Themenbereich: Gesundheit

Emotionales Empfinden nach der Geburt

Anonym

Frage vom 05.03.2019

Hallo,

meine Tochter ist jetzt 14 Wochen alt und eigentlich sehr pflegeleicht. Ich liebe sie über alles und komme eigentlich soweit mit allem gut zurecht, auch das Stillen funktioniert sehr gut.

Dennoch machen mich die Hormone echt fertig. Ich bin zwar schon immer recht emotional, ich habe mich bereits vor der Schwangerschaft als hochsensibel bezeichnet, doch da habe ich mit der Zeit Techniken erlernt, um mich weitesgehend abgrenzen zu können.

Seit der Schwangerschaft fühle ich mich arg gebeutelt, habe mich da dank der Hilfe meiner Hebamme mit Bachblüten behelfen können. Seit der Geburt wird es zwar immer ein wenig besser, dennoch gibt es so Tage wie heute, wo ich extrem sensibel und aufgewühlt bin. Mir geht dann alles sehr nahe.

Meist wird das durch ein konkretes Ereignis oder eine Gedankenspirale ausgelöst. Mich nervt es bspw. extrem wie manche Leute so grenzüberschreitend sind, egal ob es sich um Familie oder auch Bekannte handelt, viele erwarten quasi einen regelmäßigen Besuch oder würden gerne zu uns nach Hause kommen. Obwohl ich verstehe, dass die Leute meine Tochter gerne haben und sie öfter sehen wollen, mag ich den Trubel einfach nicht.

Schon vor der Schwangerschaft war ich zwar gerne mal unter Leute, aber ebenso gerne für mich oder nur bei meinem Partner.
Jetzt fühle ich mich so "ausgeliefert", weil man mit Kind wohl unter Leute "muss".

Ich habe mich schon an meine Hebamme gewandt und die legte mir ans Herz, mich mal an meine Hausärtin zu wenden, um eine Wochenbettdepression ausschließen zu können. Ebenso sprach ich mit einer Psychotherapeutin. Beide meinten, es sei noch alles absolut im Rahmen und ich müsse quasi damit umgehen. Ich sei jetzt nun mal sensibler und emotionaler, das wäre ja gut, um bestmöglich die Bedürfnisse meines Babys eingehen zu können. Letztere stellte mich auch als "übervorsichtig" hin, weil ich mein Kind eben noch nicht jedem in die Arme geben will.

Dazu muss man wissen, ich habe keine Probleme bei meinen Eltern, einigen anderen aus meiner Herkunftsfamilie (nur bei denen, dir nicht so klammern und die Kleine am liebsten nicht wieder hergeben würden, da verschnürrt sich mein Innerstes), oder engen Freunden.
Anders sieht es bei meiner Schwiegerfamilie aus, ich hatte vor der Schwangerschaft eigentlich zu keinem einen engen Kontakt, weil diese dort auch recht kalt sind und einfach anders sind (es gab schon diverse Dinge, wie z.B. mangelnder Respekt weil mein Mann und somit ich auch noch als kleine Kinder angesehen werden, die Schwiegereltern sind sehr übergrifgig und möchten gerne im alles mit einbezogen werden und auch Sachen regeln, die nur und beide was angehen etc.). Meine Schwiegermutter krallte sich auch direkt das Kind und benahm sich, als wäre sie Mutter. Seitdem ist sie bei mir unten durch und das kann ich auch nicht ausblenden, mir wird es jedes Mal übel wenn ich nur etwas von ihr oder der gesamten Familie höre.
Ich komme mir vor wie eine Leihmutter, die ein Kind zur Welt gebracht hat und jetzt darf die Familie ran und entscheiden wie sie wollen.
Mein Mann hat schon mit seinen Eltern geredet, um die Übergriffigkeit ein wenig einzuschränken.
Prinzipiell ist er der gleichen Meinung wie ich, nur manchmal lässt er sich dann ein wenig "breitschlagen" und dann muss ich einschreiten, wenn unsere Grenzen erreicht sind.
So wollte mich einmal meine Schwiegermutter bei einem Besuch öfter belehren, wie ich was zu tun habe und ich habe ihr jedes Mal freundlich aber bestimmt gesagt, dass ich es eben so mache. Sie war dann regelrecht eingeschnappt und hatte gemeint, es sei IHR Enkelkind.
Für mich gilt: unsere Familie, unsere Regeln.
Sie und ihr Mann kommen gebürtig aus Russland und haben das Verständnis, sich in alles einzumischen und mit entscheiden zu dürfen. Zudem kommt, dass beide körperlich auch nicht mehr ganz so fit sind und der Mann scheinbar ein Alkoholproblem hat. Eigentlich sind beide in meinen Augen nicht mehr in der Lage, sich um ein Kleinkind zu kümmern. Meine Schwiegermutter denkt ja, sie dürfe einmal das Kind betreuen, dabei hat sie schon einen Krippenplatz.
Der Kontakt wurde auch sehr eingeschränkt und das stößt beiden sauer auf.

Mir geht es oft echt schlecht und ich habe das Gefühl, mich nimmt keiner richtig ernst bzw. tritt noch nach, weil ich doch schließlich anders sein soll.
Mir war das Ausmaß der Grenzüberschreitung und der Schutz, den ich betreiben muss, so nicht klar vorher. Durch das Gespräch mit der Therapeutin komme ich mir so vor, als ob ich mein Baby teilen soll, dabei bin ich doch die Mama und ich mag es nicht, dass sie bei Menschen ist, die ich nicht mag!
Ich möchte gerne stärker sein, fühle mich aber oft schwach und von dem ganzen Gedankenkarussell über das, was jetzt noch kommen kann, gerade von Seiten der Schwiegereltern, noch schwächer. Gefühlt versteht mich kaum wer und zieht und zerrt an mir, ich fühle mich da echt ausgelaugt und soll dabei doch funktionieren. Ich fühle mich unfrei und soll machen, was man von mir verlangt. Ich bin aber ein selbstbestimmter Mensch und will das doch bleiben!

Ich will einfach meine kleine Familie genießen und mir die Ruhe gönnen die ich brauche ohne schlechtes Gewissen! Was kann ich tun?

Antwort vom 08.03.2019

Hallo!
Sie äußern eine sehr typische Erkenntnis vieler junger Mütter: das Ausmaß dessen, was eine Mutter nach der Geburt ihres Kindes empfindet durch die Öffnung des Herzens und das Schutzbedürfnis, das sie entwickelt, ist vorher nicht klar. Hinzu kommen Hormone und das persönliche Erleben von Schwangerschaft und Geburt. Alles kann zu einem Gefühl des Überrollens, der Überforderung und der Schwierigkeit der Abgrenzung führen. Strategien, die vorher wirksam waren, nutzen nicht mehr in gleicher Weise. Bei Ihnen kommt hinzu, dass Sie mit kulturellen, hier russischen Familienstrukturen konfrontiert sind, wo Erziehung typischerweise generationenübergreifend stattfindet, sprich, es wird als selbstverständlich angesehen, dass die Großeltern Teil des Betreuungssystems sind. Wenn ich Sie richtig verstehe, kommen Sie aus einer Position der ständigen Verteidigung gerade gar nicht heraus, so dass Ihnen keine Kraft bleibt, Stärke zu gewinnen. Das bedeutet, dass Ihre Energie gerade in eine unwirksame Richtung verläuft. Der mühsamste Krafträuber ist jetzt derjenige der Verteidigung, was Sie aber brauchen ist die Energie, die entsteht, wenn Sie sich nur auf sich und Ihre aktuellen Bedürfnisse konzentrieren üben. Diesen echten Bedürfnissen nachzuspüren ist nach der Geburt nicht leicht. Manche Frauen machen es fest an dem Bedürfnis von körperlicher Wiederherstellung, manche von Austausch und Inanspruchnahme vorheriger Hobbies und Tätigkeiten, die ein gutes Gefühl vermitteln. Diese Dinge scheinen erst mal gar nichts mit dem eigentlichen Problem zu tun haben, aber genau das ist wichtig. Es ist hilfreicher, den Boden unter den Füßen zu suchen und nicht eine neue Verteidigungsstrategie. Es kann sein, dass Sie dazu wirklich eine zeitlich begrenzte Begleitung brauchen, insbesondere, wenn Sie in der Gefahr sind in der Isolation und in einem Gedankenkarussell zu verharren. Besprechen Sie die Dinge mit einer Fachperson, die Sie stärken kann ohne viel darüber diskutieren zu müssen, was Sie als richtig empfinden. Öffnung nach Außen, sprich auch zu den Großeltern, erfolgt dann meistens von alleine. Alles Gute, Inken Hesse, Hebamme

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