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Meine Geschichte: Eine kurze Schwangerschaft mit Fehlgeburt und „Happy End“ eines vollstündigen natürlichen Abgangs ohne Ausschabung in der 12. Woche

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  • Mami0319
    Juniorclubber (42 Posts)
    Eintrag vom 27.08.2018 16:16
    Ich schreibe zum einen zum Verarbeiten und zum Anderen zum Mutmachen :-)

    Am 2.7., einen Tag nach unserem Urlaub, hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Ich war total happy und auch mein Mann freute sich riesig. Schon für den nächsten Tag bekam ich einen Termin bei meiner Frauenärztin (viel zu früh, wie ich mittlerweile weiß). Es wurde u.a. Blut abgenommen und dann kam der große Moment: Ultraschall. Die Ärztin sah nichts und zum ersten Mal hörte ich dieses Wort: Eileiterschwangerschaft. Ich brach in Tränen aus, denn darauf war ich absolut nicht vorbereitet. Die Ärztin wollte erstmal abwarten und ich solle freitags (3 Tage später) wieder kommen, denn vielleicht würde man dann was sehen. Ich googlete viel über Eileiterschwangerschaft und war fest davon überzeugt, keine zu haben. Auch fand ich heraus, ab wann man was im Ultraschall sah und rechnete schon damit, dass man nichts sehen würde (Hcg dienstags 309, die Wahrscheinlichkeit für einen Wert von über 1.500, wo man etwas sehen konnte, war also gering). Positiv gestimmt ging ich freitags also zum Termin mit erneuter Blutabnahme und Ultraschall. Im Ultraschall sah man immer noch nichts. Die Ärztin war beunruhigt, ich nicht. Sie sagte, sie hätte gern einen Hcg-Wert von um die 700, aber auch 600 wären ok. Mittags rief sie an und meldete 1.409. Ich war super happy, aber sie holte mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Ab 1.400 müsste man etwas sehen können. Ich solle also ins Krankenhaus fahren. Sie ging mir mächtig auf die Nerven mit ihrer Schwarzmalerei, aber ich tat, was sie sagte (allerdings erst, als ich auf de Arbeit in Ruhe noch was fertig gemacht und in Ruhe ein paar Sachen fürs Krankenhaus gepackt hatte). Im Krankenhaus fragte man mich, warum ich da sei und ich antwortete mit „Ganz ehrlich ist mir das nicht ganz klar. Aber meine Ärztin schickt mich wg einer eventuellen Eileiterschwangerschaft.“ Die Ärztin schaute mich etwas ungläubig an und sagte, dass ein so toll gestiegener Wert eher nicht dafür spricht. Und dann sah man es endlich auf dem Ultraschall: eine kleine dunkle Höhle. Ich hatte Tränen in den Augen. Dieses Mal vor Freude. Das Ultraschallbild fotografierte ich nach dem Termin direkt ab und schickte es meinem Mann mit den Worten: „Darf ich vorstellen, die Eileiterschwangerschaft.“ Leider blieb dieser einer der wenigen Glücksmomente.

    Montags bekam ich braune Schmierblutungen. Weil ich Rhesus negativ bin und dann sofort kommen soll, ging es also wieder zur Frauenärztin. Sie sah nun auch endlich das Nest und zwar ein intaktes. Woher die Blutungen kommen, wusste sie nicht. Jedenfalls sei alles ok. Dass es evtl da schon nicht mehr ok war, errechnete ich dann später.
    Es blutete 2 Wochen schmierig weiter, worüber ich mir allerdings keine Gedanken machte, da ja die Ärztin sagte, es sei alles ok, weil Blutungen nicht ungewöhnlich sind und weil es mir ansonsten absolut beschissen ging (was ich für ein gutes Zeichen hielt).

    Am 27. Juli dann der nächste Termin. Ich hatte ergooglet, dass man das Herzchen schlagen sehen sollte. Mein Mann war extra mitgekommen, aber leider sah man kein Herzchen schlagen und man erkannte auch keinen Embryo. Anhand von was auch immer wurde ich über eine Woche zurückgestuft. Die Ärztin war ganz ruhig, sagte, man müsse kein Herz sehen, kein Grund zur Beunruhigung. Aber nächstes Mal sollte man es sehen. Ich googlete unheimlich viel und je mehr ich googlete, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass was nicht stimmt. Das, was sie gemessen hatte, war 3,8mm und viel zu klein für die neu errechnete 8. Woche. Auch dass ich immer weniger Anzeichen bemerkte, beunruhigte mich. Mein Mann war völlig ruhig und vertraute der Ärztin.

    Knapp 2 Wochen später der nächste Termin. Auf dem Weg war mir schon klar, dass was nicht stimmt. Wahrscheinlich gibt es sowas wie eine weibliche Intuition. Und es kam, wie gedacht: Der Fötus hatte sich nicht weiterentwickelt und man sah auch keinen Herzschlag. In meinem Mutterpass stand „Missed Abortion.“ Es brachen alle Dämme und ich musste erstmal ins WC und laut weinen. Danach hatte ich mich schnell wieder gefangen, viel schneller als mein Mann. Ich redete mir ein, dass es einen Grund hatte, dass es so gekommen war und dass es gut so ist. Denn wer weiß, wie dieser Weg weitergegangen wäre. In jedem Termin zittern Müssen und sich dazwischen auch ständig Gedanken machen hält ja auch keiner für die verbleibenden 7-8 Monate aus.

    Am nächsten Tag gings ins Krankenhaus, wie von der Ärztin befohlen. Insgesamt war ich fast 4h dort und völlig entnervt. Was für ein Chaos. Jedenfalls weiß ich, wo ich mal nicht entbinden möchte. Zuerst behandelte mich die Assistenzärztin, die mir direkt erzählte, man müsse ausschaben, da zu einem so späten Zeitpunkt (10. Woche) sonst garantiert Reste in der Gebärmutter bleiben. Ich war sehr traurig und hatte wirklich Angst. Die Aufklärung über die Risiken der Ausschabung, die ich mir brav anhörte, machten alles nicht besser. Die Ärztin wollte für montags einen Termin machen, ich erbat mir Bedenkzeit und unterschrieb nichts. Die Oberäztin kam dazu, eigentlich wohl, weil sie bei Ausschabungsvorbereitungen auch mit im Ultraschall schaut. Sie war unglaublich süß, streichelte mir über den Arm, erzählte, dass sie auch eine Fehlgeburt hatte und weiß, wie schlecht es einem geht. Zum ersten Mal fühlte ich mich von jemandem verstanden. Ich teilte ihr mit, dass ich eigentlich keine Ausschabung möchte, worauf sie die 3 fast schönsten Worte sagte, die ich je gehört hatte: „Wir können warten.“ Ich hätte sie knutschen können. Nachdem ich mich nochmal versichert hatte, dass Warten nicht gefährlich ist, ging ich mit einem sehr guten Gefühl heim.

    In den nächsten Tagen googlete ich viel und las, dass wirklich nichts Dramatisches passiert, wenn man nicht sofort ausschabt. So hatte ich gefühlt alle Zeit der Welt, mich mit Vor- und Nachteilen von Ausschabung, spontanem natürlichem Abgang und natürlichem Abgang nach Einleitung mit Cytotec zu informieren. Ich war sehr froh, viele Erfahrungsberichte von natürlichen Fehlgeburten zu finden. Mein Gefühl sagte von Anfang an natürlich, wobei ich bei spontan und Cytotec nicht sicher war.
    Zwischenzeitlich rief auch meine Hebamme an, der ich mitgeteilt hatte, dass der Termin zum Kennenlernen und zum Geburtsvorbereitungskurs nicht mehr notwendig seien. Da ich gelesen hatte, dass eine Hebamme Fehlgeburten begleitet, fragte ich sie, ob sie das machen würde. Sie bejahte und ich hatte das tolle Gefühl, dass alles gut würde. Sie gab mir viele nützliche Infos, wie u.a., dass die meisten Kinder zum normalen Menstruationstermin kämen. Super, dachte ich, noch 2-3 Wochen (Warten ist nicht meine Stärke). Und zu der Zeit, in der wir den eigentlich letzten Urlaub ohne Kind geplant hatten. Vielleicht würde ich dann doch vorher einleiten. Ich fragte, ob wir übers Wochenende in den Bergen wandern können und sie sagte: „Ich würde es machen.“ Ich hatte keine Ahnung, was kommen würde.

    Dienstags hatten Blutungen angefangen, nicht super stark, aber keine Schmierblutungen mehr. Sie wurden mit jedem Tag mehr Sonntags beim Wandern war es schon sehr viel (eher „fest“, nicht dünnflüssig), so dass ich zweimal im Berg meine Binde wechseln musste. Außerdem hatte ich teils unangenehme Krämpfe, denen ich aber keine große Beachtung schenkte. Schließlich waren noch mindestens 10 Tage Zeit.

    Am Montag, 20.8. wollten wir nach einem faulen Morgen in der Ferienwohnung mittags noch eine Runde um den See (nur was Kleines, nach über 1.000 Höhenmetern am Vortag). Ich saß auf dem Balkon, als mir klar wurde, dass ich sehr regelmäßige Krämpfe hatte. Allmählich wurde ich doch aufgeregter. Die Schmerzen wurden schnell mehr und ich legte mich mit Wärmflasche ins Bett. Schnell gab es keine Position mehr, die bequem war. Ich hatte das Gefühl, mit Stuhlgang aufs Klo zu müssen uns wusste, dass es jetzt wohl losgeht (hatte ich sehr oft gelesen). So war es denn auch. Zusammen mit Durchfall plumpste ein großes Stück irgendwas ins Klo, vorher und nachher mit Blutfluss wie aus einem kleinen Wasserfall. Danach waren die Krämpfe schlagartig besser, begannen aber später wieder. Statt abends essen zu gehen, holten wir Pizza. Gerade als wir heimkamen, hatte ich wieder das Gefühl, es kommt was. Ich war kaum auf dem Klo, da plumpste wieder was rein, wieder mit viel Blut, das lief, wie Pipi. Danach waren die Krämpfe weg und ich fühlte mich richtig gut. Wir machten noch einen kleinen Spaziergang. Am nächsten Tag waren die Blutungen fast weg, am Tag danach war es wieder mehr. Donnerstags hatte ich einen Termin bei der Hebamme und ab abends nahm ich Hirtentäschel-Tropfen, um auch noch den Rest auszuspülen. Das klappte sehr gut, direkt abends nach der Einnahme der unfassbar ekligen Tropfen kam wieder ein größeres Stück. Die nächsten 3 Tage blutete es seeeeehr wenig, nur ein paar Tropfen, bis gestern am späten Abend und heute Morgen wieder mehr kam. Da war auch der Kontrolltermin im Krankenhaus mit der schönsten aller Nachrichten: Soweit die Ärztin gesehen hat, ist alles draußen, lediglich noch ein bisschen Schleimhaut, was aber voraussichtlich ohne operative Eingriffe abgeht.
    Auch wenn ich in der 12./13. Woche meine Gebärmutter lieber etwas anders als als großen grauen leeren Kreis gesehen hätte, war ich sehr happy. Es hat sich gelohnt, diesen Weg zu gehen. Das Warten (eigentlich "nur" 10 Tage, aber unser Baby war wohl schon 3 Wochen tot) war nicht einfach und teilweise macht es einen wahnsinnig, v.a., wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt, wie lange die Blutungen dauern und wann es überhaupt losgeht. Gerade auf der Arbeit war das ein ziemlich doofes Gefühl (ich wollte mich nicht krankschreiben lassen, da es mir guttat, zu sehen, dass das Leben weitergeht) und man kann auch nicht wirklich was planen (weder berufliche Termine noch privat). Das Gedankenkarrussel dreht sich ständig (ist es wirklich nicht gefährlich, 4-5 Wochen etwas Totes im Bauch zu haben?) und auch die Schmerzen sind nicht schön (aber wirklich auszuhalten; ich habe keine Schmerzmittel gebraucht). Mir war es allerdings wichtig, die OP zu vermeiden, da ich einfach zu viel Negatives gehört/ gelesen habe. Und ich bin sehr froh, dass ich das (Stand jetzt) geschafft habe. Außerdem bin ich sehr stolz auf meinen Körper, dass er das alles so super hingekriegt hat.
    Ich würde allerdings keine Alleingänge machen. Mir hat es sehr geholfen, eine so tolle Hebamme zu haben, die ich jederzeit anrufen konnte. Es sollte außerdem auf jeden Fall medizinisch abgeklärt werden, dass „Warten“ ok ist, ansonsten kann das Ganze eben auch schiefgehen.

    Ich wünsche euch alles Gute und hoffe, die ein oder andere demnächst in einem der Monatsmama-Foren wiederzusehen :-)
    Antwort
  • Pigeon
    Powerclubber (67 Posts)
    Kommentar vom 27.08.2018 23:25
    Danke für diesen sehr einfühlsamen und berührenden Erfahrungsbericht!
    Aus eigener Erfahrung kann ich deinen Bericht nicht selbst (am eigenen Leib) nachfühlen, aber du hast es so aus dem Herzen geschrieben, dass ich für dich mitfühle.
    Ich habe trotz 2 Jahren "Übungszyklus" kein bewusstes Sternechen erleben müssen, auch wenn ich aufgrund mancher sehr späten Periodenphasen den Gedanken hegte, dass sich etwas nicht geschafft hat einzunisten und für eine Verlängerung sorgte, ohne dass es auf einemm Test sichtbar wurde.

    Ich wünsche dir, dass du das Glück einer Schwangerschaft zukünftig bald genießen kannst und auch wenn man sich trotzdem ständig sorgt und Ängste durchsteht, dieses Glück überwiegt.

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