Erste Hilfe für Babys und Kleinkinder

Kopfverletzungen - im Kindesalter fast unvermeidbar

von Fachautor Janko von Ribbeck, Rettungssanitäter und Buchautor

Kleine Unfälle und Stürze auf den Kopf sind im Kindesalter unvermeidbar. Die Natur hat aber vorgesorgt: Der kindliche Schädel ist durch die noch nicht verknöcherten Schädelnähte elastisch und kann Stöße besser abfangen als der Schädel eines Erwachsenen. Das beste Beispiel hierfür ist die Fähigkeit des Schädels, sich während der Geburt sehr stark zu verformen.

Je nach Art der Gewalteinwirkung auf den Kopf lassen sich verschiedene Verletzungsfolgen unterscheiden. Da die Komplikationen bei Kopfverletzungen auch für den Fachmann schwierig zu erkennen sind, soll dieses Thema etwas ausführlicher behandelt werden.

Kleine Beulen

Bei der weitaus größten Anzahl aller Kopfverletzungen kommt das Kind mit einer Beule davon. Sind die Tränen getrocknet und das Kind getröstet, entsteht eine Beule, die sich vielleicht blau und grün verfärbt, aber ohne Komplikationen nach ein paar Tagen verschwindet. Kühlen Sie die Beule sofort, und geben Sie etwas Bachblüten-Notfallcreme darauf, dann wird sie umso schneller wieder verschwinden.

Kopfplatzwunde

Die Kopfplatzwunde ist eine meist stark blutende Verletzung der Kopfschwarte und gehört zu den äußeren Blutungen. Die Kopfschwarte umgibt den knöchernen Schädel und ist sehr gut durchblutet. Erschrecken Sie nicht, wenn das Kind blutüberströmt ist. Das kann vorkommen, sieht aber meist schlimmer aus, als es tatsächlich ist.

Wickeln Sie das Verbandpäckchen oder die Mullbinde so, dass der Verband nicht abrutscht. Wenn Sie den Verband einmal kreuz und einmal quer, zum Beispiel unter das Kinn, um den Kopf herum legen, kann er nicht wegrutschen.

Wunden oder Platzwunden im Gesichtsbereich sollten aus kosmetischen Gründen immer von einem Arzt versorgt werden. Eine gut versorgte Wunde mit zusammengefügten Wundrändern hinterlässt keine unschönen Narben.

Drücken Sie ein sauberes Tuch oder Kleidungsstück (was eben verfügbar ist) gegen die Wunde, um den Blutverlust zu stoppen. Sobald Sie das Verbandmaterial für einen Druckverband zur Hand haben, legen Sie einen Druckverband an.

Gehirnerschütterung

Bei der Gehirnerschütterung wird das Gehirn durch die Erschütterung des Unfalls irritiert, aber nicht erkennbar verletzt oder verändert. Blutungen und Verletzungen des Gehirns kommen nicht vor. Gehirnerschütterungen gibt es in verschiedenen Schweregraden. Erbrechen und Kopfschmerzen sind Zeichen einer Gehirnerschütterung, müssen aber nicht notwendig auftreten. Bei einer Gehirnerschütterung braucht das Gehirn Ruhe, um sich zu regenerieren.

Schädelbasisbruch

Kommt es zu einem Bruch der Schädelbasis, können aus Nase, Mund und Ohr Blut und die milchig-trübe Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit austreten. Da Blutungen aus Mund und Nase meist aus der Nase stammen, ist eigentlich nur die Blutung aus dem Ohr ein direkter Hinweis auf eine Verletzung der Schädelbasis.

Hirnblutung

Eine starke Gewalteinwirkung auf den Kopf kann zu inneren Hirnblutungen führen. Das Gehirn ist ein gut durchblutetes, empfindliches Organ. Auch kleine Blutungen und Schwellungen im Bereich des Gehirns sind deshalb so gefährlich, weil das Gehirn von den Schädelknochen umgeben ist. So besteht für eine Schwellung keine Möglichkeit zur Ausdehnung und das Gehirn wird zusammengedrückt. Steigt der Druck im Schädelinneren, so kann dies durch Druck auf das Atemzentrum zu Bewusstlosigkeit und Atemstillstand führen.

Hirnblutungen sind von außen nicht sichtbar. Selbst im Krankenhaus können durch eine normale Röntgenaufnahme nur Knochen, aber kein Gewebe sichtbar gemacht werden. Hirnblutungen treten typischerweise auch erst einige Zeit nach dem Unfall auf. Es können mehrere Stunden vergehen, bis sich eine Hirnblutung zeigt.

Das wird im Krankehaus gemacht: Durch eine normale Röntgenaufnahme kann, wie bereits gesagt, eine Blutung im Gehirn nicht erkannt werden. Da Blutungen auch viele Stunden nach dem Unfall auftreten können und sich durch erhöhten Hirndruck bemerkbar machen, überwacht man im Krankenhaus verdächtige Patienten über 24 bis 48 Stunden. Dabei werden regelmäßig das Bewusstsein, der Puls, der Blutdruck sowie die Pupillenreaktion gemessen.

Wann muss eine Kopfverletzung untersucht werden?

Als Faustregel gilt, dass bei folgenden Anzeichen die Kopfverletzung im Krankenhaus bzw. vom Arzt abgeklärt werden muss:
  • Bewusstlosigkeit nach dem Unfall
  • Bewusstseinsstörungen
  • starke Kopfschmerzen
  • schwallartiges Erbrechen
  • kissenartige Schwellung
  • Blutung aus dem Ohr

Arzt oder Krankenhaus?

Eine Röntgenaufnahme ist meist nur im Krankenhaus möglich. Fahren Sie möglichst in ein Krankenhaus mit einer Kinderabteilung, oder besser: Lassen Sie sich mit dem Rettungsdienst dorthin transportieren. Der Arzt kann in der Regel keine Röntgenaufnahme machen, sodass eine sichere Diagnose nicht möglich ist.

babyclub.de-Tipp: Zum Weiterlesen

Diese und weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen werden ausführliche in Janko von Ribbecks Buch "Schnelle Hilfe für Kinder: Notfallmedizin für Eltern" beschrieben.

Sie können die aktuelle Auflage von 2008 hier bestellen: www.erste-hilfe-fuer-kinder.de.