Themenbereich: Stillen

"Stillstreik mit knapp drei Monaten - was tun?"

Anonym

Frage vom 11.08.2011

Liebes Hebammenteam,

seit einigen Tagen haben meine Tochter (11 Wochen) und ich große Probleme beim Stillen. Bisher hat es eigentlich ganz gut geklappt, sie wird voll gestillt und hat bisher immer gut zugenommen. Bisher hat die Kleine tagsüber ca. alle 4 Studen getrunken, in der Nacht haben wir es zuletzt auf Intervalle von einmal 6 und dann meist nochmal 5 Studen gebracht. Seit 5 Tagen allerdings ist alles anders. Tagsüber lässt sie sich gar nicht oder nur für ein paar Schlucke anlegen, dann wird gebrüllt, sie wehrt sich heftig und lässt sich nur noch durch rumtragen beruhigen. Dabei ist es scheinbar nicht ausschlaggebend, ob die Milch rasch einschießt oder sie erst etwas saugen muss. Hat sie sich beruhigt, meldet sie weiter Hunger an indem sie an allem saugt, was in die Nähe ihres Mundes kommt und auch mehr weint. Erneutes Anlegen führt zum gleichen, schon beschriebenen Problem Außerdem hält sie tagsüber nun manchmal 5 bis 7 Stunden durch, ohne dass sie vor Hunger weint. In der Nacht klappt es mit dem Stillen wunderbar, sie trinkt anstandslos in 5-10 Minuten eine Brust leer, wird gewickelt und trinkt nochmals gut an der anderen Brust. Allerdings schläft sie in den letzten Tage nur noch 3 Stunden in der Nacht bis sie wieder vor Hunger aufwacht. Sobald es hell wird geht das Problem mit dem Anlegen wieder los. Gestern habe ich ihr nach zig Anlegeversuchen 40 ml abgepumpte Muttermilch angeboten die sie sofort getrunken hat. Danach konnte ich sie auch anlegen und sie hat eine Brust leer getrunken. Abends hat es mit dem Stillen dann erst geklappt nachdem sie vor Erschöpfung (vermutlich auch von unseren zahllosen Kämpfchen rund ums trinken) fast eingeschlafen ist. Dann konnte ich ihr (in einer für mich nicht besonders bequemen Position) die Brust anbieten und sie hat unglaubliche 200 ml getrunken (hab sie ausnahmsweise mal vorher und nachher gewogen, habe mittlerweile nämlich die Befürchtung, dass sie insgesamt zu wenig bekommt durch das Theater das sie immer macht).
Heute habe ich es wieder erst mit abgepumper Milch probiert, die hat sie getrunken und sich dann wieder anlegen lassen. Das Anlegen an die andere Brust hat sie allerdings wieder verweigert. Damit sie trotzdem genug bekommt habe ich die Milch abgepumpt und im Fläschchen gefüttert. Ich denke nämlich, dass dieser nächtliche 3 Stunden Rhythmus auch daher kommt, dass sie in der Nacht das nachholt, was sie tagsüber nicht trinkt.
Ansonsten macht sie einen fitten Eindruck, ist meist fröhlich und interessiert an allem was passiert. Die Windel ist regelmäßig feucht und der Stuhlgang selten wie immer.
Ich bin mittlerweile total am Ende, Stillen ist für uns beide purer Stress (zumindest tagsüber) und ich bekomme in der Nacht kaum Schlaf wegen des häufigen Hungers der kleinen Maus. Ich frage mich warum es in der Nacht so gut klappt und tagsüber gar nicht funktioniert. Kann ich Hoffnung haben, dass sich das ganze so schnell wieder legt wie es gekommen ist? Haben Sie einen Rat für uns? Und kann ich ohne Bedenken abgepumpte Milch mit dem Fläschchen füttern oder besteht die Gefahr, dass sie sich dann daran gewöhnt und es mit dem Stillen gar nicht mehr klappt? Ich möchte so gerne weiterhin stillen.
Für eine rasche Antwort wäre ich sehr dankbar, bin echt verzweifelt.

Liebe Grüße
Nadine L.

Antwort vom 14.08.2011

Hallo!
So schwer es klingt, aber Sie werden die Ruhe bewahren müssen und durchatmen. Ich möchte Ihnen folgendes empfehlen: Sie sollten Ihr Kind nicht an die Brust „zwingen“, das macht die Situation meist nur schlimmer. Wenn sie gerade am ehesten im Schlaf oder im „Beinahe-Schlaf“ trinkt, dass lassen Sie das einfach zu. Möglicherweise hilft das Stillen im Gehen oder Stehen. Geniessen Sie viel Haut-an-Haut Kontakt, vielleicht hilft auch ein gemeinsames Bad. Sie sagen, dass Ihre Tochter tagsüber über 5-7 Stunden „durchhält“ ohne Stillen. Ich empfehle Ihnen, sie genau zu beobachten und noch vor dem Hungerzeichen Schreien an die Brust zu nehmen. Wenn Sie sie stillen, dann stellen Sie sich eine entspannende, beruhigende Situation vor, das legt sich auf Ihre ganze Erwartungshaltung. Ich vermute nämlich, dass Ihr Kind bei so langen Pausen eher überreizt und absolut hungrig ist. Insbesondere, wenn sie in der Zeit auch keine längeren Erholungs- und Schlafphasen hat, sollten Sie sie in regelmässigen ca. 11/2-2 stündigen Abständen in den Schlaf geleiten. Vor dem Schlaf, nach dem Schlaf beobachten, ob sie nicht zum Stillen bereit ist. Wenn sie nicht will, dann einfach wieder aus der Stillposition herausnehmen. Hat sich bei Ihnen familiär etwas geändert, besondere Ereignisse oder Veränderungen für Sie und Ihr Kind? Alle Kinder spüren das und die Dinge werden für Sie beide natürlich tagsüber wieder presenter. Übrigens haben viele Kinder in dem Alter von 3 Monaten diese anstrengende Phase. Meistens vergeht sie wieder von ganz alleine. Und ja, natürlich können Sie Ihr die Muttermilch mit der Flasche geben. In diesem Alter bringt das die Säuglinge nicht mehr durcheinander.

Alles Gute, Inken Hesse, Hebamme

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