my babyclub
menü
babyclub.de - alles rund um Baby, Schwangerschaft, Geburt, Vornamen, Hebammen
Bitte einloggen

Passwort vergessen?
Noch nicht Mitglied?
Kostenlos registrieren
My Babyclub.de
Wie es begann und wie es endete - Schwangerschaftsverlust 7. SSW

Antworten Zur neuesten Antwort

  • Eintrag vom 16.05.2021 15:47
    25.04.2021 – wie alles begann

    Positiv – das Unwort der Corona Pandemie. „Think positive, stay negative“ ist wohl das Motto der Stunde in diesem Fall. Hast du also einen positiven Test, solltest du dir Sorgen machen. Hingegen auf Schwangerschaftstests ist das Wunschergebnis genau anders herum. Da trauert man dem zweiten Strich nicht hinterher, sondern ist im besten Fall ganz aus dem Häuschen.

    Oder man ist wie ich:

    Einen Samstag im April noch schön die Hecke schneiden und rund ums Haus alles in Ordnung bringen. Sich dabei fragen, wieso Frau eigentlich ständig so kurzatmig ist und mal kurz über die Kontakte der letzten Tage und eine mögliche Corona Infektion nachdenken. Danach schön ein Brot mit rohem Schinken – man weiß ja nie wann man den zum letzten Mal isst. Das Brot essend in den ordentlich hergerichteten Garten schauen und nochmals über die Kurzatmig- und Müdigkeit sinnieren. Schwanger? Nö - das ist PMS. Da bildet man sich ja schnell Schwangerschaftsanzeichen ein – hab ja gelesen, dass die kaum zu unterscheiden sind so früh.

    Dr. Google und der ein oder andere Beitrag in einem Schwangerschaftsforum bestätigt mich: ich bin einbildungskrank. Also erstmal ein Schläfchen machen und den Rest des Tages ruhiger angehen lassen. Selbst Superwoman braucht mal eine Pause :-)

    Sonntags drauf schön eine Runde mit dem Göttergatten und dem Hund wandern gehen – immer noch kurzatmig. „Mann ey, ich muss ins Training vor Südtirol“ denke ich – so kommst du ja keinen Berg hoch. Doch weniger naschen, mehr Gemüse. Schmeckt mir ja gar nicht! Links auf der Schulter gedanklich eine kleine Putte in Babyform erscheint, die mir zwinkernd vorschlägt, doch mal einen Schwangerschaftstest zu machen. Im gleichen Moment taucht PMS in Gestalt einer schlecht gelaunten Frau auf, die „Schokoladeinsichreinstopfend“ abwinkt und mit vollem Mund erwidert: „Nur P_M_EEEEEEES“ und dabei genervt die Augen verdreht und sich dann der Tüte Chips nahe meinem Ohr widmet.

    Hin – und hergerissen zwischen diesen Gefühlen kommt es wie es kommen muss: die Neugier siegt. Also nach der Wanderung erstmal ein Stück Kuchen zur Beruhigung der PMS auf der rechten Schulter in sich reinschieben und als sich diese endlich satt zur Ruhe bettet und ein Nickerchen macht, der Göttergatte mit dem Motorrad auf dem „Highway to Hell“ unterwegs ist, wird ganz unvernünftig mit nachmittäglichem Urin ein Schwangerschaftstest gemacht. Während der dreiminütigen Wartezeit rede ich mir ein, dass der sowieso nicht positiv sein kann. 1. Es ist Nachmittagsurin, da weiß doch jedes Kind: Tests nur mit Morgenurin. 2. Ist es ja eh nur PMS, egal ob ich müde und kurzatmig war oder dauerpinkelnd auf der Toilette verbracht hab. 3. Kann ja gar nicht so schnell gehen. Ich bin 38, es ist erst der 4. Übungszyklus, die Frauenärztin sagte es dauert bis zu 12 Monate, nach 6 Monaten soll ich aber für weitere Untersuchungen kommen. Nur kein Druck. Das kann ja noch gar nicht sein.

    Nach 1,5 Minuten auf den Test starrend, sehe ich lediglich die Kontrolllinie. „HA, hab ichs doch gewusst“ denke ich und sage mir selbst wie doof ich bin, einen Test zu machen mit Nachmittagsurin! Der wird eh nicht mehr positiv. Nach Ablauf der 3 Minuten ist der Test dann positiv. Stilles staunen meinerseits. Ich nehme also den Test und renne zu Fenster, da ist das Licht besser. Und er bleibt positiv. Etwas ungläubig warte ich also auf die Rückkehr meines Mannes und erkläre ihm zuerst, dass er nun ganz stark sein müsste und das ich es verstehen könne, wenn er in seinem Helm brechen möchte.

    (…) Gerne hätte ich hier weiter erzählt, wie ich das erste Mal beim Gyn war oder auch von meinem Termin am 11.05.2021, wo man eine schöne Runde Fruchthöhle sah. Leider war diese Fruchthöhle zwar zeitgerecht für die 6te Woche, aber nicht für die 7te. Und kurz nach dem Termin nahm das Drama auch schon seinen Lauf.

    13.05.2021 – und wie es endete

    Am 13.05.2021 morgens gegen halb 4 hat uns das kleine „Krümi“, wie wir es als „Arbeitstitel“ genannt haben, leider wieder verlassen. Vorangegangen waren braune Schmierblutungen und ein Krankenhausbesuch, der beruhigen sollte, es aber nicht tat. Im Krankenhaus am 12.05.2021 war noch alles an Ort und Stelle. Im Laufe des Tages veränderten sich leider die Blutungen von braun zu rosa, von rosa zu rot und in der Nacht um halb 4 gab es keine Zweifel mehr darüber, was gerade passiert.

    Also Emotion aus, Funktion an und erstmal die „Sauerei“ beseitigen. Immer wieder unterbrochen dadurch, dass die Seele sich zurückmeldete und mich in Weinkrämpfen schüttelte. Ich schrie vor Schmerz, ich schrie vor Seelenpein und ich weinte mehr als im Leben zuvor. Zwischenzeitlich übernahm das Hirn, also säuberte ich mich, zog mir neue Kleidung an, warf Schmerzmittel ein und fuhr ins Krankenhaus. Meinen Mann hatte ich am Tag zuvor schließlich zum Vatertagsbesuch bei seinem Vater geschickt. Er hätte es schließlich genauso wenig beeinflussen können wie ich – auch wenn er händchenhaltend neben mir gesessen hätte.

    Die MitarbeiterInnen dort waren eine Wohltat. Sie fingen mich auf, so gut sie konnten, gaben mir die Informationen die ich brauchte und nahmen Anteil an meinem Leid. Sie wanken ab, wenn ich mich entschuldigte ihnen alles vollzubluten und fragten mich immer wieder nach meinem Kreislauf.

    Im Ultraschall sah man dann das was man vermutet, wenn man solche Blutungen hat: nichts. „Krümi“ war weg. Zwischen halb 4 und 8 Uhr morgens irgendwann in der Kanalisation verschwunden. Ein 4 mm kleines Reiskorn hatte sich entschieden lieber ein Stern sein zu wollen und sich auf den Weg dorthin gemacht. Somit blieb also nur noch zu entscheiden, was mit dem „Rest“ in der Gebärmutter zu geschehen hatte – wollte ich, dass mein lieber, fantastischer Körper, der wusste, dass er Krümi nicht weiterentwickeln konnte oder durfte auch diesen letzten Akt allein vollbrachte – oder wollte ich ihm helfen und mir den „Rest“ wie wir ihn der Einfachheit halber nennen rausoperieren zu lassen. Ich entschied mich für die Ausschabung. Schönes Wort oder? Wie eine Eispackung die man leerkratzt – ist ja ähnlich, macht man auch mit einer Art Löffel.

    Und so erlitt ich einen Schwangerschaftsverlust in Woche 7. Es ist sicher immer schlimm, so etwas zu erleben. Wenn man genau ein Kind möchte, empfinde zumindest ich dieses „Ergebnis“ besonders bitter. Also wurde ich einige Stunden später in Narkose gelegt und als ich erwachte, war es endgültig vorbei. Bis auf einige hormonelle Kapriolen bin ich also nicht mehr schwanger. Stattdessen bin ich nun die Mama eines kleinen Sterns, der am 13.05.2021 „geboren“ wurde. Noch im Krankenhauszimmer schreibe ich also einen Brief an mein Krümi, an die Hoffnung, die mit dem positiven Test verbunden war:#


    Mein liebes Krümi,

    leider durften wir dich nicht behalten. Die Natur hat entschieden, dass du nicht zu uns kommen wirst. Leider hat sich aus der schönen runden Fruchthöhle nichts weiter entwickelt. Vielleicht war es dir zu dunkel oder karg in deiner Höhle und du wolltest deshalb nicht einziehen. Vielleicht gab es aber auch einfach jemanden, der dich dringender brauchte als wir. Superhelden sind in der heutigen Zeit ja sehr gefragt.

    Mein Krümi, ich bin deine Mama und werde dich immer lieben. Du bist am 13.05.2021 „geboren“ und gehörst nun zu Papa und mir. Gerne hätten wir dich stattdessen in einigen Monaten im Arm gehalten und dich aufwachsen sehen. Und doch gab es Gründe, dass es nicht hat sein sollen.

    Kleines Krümi, lebe wohl und erfreue all die anderen dort, wo du jetzt bist. Denn dort wirst du anscheinend mehr gebraucht als bei uns.

    Ich glaube fest daran, dass du ein Geschwisterchen bekommst und wir dieses dann auch in den Armen halten dürfen.

    Ich liebe dich, deine Mama.


    Was bleibt ist ein Spagat zwischen Rationalität und Emotionalität. Wissenschaftliche Statistiken und Tränen. Körperlicher und seelischer Schmerz. Einer vergeht schneller als der andere. Und die Frage nach dem Warum stolziert ebenfalls erwartungsvoll durch den Raum. Obwohl sie genau weiß, dass es keine Antwort gibt, setzt sie sich mit an den Tisch bei Kaffee und Kuchen und will erörtert werden.

    Es gibt keine Schuld, keinen Grund bis auf die Tatsache, dass da jemand ein bisschen kräftig bei der Verteilung der Chromosomen geschüttelt hat und irgendwo was ganz gewaltig nicht zusammenpasste. Und doch bleibt es ein Ereignis, dass verarbeitet werden will und dass man sich im Leben nicht wünscht. Doch das Leben fragt einen manchmal nicht was man sich wünscht.

    Nun renne ich also rum und ehe überall Schwangere, frisch entbundene, Eltern mit Kinderwagen. In diesem Blitzlichtgewitter familiärer Bande empfinde ich ganz kurz ein starkes Gefühl von Ungerechtigkeit, fast hassähnlich. Das „Warum“ steht neben mir und zeigt unnachgiebig auf all die Szenen die man sonst nicht wahrnimmt. Aber ich vertraue darauf, dass sich auch dieses Gefühl legt, sobald man in der Lage ist mit dem Verlust umzugehen. Doch es wird dauern.
    Antwort
  • Kommentar vom 16.05.2021 16:50
    Hallo LadyDory

    ich habe deinen Text gelesen. Er geht sehr ans Herz.

    Es tut mir sehr Leid, dass auch du das erleben musstest ☹

    Man denkt in dem Moment man ist die einzige der das passiert. Doch es gibt so viele Frauen denen es leider passiert. Das ist sooo traurig.

    Ich selbst habe auch einige Male ähnliche Erfahrungen machen müssen und ja das ist schrecklich.

    Ich wünsche dir alles Gute, viel Kraft und eine hoffentlich bald eintretende schöne Schwangerschaft.

    Ganz liebe Grüße 😊

    Antwort

Auf diesen Beitrag antworten

Um auf diesen Beitrag antworten zu können, musst du angemeldet sein. Bitte melde dich hier an.


Unsere Partner
  • Holle
  • Weleda
  • Medela
  • Beutelsbacher
Aktuelles
 
Foren durchsuchen
Vornamen by babyclub.de

Die neusten Forenbeiträge
Neue Forenbeiträge aus den Monatsmamis

Weitere Beiträge
Beiträge von Mamis mit gleichem ET
Entbindungsmonat:


Zusammen Hibbeln: Mitglieder deren Mens-Beginn heute sein sollte
  • Übungszyklus: 4
    Ich warte noch...
  • Übungszyklus: 5
    Ich warte noch...
  • Übungszyklus: 2
    Ich warte noch...
  • Übungszyklus: 1
    Ich warte noch...
  • Übungszyklus: 4
    Ich warte noch...
  • Übungszyklus: 12
    Menstruation am 05.07.2021
  • Übungszyklus: 1
    Ich warte noch...
  • Übungszyklus: 7
    Ich warte noch...
  • Übungszyklus: 1
    Ich warte noch...
  • Übungszyklus: 3
    Menstruation am 15.07.2021

Zur Hibbelliste
Suche nach Mitgliedern