Im Gespräch mit dem BDH
Expertenchat zum Thema Geburt

Teil 2

babyclub.de: Dann raten sie also allen werdenden Müttern zu einer normalen Geburt?
Frau Weiss:
Wir bestärken sie in ihren eigenen Wünschen und bieten ihnen eine Begleitung an, die ihr die Kraft gibt, die Geburt mit möglichst wenig Hilfe von außen zu gestalten.

babyclub.de: Was können denn Hebammen tun, um eine normale Geburt zu fördern?
Frau Weiss:
Sie sollten möglichst viel wissen, um möglichst wenig einzugreifen: Die Hebammenbetreuung beginnt schon in der Schwangerschaft mit der Schwangerenvorsorge und Geburtsvorbereitung. Ein Studie aus Schweden hat bestätigt, was viele Frauen schon lange wissen: Je eher die Hebammenbetreuung einsetzt, desto größer ist die Zuversicht der Frauen in ihre eigenen Fähigkeiten und in ihre Kraft, die Geburt für sie und ihr Kind zu einem glücklichen und befriedigenden Ereignis werden zu lassen.
Frau Sassa: Die Frau hat eine bestimmte Vorstellung wie sie gebären möchte, das versuchen wir Hebammen zu unterstützen

babyclub.de: Warum ist eine normale Geburt denn so wichtig - für Mutter, Kind und Hebamme?
Frau Weiss:
Sie bedeutet für die Mutter und ihr Kind eine tragende Krafterfahrung für ihr ganzes Leben. Natürlich ist es auch für die Hebamme ein bereicherndes Erlebnis, wenn sie am Glück einer solchen Geburt teilhaben kann.

babyclub.de: Welches sind die häufigsten Geburtsarten? Oder anders gefragt: Welche Alternativen gibt es zur normalen Geburt?
Frau Sassa:
Spontangeburten, Kaiserschnitt, Saugglocke, Zange
Frau Weiss: Kaiserschnitt, Dammschnitt oder Saugglocke sind in manchen Situationen notwendig, aber nachgewiesenermaßen in längst nicht so vielen Fällen, wie sie tatsächlich vorgenommen werden.

babyclub.de: Gibt es Untersuchungen zu den Unterschieden in der Persönlichkeit von Kindern, die eine normale Geburt durchlebt haben – beispielsweise im Unterschied zu einem Kaiserschnitt? Welche Erfahrungen haben Sie selbst diesbezüglich gemacht?
Frau Weiss:
Nein, leider gibt es dazu noch wenig fundiertes Material. Aber wir wissen, dass Kinder nach einem Kaiserschnitt häufig Anpassungsschwierigkeiten haben und das die erste sensible Phase nach normaler Geburt wesentlich ungestörter verläuft als bei Kaiserschnitten, all dies sollte Grund genug sein eine normale Geburt anzustreben.
Frau Sassa: Kaiserschnitt Kinder haben häufiger Probleme mit der Anpassung. Sie schreien mehr als andere Kinder, es fehlt einfach etwas.

babyclub.de: Wie wichtig ist heutzutage die anthroposophische/ homöopathische Medizin in der Geburtshilfe?
Frau Weiss:
Im Mittelpunkt steht immer die Hebammenkunst, alles andere ist Handwerkszeug. Je weniger Nebenwirkungen für Mutter und Kind, umso besser.

babyclub.de: Wer kontrolliert Hebammen, die von sich sagen, dass sie sich mit Akupunktur, Homöopathie etc. auskennen? Ich denke, es gibt da sehr viele schwarze Schafe.
Frau Sassa:
Für die Akupunktur gibt es Ausbildungsrichtlinien und auch eine entsprechende Abschlussprüfung mit Zertifikat.

babyclub.de: Wäre es nicht ein Bild der Zukunft, das Hebammen eigenverantwortlich arbeiten und nur in der notärztliche Hilfe beanspruchen?
Frau Weiss:
Autonomie ist für die Hebammenarbeit eine wichtige Grundlage. Genau so steht es eigentlich auch im Hebammengesetz.

babyclub.de: Geburtshäuser sind der Anfang?
Frau Weiss:
Inzwischen gibt es in Deutschland ca. 80 Geburthäuser, im Übrigen sind diese Geburten genauso sicher, wie in der Klinik. In manchem Gerburtshaus ist die Qualitätssicherung weiter entwickelt als in vielen Kreißsälen. Trotzdem ist die Betriebskostenerstattung noch nicht geregelt; die Krankenkassen sind bis heute nicht überzeugt von diesem Konzept.

Wir danken Frau Weiß und Frau Sassa für die Beantwortung der Fragen.

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