U1-Untersuchung| Apgar-Test | Erstuntersuchung

U1, Apgar & Co.

Das Baby ist da und darf beim Bonding erstmals bei Mama auf dem Bauch oder auf der Brust liegen. Diese Zeit können Eltern meist ungestört genießen. Anschließend wird beispielsweise mit dem Apgar-Test überprüft, ob mit dem Kind alles in Ordnung ist.
©iStock.com/Dean Mitchell

Nach der ersten Untersuchung wird Eltern das Gelbe Kinderuntersuchungsheft übergeben. Alle Ergebnisse der U-Untersuchungen werden hier eingetragen.

pH-Wert aus der Nabelschnur

Wenn die Nabelschnur nicht mehr pulsiert und die Blutkreisläufe von Mutter und Kind getrennt sind, wird die Nabelschnur durchgeschnitten und das Baby so von der Mutter abgenabelt. Zuvor jedoch entnimmt der Arzt oder die Hebamme Blut aus der Nabelarterie um anhand der Messung des PH-Wertes festzustellen, ob das Baby während der Geburt ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurde.

Im Idealfall liegt der pH-Wert über 7,15. Ist er niedriger, wird dem Baby nach ca. einer Stunde erneut Blut abgenommen, dieses Mal aus der Ferse. In der Regel hat sich bis zu diesem Zeitpunkt die Sauerstoffversorgung des Babys normalisiert. Ist dies nicht der Fall, müssen eventuell die Atemwege abgesaugt oder mittels einer Infusion alkalische Substanzen zugeführt werden – dies geschieht jedoch nur sehr selten.

U1-Untersuchung: Apgar & Co.

Der Apgar-Test wurde vor mehr als 50 Jahren von der Ärztin Virginia Apgar entwickelt und überprüft mit Hilfe eines Punktesystems Atmung, Puls, Grundtonus (Körperspannung), Aussehen und Reflexe des Neugeborenen. Hierzu tastet der Arzt das Baby ab und beobachtet es dabei. Die fünf Kategorien werden mit Noten von 0 bis 2 bewertet – und das in verschiedenen Zeiträumen nach der Geburt: Nach einer Minute, nach fünf Minuten und nach zehn Minuten. Ein gesundes Baby sollte beim Apgar-Test einen Wert über sieben Punkte erreichen. Ganz wichtig: Die Werte sagen über die zukünftige Entwicklung des Kindes absolut nichts aus.

Außerdem dient die U1-Untersuchung zur Überprüfung von Fehl- oder Missbildungen und hilft äußerlich erkennbare Krankheiten zu erkennen. Für die Untersuchung liegt das Neugeborene auf einer Wickelkommode unter einer Wärmelampe im Entbindungsraum, meist können die Eltern bei der Untersuchung zusehen. Die Hebamme bzw. der Arzt hört das Baby ab und prüft, ob die Proportionen von Kopf, Rumpf und Gliedmaßen stimmen und ob ein Schlüsselbeinbruch vorliegt. Denn das ist die am häufigsten auftretende Geburtsverletzung, die aber glücklicherweise ungefährlich ist. Anschließend werden die „Reifezeichen“ untersucht: Ist Käseschmiere auf der Haut? Sind die Nägel voll ausgebildet? Können die Ohr- und Nasenknorpel deutlich gefühlt werden? Sind die Geschlechtsorgane voll entwickelt?

Anschließend folgt das genaue Messen und Wiegen, auf das die meisten Eltern sehr gespannt sind. Die Werte (Größe, Gewicht und Kopfumfang) werden im Mutterpass eingetragen.

In der U1 werden den Eltern zudem weitere Untersuchungen empfohlen, um mögliche Erkrankungen rechtzeitig zu behandeln: Der Test auf angeborene Stoffwechselstörungen, auf Mukoviszidose und auf Hörstörungen. Zu diesen Untersuchungen erhalten Eltern gesonderte Informationsblätter.

Vitamin K

Nach Absprache mit dem Arzt bekommen Babys nach der Geburt Vitamin K. Es unterstützt die Blutgerinnung und bringt eventuelle innere Blutungen, die durch die Geburt entstanden sein können, zum Stillstand. Dazu wird dem Baby ein Tropfen Vitamin K in den Mund geträufelt. Diese Medikation wird bei der U2 und der U3 wiederholt. Da die Magen- und Darmflora bei Stillkindern erst etwas später in der Lage ist Vitamin K selbst zu bilden, erhalten diese häufig auch nochmal bei der U4 Vitamin K. Die Verabreichung von Vitamin K ist unbedenklich und hat keine Nebenwirkungen.

Augentropfen nach der Geburt - muss das sein?

Es ist umstritten, ob die Gabe von Augentropfen nach der Geburt sinnvoll ist. Dabei gilt es jedoch zwischen Silbernitratlösung und Antibiotika-Tropfen zu unterscheiden.

Die Silbernitratlösung wurde im 19. Jahrhundert standardmäßig eingeführt, um einer Infektion durch Tripper im Auge vorzubeugen. Wenn eine Mutter infiziert ist, werden bei einer Geburt die Keime auf das Baby übertragen und können im schlimmsten Falle zu einer Erblindung führen. Diese vorbeugende Maßnahme wird auch Crede'sche Augenprophylaxe genannt und kann in manchen Fällen durchaus sinnvoll sein, wenn die Mutter irgendwann an Gonorrhö (Tripper) erkrankt war. Aufgrund der umfassenden Vorsorge in der Schwangerenbetreuung ist dies jedoch heutzutage vorher bekannt. Daher ist diese Prophylaxe heutzutage nicht mehr vorgeschrieben. Die Prophylaxe erfolgt nur nach Absprache mit den Eltern, da es bei einer Behandlung mit Silbernitratlösung zu einer vorübergehenden Bindehautentzündung kommen kann.

Antibiotische Augentropfen werden verabreicht, wenn die Mutter zur Zeit der Geburt eine Scheideninfektion mit Chlamydien hat. Doch auch diese Augentropfen sind als Prophylaxe unnötig, wenn keine Infektion vorliegt. Eine solche kann in der Schwangerschaftsvorsorge ausgeschlossen werden. Entwickelt ein Kind tatsächlich in den ersten Tagen nach der Geburt eine Entzündung der Bindehaut, kann das diese dann immer noch behandelt werden.

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