ALLES ÜBER HEBAMMEN

Expertentalk mit dem BDH

Warum brauche ich eine Hebamme? Welche Leistungen bezahlen die Krankenkassen?
Diese und andere wichtige Fragen beantwortet Frau Ellen Gruenberg vom Bund Deutscher Hebammen (BDH) in unserem Expertentalk.

Warum ist eine Hebamme zur Geburtsvorbereitung so wichtig?

Eine Hebamme ist eine Fachfrau für eine natürliche Geburt, die ohne vorschnelle chirurgische oder unnötige medizinische Eingriffe gedacht ist. Geburtsvorbereitung ist ein wesentlicher Teil in der Hebammenausbildung. Natürlich weiß eine Hebamme auch um die Abläufe in Kliniken und Geburtshäusern Bescheid und kann eine Schwangere darüber informieren und sie bei Fragen beraten.

Welche Leistungen zahlen die Krankenkassen?

Die Krankenkassen zahlen Leistungen, die zur Mutterschaftsvorsorge und zur Schwangerenbetreuung gehören. Dazu zählen: Beratung der Schwangeren, Vorsorgeuntersuchungen, Laboruntersuchungen, Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden oder Wehen, CTG-Kontrolle, Geburtsvorbereitung (sowohl Gruppen- als auch Einzelkurse).
Darüber hinaus tragen Krankenkassen die Kosten für Maßnahmen, die zu dem Bereich Geburtshilfe gehören, auch im Falle einer Fehlgeburt.
Letztendlich finanzieren Krankenkassen auch die Wochenbettbetreuung der Mutter, sprich Hausbesuche, telefonische Beratung, U1, Laborabnahmen, Rückbildungsgymnastik in der Gruppe und Beratung bei Stillschwierigkeiten.

Ab wann kann eine Schwangere die Leistungen einer Hebamme in Anspruch nehmen bzw. wie viele Wochen vor einer Geburt ist es ratsam, mit einer Hebamme in Kontakt zu treten?

Eine Schwangere kann die Leistungen einer Hebamme unmittelbar nach dem Feststellen der Schwangerschaft in Anspruch nehmen. Wir raten werdenden Müttern immer wieder, sich frühzeitig nach einer passenden Hebamme umzusehen und sich rechtzeitig anzumelden.

Welche Kurse, Angebote oder präventive Maßnahmen – außer der üblichen Geburtsvorbereitung – raten Sie werdenden Müttern? (z. B. Yoga, Schwangerenschwimmen etc.)

Gerade weil das Angebot an Zusatzleistungen besonders groß ist, sind Hebammen die ideale Anlaufstelle, die jede Schwangere individuell berät und passende Leistungen mit ihr herausfiltert. Hebammen wissen z. B. genau darüber Bescheid, welche Maßnahmen ärztlich zu empfehlen sind.

Ist z. B. eine geburtsvorbereitende Akupunktur sinnvoll für eine Mutter, die große Angst vor den Schmerzen einer Entbindung hat?

Ja, dies kann eine sinnvolle Maßnahme sein, wenn die Akupunktur von einer gut ausgebildeten Hebamme durchgeführt wird. Der BDH hat eigens für diesen Bereich genau definierte Akupunktur-Richtlinien erstellt. Die Hebamme wird sich viel Zeit für offene Gespräche nehmen, um herauszufinden, woher diese Ängste rühren und wie man sie auch durch andere Maßnahmen lindern kann.

Zu guter Letzt Frau Gruenberg: Welche Aufgaben hat der Bund deutscher Hebammen? Worin sehen Sie Ihre große Stärke?

Unsere Stärke besteht zunächst einmal in unserer Größe: In Deutschland arbeiten z. Zt. ca. 15.000 Hebammen – 14.000 Hebammen sind im BDH organisiert. Ein wesentliches Anliegen des BDH ist die aktive Mitgestaltung einer menschenwürdigen Geburtskultur. Das heißt, wir möchten jeder Frau eine „normale Geburt“, ohne technische Interventionen, aber mit möglichst viel menschlicher Zuwendung ermöglichen. Durch die Begleitung einer Hebamme, vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit, wird das zukünftige, gesundheitliche Wohlergehen von Mutter und Kind gestärkt.
Übrigens: Jungen Müttern steht generell eine Hebammenbetreuung bei der Geburt zu – egal ob sie für eine Geburt zu Hause, in der Hebammenpraxis, im Geburtshaus oder in der Klinik entscheiden. Im Falle von Komplikationen zieht die Hebamme einen Facharzt hinzu, bzw. veranlasst, bei Hausgeburten oder Entbindungen im Geburtshaus die Verlegung der Gebärenden in eine Klinik.
Da die Zeit des „Wochenbettes“ (der Zeitraum vom Tag der Geburt bis acht Wochen danach) für viele Mütter mit großen Umstellungen und Veränderungen gekennzeichnet ist, bieten Hebammen auch hier eine einfühlsame und sicherheitsgebende Betreuung an. Die Hebamme gibt emotionale und praktische Hilfestellung, beobachtet die Entwicklung des Kindes und kontrolliert die körperlichen Vorgänge, die typisch sind für die postpartale Zeit. Letztendlich sind Hebammen auch ideale Ratgeberinnen im Bereich Stillen.

Vielen Dank für das Interview!


Mehr Informationen erhalten Sie auch unter www.bdh.de

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