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Themenbereich: Fehlgeburt

Muss bei einer Fehlgeburt eine Ausschabung gemacht werden ?

Anonym

Frage vom 11.12.2012

Liebes Hebammenteam,
erstens, vielen Dank, dass sie hier so vielen Fraunen mit Ratschlägen helfen! In manchen Situationen fühlt man sich sehr allein gelassen, dann ist es schön, wenn man so eine Seite findet.

Nun zu meiner Frage. Letzten Donnerstag ist bei mir eine Missed Abortion in 9+1 festgestellt worden. Es war ein Schock für mich, da ich (30 Jahre) bereits zwei komplikationsfreie Schwangerschaften mit jeweils ambulanten Spontangeburten ausgetragen habe. Dieses dritte Kind war sehr gewünscht. Die ganze Familie freute sich darauf. Jedenfalls hat die Diagnose mich so unvorbereitet hart getroffen, dass ich nicht in der Lage war, irgendwas zu erwidern, als die FÄ mir sagte, dass ich um eine Ausschabung in diesem Stadium der Schwangerschaft nicht drumherum kommen werde. Sie wollte mir einen Termin am besten gleich für den nächsten Tag geben, und ich hätte in meinere Hilflosigkeit zugestimmt, wenn mir nicht ein wichtiger Termin in den Sinn gekommen wäre. Also wurde die Ausschabung auf den kommenden Freitag gesetzt.
Doch obwohl ich den Termin schon habe, widerstrebt mir alles, diesen unnatürlichen Eingriff machen zu lassen. Gestern war ich bei einer anderen Frauenärztin, die die Diagnose bestätigte und mir ebenfalls zu einer Ausschabung riet. Als ich sagte, dass ich mich lieber über die Alternative, also das Abwarten, beraten lassen würde, sah sie mich an, als wäre ich geistig gestort. Es gäbe aus ihrer Sicht keine Alternative zu einer Ausschabung. Ich, eine zweifache Mutter, könne doch nicht so verantworungslos mit meinem Leben umgegen und die Sache dem Glück überlassen! Und vor allem konnte sie nicht verstehen, "warum ich mir das antun will", da die Ausschabung ein winziger, sicherer und kurzer Routineeingriff ist.
Warum will ich auf die Bequemlichkeit einer Ausschabung zugunsten eines langwierigen, gefährlichen und unvorhersehbaren Prozesses verzichten?
Weil ich großes Vertrauen in die Fähigkeiten meines Körpers habe und ihn nicht von vornherein entmündigen will, ohne ihm eine Chance zu geben, es auf seine Art zu regeln. Mir ist bewusst, dass eine Notausschabung trotzdem notwendig werden könnte. Doch so von Vornherein auszuschaben ist für mich so, als würde man sich für einen Kaiserschnitt entscheiden, nur weil eine Geburt immer unvorhersehbare Risiken mit sich bringen könnte. Denn auch, wenn die natürliche Fehlgeburt viel länger dauert und ich dabei wahrscheinlich mehr Blut verlieren und Schmerzen haben werde, so ist dieser Weg für den Körper bestimmt der Sanftere, als mit scharfkantigen, metalischen Gegenständen ausgeschabt zu werden. Und zum anderen ist da noch die seelische Komponente. Auch, wenn mein Baby tot ist, widerstrebt mir die Vorstellung, es wie einen Krebstumor rauszuoperieren, anstatt es von meinem Körper auf natürlichem Weg zu verabschieden.
Für diese Argumente hatte die FÄ kein Verständnis. Sie sagte nur, sie würde es meiner Stelle so schnell und sicher wie möglich hinter sich bringen wollen.
Dann habe ich sie gefragt, wie lange man denn überhaupt waren kann, bevor es zu bedenklich wird. Sie wusste es nicht, weil sie angeblich vor mir noch nie eine Frau beraten hatte, die es nicht so schnell wie möglich ausschaben wollte, und meinte wieder, ein totes Embryo in meinem Körper birngt große Gefahr der Entzündung mit sich und, wenn ich vernünftig bin, werde ich am Freitag meinen OP-Termin wahrnehmen. Sie würde mich jedenfalls nicht zu meinem "Alternativweg" beraten, das wäre ihr viel zu heikel, und ich könne es vergessen, dass mir irgendein anderer Artzt etwas anderes sagt.

Nun fühle ich mich total unter Druck gesetzt und allein gelassen. Mein Mann hält zwar zu mir und ist auch prinzipiell für den natürlichen Weg, doch ich spüre, dass er nach dem Besuch der FÄ sehr verunsichert ist. Eine Ausschabung widerstrebt mir nach wie vor, doch dazu mischen sich jetzt die Fragen:

Riskiere ich wirklich mein Leben, indem ich abwarte?
Wie lange kann ich meinem Körper geben, um es selbst zu tun?
Woran kann ich erkennen, dass etwas schief läuft und das tote Baby z.B. zu verfaulen anfängt oder was auch immer das Risiko des Abwartens darstellt?
Kann ich etwas machen, um den Abgang auszulösen? Helfen da die Tipps für Frauen, die nach dem errechneten Entbindungstermin noch immer keine Wehen haben und nachhelfen wollen? Sowas wie heißes Bad nehmen, Rizinusöl trinken usw.?

Vielen Dank im Voraus!
Liebe Grüße,
Irina

Antwort vom 12.12.2012

Hallo,
leider sind beide Ihre Ärztinnen nicht so ganz auf dem neuesten Stand. Ja, eine spontane Fehlgeburt birgt Risiken. Eine Ausschabung birgt jedoch auch Risiken, nur sind das eben andere. Unter folgendem Link finden Sie einen Artikel, der alles ganz gut zusammen fasst:

http://www.zeit.de/2012/24/M-Fehlgeburten

Es gibt sehr wohl Ärzte, die eine natürliche Fehlgeburt begleiten, wenn eine Frau das wünscht und Sie haben auch ein Recht darauf über Alternativen zur Ausschabung beraten zu werden.
Vielleicht finden Sie auch bei sich in der Nähe eine Hebamme, die Sie betreut. Anspruch auf Hebammenhilfe besteht auch vor, bei und nach Fehlgeburt und Sie können individuell angepasst an die Situation Ratschläge erhalten.
Eine natürliche Fehlgeburt setzt normalerweise ein, wenn der HCG- Wert absinkt und Ihr Körper "merkt" dass die Schwangerschaft nicht mehr intakt ist. Das kann mehrere Wochen dauern und häufig setzt die Fehlgeburt in dem Zeitraum ein, in dem ohne Schwangerschaft die Periode gewesen wäre. Leider hat Ihnen anscheinend keine der beiden Ärztinnen gesagt wann ca. das Kind aufgehört hat zu wachsen, so dass jetzt gar nicht bekannt ist, ob das Kind erst vor Kurzem oder schon länger verstorben ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas "verfault" ist nur gegeben, wenn eine beginnende Fehlgeburt nicht komplett abgestoßen wird, also z.B., wenn die Fruchtblase gesprungen ist und in absehbarer Zeit die FG nicht einsetzt. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Infektion, die Sie durch die üblichen Infektionszeichen merken würden (Fieber, allgemeines Infektionsgefühl). Die meisten Fehlgeburten verlaufen ganz problemlos. In vielen anderen Ländern wird die routinemäßige Ausschabung überhaupt nicht gemacht, sondern nur bei medizinischer Dringlichkeit (z.B. sehr starken Blutungen, Verbleiben der Plazenta).
Sie können sich vorsorglich in der Apotheke ein Blutstillendes Mittel besorgen (Tinktur aus- Hirtentäschelkraut, z.B. Styptysat). Ansonsten würde ich Ihnen empfehlen erst mal ein Paar Tage gar nichts zu machen und die traurige Nachricht zu verarbeiten. Es ist etwas schwierig konkrete Empfehlungen zur Beschleunigung einer Fehlgeburt übers Internet zu senden, da individuell unterschiedliche Vorgehensweisen zu empfehlen sind.
Lassen Sie sich zu nichts drängen von dem Sie nicht überzeugt sind, das Richtige zu tun. Akut besteht keine Notwendigkeit für einen Eingriff und Sie werden selbst merken, wenn Abwarten für Sie sich nicht mehr richtig anfühlt. Optimal wäre eine fachliche Unterstützung. Wenn Sie bei den anderen Kindern eine Hebamme hatten, wäre diese eine gute Ansprechpartnerin. Ansonsten finden Sie evtl. eine über unsere Suchmaschine bei Babyclub.
Ich wünsche Ihnen alles Gute, Monika Selow, Hebamme

34
Laddiny
Gelegenheitsclubber (3 Posts)
Kommentar vom 20.12.2012 16:34
Abrasio
Ich hatte ein Abortivei mit Blasenmolen/ missed Abortion.

Hätte ich die Abrasio nicht machen lassen , hätte ich schwere Entzündungen bekommen.
Ich war in der Medizinischen Hochschule Hannover und bin froh das ich dort war.
Ein Abortiv Ei auf "natürlichen Wege" zu bekommen wäre für mich unerträglich gewesen und sowas kann auch gefährlich sein.
Die OP dauert nur 15min und mir geht jetzt nach 12 Tagen wieder relativ gut auch seelisch.
Kommentar vom 21.12.2012 15:54
Ausschabung oder nicht
Hallo, bei einer Blasenmole ist eine Ausschabung auch sinnvoller als abwarten, weil da eine ganz andere Situation vorliegt als bei einer "normalen" Fehlgeburt. Oft setzt da von alleine keine Fehlgeburt ein, weil bei einer Blasenmole die HCG- Werte sehr hoch sind und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Blasenmole nicht vollständig abgeht. Das Abzuwarten würde ich auch nicht empfehlen.
Es geht bei allem aber immer darum, dass eine genaue Information zu den Möglichkeiten stattfindet, so dass die Frau dann selbst entscheiden kann welchen Weg sie gehen möchte. Manche möchten so schnell wie möglich eine Ausschabung, andere brauchen den Prozess des Loslassens und wieder andere möchten einfach keine Operation, wenn sie nicht unbedingt nötig ist.
Gänzlich gegen eine Ausschabung bin ich immer dann, wenn eben noch gar nicht zu 100% sicher ist, dass die Schwangerschaft nicht intakt ist und keine Hoffnung mehr besteht.
Lg, Monika Selow, Hebamme
Laddiny
Gelegenheitsclubber (3 Posts)
Kommentar vom 21.12.2012 17:38
re
Bei mir war es leider so ich habe immer wieder Ultraschall machen lassen und konkret nachgefragt. Ich hätte dein Eingriff niemals übereilt gemacht, dies sollte keine Frau tun.
Laddiny
Gelegenheitsclubber (3 Posts)
Kommentar vom 21.12.2012 17:38
re
Bei mir war es leider so ich habe immer wieder Ultraschall machen lassen und konkret nachgefragt. Ich hätte dein Eingriff niemals übereilt gemacht, dies sollte keine Frau tun.
mamiloulou
Gelegenheitsclubber (0 Posts)
Kommentar vom 13.10.2018 21:40
18ssw totes kind geboren will keine ausschabung artzte wollen mich fast zwingen Hiiiilfe!!!!
Ich kann nicht mehr ich hab mein 5 Kind tot geboren gestern und seitdem ich zur Ausschabung nein gesagt habe sind alle im krankenhaus fast alle unfreundlich aggresiv und kalt und keiner unterstützt mich beim Natürlichen vorgang:( ich weiss nicht wieviel Blutverlust normal ist und welche mefikamente akupunktur homopathie oder tees ich nehmen kann bin fertig mit dir welt hiiilfe
Danny-1988
Gelegenheitsclubber (0 Posts)
Kommentar vom 22.03.2019 13:16
Nach Fehlgeburt Ausschabung ablehnen
Hallo zusammen!
Ich bin 30 Jahre alt und hatte im Juni 2018 eine Eileiterschwangerschaft und am 11.3.19 eine FG in der 7 Ssw! Leider fällt mein hcg wert nicht so wie er soll und heute wurde in der GM noch ,, Reste“ gefunden! Meine FA gibt jetzt noch bis Anfang April die Chance, den Rest alleine zu schaffen, rät aber zur Ausschabung! Ich bin absolut dagegen, weil ich finde, das in einer so frühen ss das der Körper alleine regelt und ich nicht schon wieder eine OP möchte! Mir wurde letztes Jahr ein Eileiter entfernt und jetzt habe ich Angst, dass durch die Ausschabung noch mehr,, kaputt „ geht! Laut meiner FA gibt es keine Mittel usw. Die die Blutungen anregen oder ähnliches... was soll ich machen???
Kommentar vom 23.03.2019 00:38
Ablehnung der Ausschabung
Hallo, Sie alleine können eine Entscheidung über das Vorgehen treffen. Alle anderen können Ihnen höchstens etwas empfehlen. Die "Chance", die Ihnen Ihre Ärztin gibt, ist also auch lediglich eine Empfehlung. Bis Sie sich wieder entscheiden müssen, ist allerdings noch etwas Zeit und bis dahin auch eine andere Situation, so dass Sie sich erst dann ein neues Bild machen können.
Es gibt durchaus auch die Möglichkeit des medikamentösen Vorgehens. Ziemlich gut erprobt ist das Mittel Cytotec, das aber dafür nicht zugelassen ist. Sie könnten diese Alternative aber in einer Klinik besprechen, wenn Sie denn dort wären.
Dann gibt es noch eine neuere Studie, bei der Frauen, die eine Ausschabung bei "Resten" abgelehnt haben für drei Wochen die Pille gegeben wurde, um nach dem Absetzen eine Abbruchblutung auszulösen. Bei den meisten Frauen war dies erfolgreich. Die Studie war zu klein, um daraus Rückschlüsse zu ziehen, die für alle Frauen gültig sind, aber sie zeigt zumindest, dass eine Ausschabung nicht der einzige Weg ist. Sie finden die Studie unter folgendem Link:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29345165
(leider in Englisch)
Leider kenne ich weder den HCG-Verlauf, noch weiß ich, was die Ärztin an "Resten" gesehen hat. Sie können sich auch mit einer Hebamme vor Ort in Verbindung setzen, die Sie individuell beraten und je nach Situation auch noch anders unterstützen kann als es übers Internet möglich ist. Die Kosten hierfür werden von den Krankenkassen übernommen.
Ich wünsche Ihnen alles Gute, Monika Selow
Danny-1988
Gelegenheitsclubber (0 Posts)
Kommentar vom 23.03.2019 07:38
Re
Der HCG Wert lag am 11.3 bei über 1000 und am Mittwoch noch bei über 300! Es ist noch der deutlich kleinere Fruchtsack zu sehen und Dottersackanteile! Beim letzten US vor der FG war der Fötus keine 1,5 cm groß! Meine FA sagt, es gibt keine Alternative zur Ausschabung und ich fühle mich wirklich ein bisschen gedrängt zur OP! Danke für die Antwort
Kommentar vom 23.03.2019 13:48
Re Re
Hallo,
es ist etwas ungewöhnlich, dass in der frühen Woche der Embryo weg ist, aber die Fruchtblase und Dottersack noch da. Bei einem 1,5 cm Embryo ist der Dottersack eigentlich auch nicht mehr sichtbar und er wächst ja nicht nach. Passt irgendwie nicht so richtig zusammen. Wie dem auch sei...
Normalerweise kommt die Fruchtblase auf einmal mit allem. Hatten Sie denn eine Blutung? Der HCG-Wert ist jedenfalls deutlich gefallen und wahrscheinlich wird es nicht mehr so lange dauern bis Ihr Körper merkt, dass die Schwangerschaft nicht mehr intakt ist. Nach vier Wochen sind es ca. 85% der nicht intakten Schwangerschaften, die von alleine abgegangen sind. Länger ist dies nicht systematisch beobachtet worden, aber es gibt auch Frauen, die noch deutlich länger gewartet haben und eine unkomplizierte FG hatten. Je nach Situation würde ich aber empfehlen dann medikamentös anzustupsen. Beobachtet werden sollte, ob es Infektionsanzeichen gibt und was genau möglich und sinnvoll ist, muss individuell und persönlich besprochen werden. Alles Gute!

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