelt, ist er meist ohne wirkliche Gefahr. Eltern sollten das Kind überzeugen, dass ie ihm sicher helfen können.
Die wenigsten Eltern bewahren diese Ruhe, wenn der Anfall das erste Mal auftritt. Es ist in diesem Fall auch in Ordnung, den Arzt oder Rettungsdienst zu alarmieren, wenn es sich um eine bis dahin unbekannte Situation handelt. Auch fahren viele Eltern dann mit ihren Kindern nachts in die Kinderklinik.

Bewährte Maßnahmen zur Linderung

Ziel ist es, die geschwollenen Schleimhäute in Luftröhre und Kehlkopf zum Abschwellen zu bringen.

  • Kalte Luft wirkt abschwellend: Eine gute Möglichkeit ist es, mit dem Kind an die kalte Luft zu gehen, denn Kälte lässt die Schwellung zurückgehen. Das Kind wird warm eingepackt und dann auf dem Arm ans offene Fenster oder auf den Balkon gebracht. Auch ein kurzer Spaziergang ums Haus lindert die Beschwerden und ist Ablenkung zugleich.
  • Feuchte Luft wirkt krampflösend: Pseudokrupp-Anfälle können auch durch feuchte Luft gemildert werden. Man nimmt das Kind auf dem Arm mit ins Badezimmer und dreht die Handbrause für ein paar Minuten auf. Wichtig ist, dass das ma das heiße Wasser laufen lässt, denn es befeuchtet die Luft besser als kaltes Wasser. Das Einatmen feuchter Luft wirkt krampflösend und unterstützt das Abschwellen der Schleimhäute. In den meisten Fällen sind diese Maßnahmen ausreichend, um den Anfall zu beenden. Tritt jedoch nach einer halben Stunde keine Besserung ein, so sollte der Arzt oder Rettungsdienst verständigt werden. Stehen Kortisonzäpfchen für diesen Zweck zur Verfügung, können Sie dem Kind eine seinem Gewicht angemessene Dosis verabreichen.

Warum tritt Pseudo-Krupp nachts auf?

Kortison ist ein körpereigener Stoff, der in der Nebennierenrinde gebildet wird und entzündungshemmend und abschwellend wirkt. Die Bildung von Kortison ist nicht zu allen Tageszeiten gleich. Morgens wird am meisten und gegen Mitternacht am wenigsten Kortison zur Verfügung gestellt. Pseudokrupp tritt deshalb nur nachts auf.
Es ist durchaus sinnvoll und natürlich, dem Kind während eines Pseudokrupp-Anfalls ein Kortisonzäpfchen zu geben, wenn die klassischen Maßnahmen nicht oder nicht genügend wirken. Treten die Anfälle häufiger auf, bekommt man vom Arzt meist ein entsprechend dosiertes Zäpfchen für den Notfall. Es handelt sich in diesem Fall um eine einmalige Gabe ohne nennenswerte Nebenwirkungen.

Buchempfehlung

Diese und weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen werden ausführliche in Janko von Ribbecks Buch "Schnelle Hilfe für Kinder: Notfallmedizin für Eltern" beschrieben.

Die aktuelle Auflage gibt's hier: www.erste-hilfe-fuer-kinder.de.

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