Fachautoren
Interview mit der Fachautorin Birgit Laue
Natürliche Hausmittel
„Das kranke Kind: Ohne Chemie gehts meistens auch - Vorteile bewährter Hausmittel und praktische Tipps“Frau Laue, warum sind Krankheiten wichtig für die Entwicklung des Kindes?
Ab dem Moment der Geburt beginnen Kinder die Welt zu entdecken und zu erfahren. Dabei werden sie mit den unterschiedlichsten Reizen aus ihrer Umgebung konfrontiert. Besonders in den ersten sieben Lebensjahren zählen dazu auch Bakterien und Keime, die Infekte und andere kleinere Erkrankungen auslösen können. Durch die Begegnung und Auseinandersetzung mit den Erregern dieser Krankheiten entwickelt der noch unreife Organismus seine eigenen inneren Abwehrkräfte. Diese kann und muss er ein Leben lang zur Bewältigung von Gesundheitsstörungen aktivieren. Deshalb haben die meisten Krankheiten im Kindesalter durchaus einen Sinn und sind nicht bloß ein (unvermeidbares) Übel. Sie stets mit starken Medikamenten abzublocken oder zu verhindern, würde die natürliche Entwicklung des körpereigenen Immunsystems beeinträchtigen.
Worin sehen Sie die Vorteile von natürlichen Hausmitteln – gerade für Kinder?
Hausmittel sind bewährte Hilfen aus dem traditionsreichen Schatz der Erfahrungsheilkunde. Wie der Name es schon verrät, sind sie meistens Bestandteil des Haushalts - man hat sie also sofort parat. Bei richtiger Anwendung haben sie so gut wie keine Nebenwirkungen und sind außerdem sehr preiswert. Rechtzeitig angewandt, können sie einen Krankheitsverlauf abmildern und den Einsatz synthetischer Medikamente oft noch verhindern.
Die einfach anzuwendenden Hausmittel sind wieder zu einer tragende Säule der Selbstbehandlung geworden, denn für die meisten Eltern ist es heute wichtig, selbst aktiv auf das Gesundwerden ihres kleinen Patienten einzuwirken. Sie möchten bei banalen Erkrankungen nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen. Deshalb ist in den letzten Jahren auch das Interesse an seriösen Naturheilverfahren in der Kinderheilkunde wieder stark gestiegen. Eine Untersuchung der Universität Witten-Herdecke belegt beispielsweise, dass in mindestens 4 von 10 Fällen eine Antibiotikagabe bei einer Mittelohrentzündung im Kindesalter nicht gerechtfertigt ist. Die Wissenschaftler empfehlen zur Selbstbehandlung auch Zwiebel- oder Kamillensäckchen.
Welche Hausmittel sollten Eltern auf jeden Fall immer vorrätig haben?
Zu den Klassikern gehören sicher Zwiebeln, Quark, Kartoffeln und Zitrone, die man normalerweise das ganze Jahr über im Haus hat. So hilft der Quark beispielsweise nach einem leichten Sonnenbrand oder Schwellungen nach Insektenstichen, aber auch bei Halsschmerzen oder als Begleittherapie bei der schulmedizinischen Behandlung des Asthmas. Quark lindert ebenfalls die Beschwerden bei Akne, Ekzemen, Neurodermitis, ist aber auch bei Prellungen, Quetschungen und Verstauchungen ein kühlender Segen.
Die meisten Hausmittel sind in unterschiedlichen Anwendungsgebieten hilfreich, mehr dazu können Sie in unserem Buch nachlesen.
Unbedingt in die Hausapotheke gehören aber auch verschiedene Wickelmaterialien oder ein fertiges Wickelset (z.B. von Kickels) und Bienenwachsauflagen (z.B. von wachswerk, www.wachswerk.de), die schon bei den Kleinsten angewendet werden können.
Wie sollten sich Eltern gegenüber dem kranken Kind verhalten?
Krankheiten kündigen sich bei den meisten Kindern durch eine Veränderung in ihrer Gestimmtheit an, noch bevor ein körperliches Symptom auftaucht. Es ist deshalb hilfreich, sein Kind genau zu beobachten. So lassen sich die meisten Krankheitsanzeichen schon früh erkennen. Dabei ist es wichtig, sich sowohl auf seine Wahrnehmung als auch auf seine Intuition zu verlassen.
Während des Krankheitsverlaufes sind Ruhe, Geborgenheit und Zuwendung oft die beste Medizin. Manche Krankheit muß erst einmal richtig ausgebrütet werden. Trost und ein liebevolles Verständnis unterstützen kranke Kinder dabei mehr, als z. B. ein Übertönen mit Ablenkungsmanövern wie Süßigkeiten oder eine Überforderung durch pausenloses Programm.
Wo liegen die Grenzen der Naturmedizin, so dass der Griff zur Chemie unumgänglich wird?
Diese Grenzen liegen überall dort, wo eine Anregung der Selbstheilungskräfte nicht gelingt oder nicht ausreichend ist. Das kann von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein und bedarf einer genauen und verantwortungsbewussten Beobachtung des individuellen Krankheitsverlaufes. In unserem Buch haben wir bei jeder beschriebenen Erkrankungen auch darauf hingewiesen, ab wann ein Arzt oder Heilpraktiker aufgesucht werden sollte.
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