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Herausforderung - schwanger sein im Ausland

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  • amamas15
    Gelegenheitsclubber (20 Posts)
    Eintrag vom 22.08.2015 08:04
    Ihr Lieben,
    ich brauche mal einen Ort, an dem ich meinen „Rucksack“ abstellen kann, der mir gerade zu schwer wird. Darum schreibe ich heute. Um einmal durch zu atmen und vielleicht sogar Kraft zu finden, damit es (ich) weiter gehen kann.

    Ich lebe seit 3,5 Jahren auf einer Insel im südlichen Pazifik. Mein Mann ist von hier, wir sind seit 2011 verheiratet, haben eine wunderbare Wirbelwindtochter (2,5 Jahre). Im April haben wir unser zweites Wunschkind (Ende 10.-Anfang 11. Ssw) verloren und in unserem Garten beigesetzt. Jetzt sind wir wieder guter Hoffnung (9.SSw) und freuen uns sehr, ich allerdings bin auch sehr vorsichtig, zur Zeit sogar ängstlich.

    Die medizinische Versorgung hier im Land ist, gemessen an dem , was ich aus Deutschland kenne, eine echte Herausforderung für mich. Wir haben in unserer Nähe ein kleines Krankenhaus, das ist schon einmal Luxus. Nur ist die Begleitung und Betreuung so ganz „anders“. Es fehlt an medizinischen Geräten, an Personal, oft auch an Strom (und einer Toilette). Jeden Tag stehen 200 Menschen Schlange. Wenn ich einen Arzt sehen möchte, muss ich einen ganzen Tag einplanen. In den Schwangerschaften wurde bisher nie Blut untersucht oder Urin. Ultraschall gibt es nur über den Bauch mit schwachen Geräten. Aber immerhin. Manchmal ist das Personal nicht auffindbar, ein anderes Mal sind die Medikamente schon abgelaufen oder gar nicht vorhanden, beispielsweise Malariapräparate für unsere Tochter. Ich kann normalerweise gut damit umgehen, mit Vertrauen, Gelassenheit. Habe auch eine gute Hausapotheke zu Hause. Nur in dieser Schwangerschaft geht es mir sehr nahe. Wie gesagt, ich habe Angst. Angst, dass ich eventuell noch einmal eine Fehlgeburt erleiden könnte – wieder ohne ärztliche Begleitung (es gibt auch keine Frauenärzte oder Hebammen), vielleicht mit weniger Glück. Angst, dass ich nicht alles mir Mögliche tue, um diese Schwangerschaft zu unterstützen. Sicher liegt die Angst auch daran, dass ich noch nicht über den kritischen Punkt hinweg bin, an dem das letzte Mal die Blutungen einsetzen.

    Dazu kommt, dass wir derzeit große Probleme mit dem El Niño haben. Es hat seit zwei Monaten nicht mehr geregnet. Da wir von Regenwasser leben, das in Tanks aufgefangen wird, sitzen wir bald auf dem Trocknen. Wir diskutieren bald jeden Tropfen, den wir verbrauchen. Es tut mir weh, unserer Tochter verbieten zu müssen, am Wasserhahn zu spielen, weil wir die letzten Liter aufbewahren müssen. Ich wünsche mir manchmal ein schönes Bad in der Wanne, um meine Schwangerschaftsbeschwerden zu lindern. Stattdessen wasche ich mich nur mit einem nassen Wachlappen. Wir wissen nicht, wie lange unser Wasser noch reicht, und noch weniger, wann der nächste Regen endlich kommt. Im ganzen Land herrscht Dürre, die Ernte ist vertrocknet, Krankheiten (Haut, Darm) mehren sich, auch in unserem College, Hunger bricht aus. Wir bekommen kaum noch frisches Gemüse auf dem Markt, Süßkartoffeln und Taro sind voller Maden – wie soll ich mich gesund und abwechslungsreich ernähren? Es ist tagsüber so warm, dafür nachts um so kälter. Im Hochland haben wir schon des öfteren den Gefrierpunkt erreicht, die Ernte ist nicht nur vertrocknet, sondern nun auch erfroren, die Menschen kennen diese Kälte nicht. Durch die Wassernot sind schon zahlreiche Schulen geschlossen, auch die Krankenhäuser fangen damit an. Mir macht das Sorgen. Wie wird es bei uns weiter gehen? Täglich schaue ich in den Himmel und sehne den Regen herbei. Auch unsere Tochter ruft: „Bitte, Regen, komm!“ Gestern gab es Regen – drei Minuten lang. Die Tränen, die ich danach verschüttet habe, waren das Hundertfache von dem, was an Regentropfen den Erdboden erreicht hatte.

    Ich bin bisher noch nicht zur Untersuchung gewesen, ich plane, vielleicht in 2 Wochen zu gehen. Was, wenn auch unser Krankenhaus in Kürze schließt? Was, wenn es Komplikationen gibt und keiner ist da, der helfen kann? Was, wenn auch unsere Wasservorräte aufgebraucht sind, ich aber wegen Komplikationen in der Schwangerschaft nicht außer Landes fliegen kann? Unsere Freunde und die große Familie meines Mannen werden bleiben müssen. Mir fällt es – noch dazu schwanger – schwer, das zu ertragen.

    Ich weiß, einiges sind lediglich Gedankenkarusselle, die meine Angst noch mehr schüren. Ich kann nur mit kaum jemanden darüber reden. Meiner Familie mute ich solche Dinge nicht mehr zu. Ich merke, dass sie emotional überfordert sind und es ihnen zu nahe geht. Viele Freunde sind in ihrer eigenen Welt engagiert.

    Vielleicht gibt es ein paar Frauen in diesem Forum, die ähnliche Herausforderungen und existentielle Belastungen kennen oder erlebt haben, und andere, die es einfach mitfühlen und an sich heran lassen können. Ich freue mich, wenn sich jemand von Euch Zeit zum Lesen und An- uns-in-der-Ferne-Denken nimmt. Danke!
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  • ConnyCL
    Very Important Babyclubber (2294 Posts)
    Kommentar vom 22.08.2015 09:17
    Das ist. ...mir fehlen da die Worte. Ich bin nicht in deiner Lage, aber ich würde an deiner Stelle zusehen das ich da weg komme.wenn Komplikationen auftreten dann kann dir niemand helfen und dann überlebt man das in solchen Ländern nicht.
    Wo ist denn euer erstes kind geboren?
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  • _E_V_A_
    Moderator
    Very Important Babyclubber (1211 Posts)
    Kommentar vom 22.08.2015 09:41
    Au wie, das hört sich wirklich krass an, und macht mit gerade mal wieder bewusst, wie unglaublich gut wir es hier in Deutschland haben, über dessen Zustände ja gerade viel diskutiert wird...

    Nach Deutschland zurück zu kommen, steht wahrscheinlich ausser Frage? Vielleicht zumindest für die Zeit der SS? Oder kann dein Schatz dort gar nicht weg?

    Wascich gerade sehr interessant finde ( obwohl es mit der eigentlichen Sache gar nichts zu tun hat) ist wie weit das Internet weltweit auf dem Vormarsch ist. Mangelhafte medizinische Versorgung, von Wasser oder Strom wohl ganz zu schweigen aber Internet funktioniert...( scheinbar zumindest zeitweise)
    Antwort
  • amamas15
    Gelegenheitsclubber (20 Posts)
    Kommentar vom 22.08.2015 09:46
    Hallo ConnyCL
    danke für Deine Antwort.

    Ja, den Impuls spüre ich momentan auch in mir – bloß schnell raus. Aber, wie sollte es anders sein, es ist nur leider nicht so einfach, „einfach“ nach Deutschland zu fliegen, da ich in einem Arbeitsverhältnis stehe. Allerdings bin ich in gutem Kontakt mit meinem Fachvorgesetzten aus D, der sich gestern in einer Mail auch schon besorgt über die Entwicklung im ganzen Land geäußert hat. Er wird in drei Wochen auch zu uns zu Besuch kommen, für eine ganze Woche (nicht dass er noch bei uns duschen will ;-). Bis dahin wünsche ich mir, dass ein Notfallplan steht. Mein Mann ist ja auch noch da, der nicht einfach so unbegrenzt in D weilen darf. Bisher haben wir nur ein Schengenvisum für ihn bekommen (lange Geschichte), das ihm nur erlaubt jeweils drei Monate in D zu sein.
    Gleiches Visum- Problem gibt es, wenn wir sagen, wir gehen erst einmal nach Australien (die Trockenheit betrifft ja aber auch gesamt Ozeanien).

    Zur Geburt unserer ersten Tochter sind wir gemeinsam nach D geflogen, damals in der 29. Woche, das war in Ordnung so, wenn auch beschwerlich (37 Stunden!). So würden wir es im Januar gerne wieder machen, das ginge aber nur, wenn alles komplikationslos verläuft. Ich bin wirklich zerrissen momentan.
    Antwort
  • amamas15
    Gelegenheitsclubber (20 Posts)
    Kommentar vom 22.08.2015 09:54
    Liebe _E_V_A_,

    danke auch für Deine schnelle Antwort!
    Ja, das Internet! Das ist wirklich ein Phänomen in diesem Land. Für uns wirklich eine riesige Hilfe. Nicht nur das Forum hier (oder andere), das mir immer mal Ideen und Hilfestellung gibt. Bei Krankheiten schaue ich immer mal nach, bevor wir uns auf den Weg zum Arzt machen, damit ich schon eine Richtung weiß und auch die vorgeschlagene Medikation kritisch beurteilen kann...Und ich kann online Flüge buchen - das ist klasse und hält mir den Rücken frei.

    Viele Menschen hier haben vieles nicht, aber ein mobile, das internetfähig ist, haben fast alle. Na ja, jedenfalls die jüngere Generation und das Mittelalter. Leider bringt es auch einige neue Probleme, weil so vieles unreflektiert aus dem Netz übernommen oder für real gehalten wird.
    Antwort
  • amamas15
    Gelegenheitsclubber (20 Posts)
    Kommentar vom 22.08.2015 10:01
    nochmal @internet
    Im ersten Jahr 2012 hatte ich noch große Probleme, meine mails abzurufen. Habe manchmal über eine Stunde gebraucht, um meinen account zu öffnen. Was allerdings nicht hieß, dass ich die mails dann auch lesen konnte. Wenigstens wusste ich, wer geschrieben hatte :-)
    Seit 2014 geht das, wenn Strom ist, ziemlich fix, ich kann sogar 2MB Bilder verschicken...und fühle mich dadurch nicht mehr so isoliert und "hinter dem Mond".
    Antwort
  • _E_V_A_
    Moderator
    Very Important Babyclubber (1211 Posts)
    Kommentar vom 22.08.2015 22:53
    Aber wenn ihr verheiratet seid , sollte es doch eigentlich kein Problem sein dauerhaften Aufenthalt hier für deinen Mann zu bekommen, oder seh ich das gerade falsch..?

    Das mit dem Internet, ist wirklich n Ding, aber ich weiß noch als meine Schwester damals regelmäßig in Afrika war, war auch das Internet ( E-Mail/Skype) unsere einzige Möglichkeit zu kommunizieren und das ist schon fast 10Jahre her...

    Wenn man so hört, Ozeanien, Südlicher Pazifik... Da fängt man eigentlich an von Urlaub zu träumen...
    Antwort

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