Themenbereich: Vorsorgeuntersuchungen

"Warum wird der AFP-Wert bei mir gemessen?"

Anonym

Frage vom 04.09.2016

Hallo,

Ich war am Donnerstag beim Frauenarzt beim Ultraschall. Da dachte ich, das mit meinem Baby alles Okay ist. Er hat im Behandlungszimmer nichts weiteres gesagt. Ich bin in der 16 Ssw. Dann kam ich raus und dann sagte er zu seiner Sprechstundenhilfe, das sie Blut abnehmen soll wegen AFP. Dann war ich schon verwirrt. Okay während die Arzthelferin mir Blut abnahm, fragte ich sie warum? Dann sagte sie nur kurz das zahlt die Kasse, man wäre blöd wenn man das nicht macht. Jetzt am Wochenende habe ich im Internet gelesen die Aok zahlt nur bei Verdacht auf offenem Rücken. Jetzt habe ich Panik das mein Baby krank ist. Ich bin nur am heulen, weil man gar nichts zu mir sagte. Ich wollte eigentlich auch nie so eine Untersuchung machen lassen. Vielleicht wissen Sie ob das eine Kassenleistung ist und warum man mich einfach ohne Aufklärung so stehen lässt. Wenn mein Baby krank wäre hätte der Arzt mich doch aufklären müssen? Hoffentlich bekomme ich von Ihnen eine Antwort! Mir geht es total schlecht

Antwort vom 05.09.2016

Hallo, alle Untersuchungen, bei denen nach einer Fehlbildung des Kindes gesucht wird, dürfen nur nach einer Aufklärung und nach Einwilligung der Frau durchgeführt werden. Leider kommt es immer wieder vor, dass solche Tests gemacht werden ohne vorher darüber zu reden und vor allem ohne dass die Frau dies eigentlich wünscht. Die Formulierung der Sprechstundenhilfe lässt vermuten, dass in der Praxis davon ausgegegangen wird der Frau einen Gefallen zu tun, wenn der eigentlich kostenpflichtige Test "umsonst" durchgeführt wird. Wer den Test nicht durchführen lässt, ist keinesfalls "blöd", sondern es gibt gute Gründe darauf zu verzichten.
Vor nicht allzu langer Zeit gehörte er zu einer Art Routine. Der routinemäßigen Messung wurde aus gutem Grund ein Riegel vorgeschoben, weil der Wert alleine wenig aussagt, er eine hohe Fehlerqoute aufweist und damit zu Folgeuntersuchungen und starker Beunruhigung der Frauen führt, obwohl sich hinterher in einem hohen Prozentsatz rausstellt, dass alles in Ordnung ist.
Problematisch ist besonders, dass mit dem Ergebnis des Tests nur Wahrscheinlichkeiten errechnet werden. Außer dem Ergebnis des Tests fließen noch das Alter der Frau, Gewicht, Rauchverhalten, Alter der Schwangerschaft und anderes mit in die Berechnung ein.
"Festgestellt" wird damit gar nichts, sondern es gibt so Aussagen wie "Ihr Risiko ist erhöht, weil statt 1:500 (natürliches Vorkommen) 1:368 berechnet wurde. Das hilft einfach gar nicht. Die Frau hätte EIN behindertes Kind, wenn Sie entweder 368 oder 500 Jahre lang jedes Jahr ein Kind bekäme.
Beides ist unvorstellbar und daher als Entscheidungsgrundlage für weitere Untersuchungen wenig hilfreich für die Frau.
Hätte Ihr Arzt tatsächlich etwas gesehen, was auf einen offenen Rücken hinweist, hätte er eher eine Überweisung zum Ultraschall-Spezialisten ausgestellt, da dies bei einem begründeten Verdacht viel aussagefähiger ist, als eine AFP-Bestimmung. Dort wäre entweder ein "offener Rücken" zu sehen oder nicht (Dafür gibt es die Möglichkeit anderer unklarer Befunde)..
Ich kann leider über die Beweggründe Ihres Arztes nur spekulieren. Antworten auf Ihre Fragen kann Ihnen nur Ihr Arzt geben. Um sich nicht weiter zu sorgen, kann ich Ihnen daher nur empfehlen in der Praxis anzurufen und zu fragen, ob etwas auffälliges im Ultraschall gesehen wurde.
Bitte sagen Sie Ihrem Arzt deutlich, dass Sie in Zukunft VOR einem Test informiert werden möchten und überlegen Sie sich gut, was Sie tatsächlich testen lassen. Von einem isolierten AFP-Test würde ich abraten. Jede Schwangere hat die Möglichkeit sich durch eine unabhängige Schwangerenberatungsstelle kostenlos in einem ausführlichen Gespräch beraten zu lassen, um zu entscheiden, ob Sie Pränataldiagnostik in Anspruch nehmen möchte und welche Untersuchungen überhaupt gewünscht sind. Jeder Arzt ist verpflichtet auf diese Möglichkeit hinzuweisen. Ich kann Ihnen nur empfehlen dies in Anspruch zu nehmen, wenn der AFP-Wert eine Abweichung aufzeigen sollte, bevor Sie sich in die Mühlen weiterführender Diagnostik begeben.
Ich wünsche Ihnen alles Gute, Monika Selow

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