Themenbereich: Stillen allgemein

"demnächst voll berufstätig und Abstillen funktioniert nicht"

Anonym

Frage vom 07.09.2010

Hallo liebe Hebammen,

es geht um meine Tochter, jetzt 8 Monate alt und das Thema Beikost und Abstillen.
Wir haben ganz entspannt vor 3 Monaten angefangen mit Beikost da sie neugierig aufs Essen war
und ich auch genug Zeit haben wollte sie langsam tagsüber von der Brust zu entwöhnen u.a. auch
weil ich Ende des Jahres wieder Vollzeit arbeiten gehen werde.

Doch leider ist es nicht so verlaufen wie man es meistens empfohlen bekommt, denn sie war und ist
auch weiterhin neugierig aufs Essen aber über einige Löffel oder auch einige Bissen Fingerfood geht es nicht
hinaus. So habe ich am Anfang erst wie empfohlen nur einen Brei einführen wollen, doch nach einigen Wochen
in denen es von 1 Löffel bis 10 Löffel oder gar keinem Löffel pendelte beschloss ich die Lehrbücher wegzulegen
und einfach immer mal tagsüber was zu Essen anzubieten. So bekam sie schon ein Stückchen Zucchini z.B.
oder Fenchel, Brötchen,Banane, Pfirsisch, Birne usw. was sie auch immer angenommen hat aber nie mehr als 2-3
Bissen. Beim Brei eben einige Löffel vom Mittagsbrei ( verschiedene Sorten ) und auch vom Abendbrei nur
einige Löffel. Immer wenn ich dachte jetzt steigert es sich belehrte sie mich eines Besseren und wir haben
z.B. jetzt wieder eine Woche wo sie alles ablehnt. Und so ruhig ich es anging da sie ja generell offen war fürs Essen,
desto unentspannter werde ich langsamer da die Zeit bis ich arbeiten gehe genauso lange ist wie wir schon
am Essen rumprobieren und da bekomme ich Bauchweh weil ich nicht weiß wie das werden soll. Ich will nicht
darauf bauen dass sie vielleicht in ein paar Wochen doch ißt, weil das dachte ich auch vor 3 Monaten schon...

Also haben mein Partner und ich uns überlegt dass sie dann eben Pre-Milch bekommt weil ich auch nicht abpumpen
will sondern nach fast 8 Monaten stillen dann auch abstillen möchte. Das Gute ist dass
sie die Milch an sich nicht verweigert, doch da ist schon das nächste Problem - sie versteht nicht mit der Flasche umzugehen und kaut nur darauf rum, wir haben
schon verschiedene Sauger von verschiedenen Marken probiert, doch sie weiß einfach nicht was sie damit machen soll.
Also haben wir ihr die Milch im Becher gegeben weil sie auch immer Wasser aus dem Becher getrunken hat. Hier trinkt
sie ca. 50 ml aber es geht eben viel daneben weil sie ja nicht perfekt daraus trinken kann wie wir, zusätzlich trinkt sie sehr hastig
und natürlich mehr in ein paar Sekunden als sie aus der Flasche oder Brust trinken würde. Damit bin ich eigentlich nicht ganz
so zufrieden habe auch noch nie davon gehört dass Babys die abgestillt wurden ihre Milch aus dem Becher bekommen??
Spricht da was dagegen? Weiterhin trinkt sie zwar die Milch, versteht aber nicht dass das Nahrung sein soll, denn kaum
bekommt sie richtig Hunger ( habe die Milch immer kurz vorm eigentlichen Stillen gegeben ) stößt sie die Flasche weg
und weint bzw. brüllt richtig und dreht sich zu meiner Brust. Ich habe dann versucht zu stillen, die Brust rauszuziehen und
die Flasche zu geben weil manche das wohl so hinbekommen haben, aber keine Chance, sie brüllt wie am Spieß. Ich breche
dann nach 5 Minuten ab weil ich sie auch nicht unnötig quälen will. Auch haben wir schon versucht dass mein Partner ihr die Milch
gibt und ich rausgehe um die vier Ecken aber auch hier nur Gebrüll und Geschrei sodaß ich dann gleich heimkam und stillte.
Wir wissen langsam keinen Rat mehr, ist sie wirklich ein totales Stillbaby, sie kommt auch nachts meistens alle 2 Stunden und
das schon seit Monaten, die Nacht zum Stillen hätte ich aber beibehalten weil ich immer denke solange sie am Tag nicht mal
Beikost ißt braucht sie nachts noch die Kalorien, denn sie nuckelt nicht nur sondern trinkt wirklich viel, deshalb würde ich
sie nicht mit Wasser hinhalten wollen. Ich hoffe natürlich dass sich das auch mal irgendwann legt, evt.werde ich ihr abends dann
mal eine 1er Milch geben wenn ich arbeiten gehe.
Aber hierzu müssten wir erstmal wissen was wir tun können - muss es wirklich die "harte" Tour sein wie es soviele gemacht haben -also
Mutter geht weg, Vater bleibt beim Baby und muss sich das Weinen und Schreien anhören und immer wieder die Flasche anbieten?
Leider kann man es Babys ja nicht erklären - ich will ihr ja nicht die Brust komplett nehmen wie gesagt aber das weiß sie ja nicht in dem
Moment.
Haben Sie Tipps was wir machen können damit das mit der Flasche klappt und damit sie weiß dass das jetzt der Brust-Ersatz ist?
Auch dass sie versteht was sie mit der Flasche machen muss nicht nur darauf rumkauen?
Komplett den Tag mit Flasche durchziehen oder erst immer eine Tageszeit wie bei der Beikost und dann langsam steigern?
Auch in Anbetracht des nächtlichen Stillens - sind die Babys dann nicht verwirrt wenn sie am Tag die Flasche bekommen, nachts
aber an die Brust dürfen?Raten Sie vielleicht davon ab?

Danke und viele Grüße

Antwort vom 09.09.2010

Hallo!
Sie haben völlig Recht- für Erklärungsversuche oder auch nur annähernd logische Argumente mit Abmachungen ist Ihre Tochter einfach zu klein. Ausserdem möchte ich Ihnen sagen, dass Sie bisher alles ganz wunderbar und richtig gemacht haben mit Stillen und Einführung der Beikost, auch, wenn Ihre Tochter einfach etwas anders Schritt mit Ihnen hält. Sie und Ihr Kind werden von diesen Stillmonaten noch lange profitieren! Ich möchte Ihnen in erster Linie empfehlen, die LaLecheLiga an Ihrem Heimatort zu kontaktieren (Telefonnummern siehe Internet). Es geht darum, dass Sie von erfahrenden Müttern nochmals einen praktischen Rat vor Ort erhalten in dieser für Sie angespannten Situation. Ansonsten glaube ich, dass es sich lohnt, einfach kontinuierlich und erneut die Flasche anzubieten; ich bin mir sicher, dass Ihre Tochter irgendwann den Dreh raus haben wird. Es spricht aber auch nichts dagegen, die Milch aus einem Trinklernbecher zu geben, auch, wenn dann das Saugbedürfnis einfach nicht befriedigt wird (was Ihr Kind einfach noch hat und auch noch länger haben wird). Oft ist es einfacher, wenn der Vater oder eine andere Bezugsperson die Flasche anbietet. Manchmal lohnt es sicher aber, einfach mal alle Versuche abzubrechen und für einige Zeit den Dingen ihren Lauf zu lassen. Vielleicht tut es Ihnen auch gut, wenn Sie alle noch einmal bewusst miteinander wegfahren, bevor Sie wieder voll ins Berufsleben einsteigen. Dieser Wechsel geht sicher auch nicht spurlos an Ihnen vorüber und vielleicht ist eine „pure Genusszeit zu Dritt“ eine gute Idee, den Druck wegzunehmen (und bzgl. des Stillens: nie wieder wird es so einfach sein, Ihre Tochter mit den besten Inhaltsstoffen für ein Kind zu versorgen...). Eventuell finden Sie meine Antwort sehr unbefriedigend, aber bevor Sie, wie Sie erwähnen, es auf die „harte Tour“ probieren, lohnt es sich, nochmals Abstand zu gewissen. Und die Erfahrung zeigt, dass zeitlich noch viel möglich ist, weil auch die körperliche und motorische Entwicklung Ihres Kindes täglich voranschreitet. Und Ihrer letzten Frage: es ist leider nicht vorauszusehen, wie Ihre Tochter reagieren wird, wenn sie nachts an die Brust kann und tags die Flasche erhält. Viele Kinder (und viele Mütter auch), sind froh, wenn sie nachts die Nähe an der Brust geniessen können, aber es kommt sicher darauf an, wie Sie den Übergang gestalten können. Alles Gute, Inken Hesse, Hebamme

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