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Themenbereich: Vorsorgeuntersuchungen

Soll ich pränatale Diagnostik durchführen lassen?

Anonym

Frage vom 06.12.2018

Guten Tag zusammen,
Ich bin momentan in der 12. Schwangerschaftswoche, am 17.12.18 habe ich einen Termin zum Ersttrimesterscreening und Nackenfaltentransparenzmessung vereinbart.
Am 8.11.18 war ich das letzte mal beim Frauenarzt und für mich und meinen Mann stand fest das wir die beiden Untersuchungen machen lassen.
Am 4.12.18 waren wir bei einem Gespräch mit einer Hebamme, bei diesem Gespräch kam heraus das wir uns das mit den Untersuchungen gut überlegen sollten, da es häufig zu Fehleinschätzungen kommt und es nur eine Berechnungsmethode ist und keine Diagnose.
Da unser Arzt uns natürlich zu der Untersuchung geraten hat, stehen wir jetzt zwischen den Stühlen und wissen nicht ob wir die Untersuchung machen soll oder nicht. Einerseits wäre eine Bestätigung das alles in Ordnung ist gut für uns, andererseits möchten wir uns nicht beunruhigen und stressen lassen, falls doch etwas nicht stimmt.
Nun würde ich gerne über dieses Forum eine weitere Meinung einholen.
Ich weiß das es im Endeffekt unsere Entscheidung ist, aber eine zusätzlich Einschätzung wäre vielleicht hilfreich.
Zu unserer gesundheitsgeschichte:
Ich bin 27 Jahre alt, mein Mann ist 28 Jahre alt
Es gibt keine Behinderungen oder fehlbildungen in unseren Familien.
Ich danke Ihnen schon mal für Ihre Antwort.
Mit freundlichen Grüßen

Antwort vom 09.12.2018

Hallo,

ihr Arzt hätte Sie eigentlich ausführlich darüber aufklären müssen, welche Möglichkeiten die Tests bieten und welche Risiken und Unsicherheiten damit verbunden sind. Wie Sie selbst schon festgestellt haben, haben Sie die Bürde, dass Sie letztendlich alleine entscheiden müssen, ob Sie Tests zur pränatalen Diagnostik in Anspruch nehmen wollen oder darauf verzichten.
Es ist richtig, dass beide Tests keine Diagnose ermöglichen, sondern dass lediglich ein errechnetes Risiko als Ergebnis zu erwarten ist. Mit den Tests werden nur bestimmte Anomalien genetischer Natur erfasst. Die meisten Behinderungen lassen sich damit nicht untersuchen.
Bei auffälligem Ergebnis folgen weitere Tests. Das Warten auf deren Durchführung und die Ergebnisse wird von den Eltern meist als sehr belastend erlebt, zumal die zu treffenden Entscheidungen im weiteren Verlauf eher schwieriger werden, als die zur Nackenfaltenmessung und zum Ersttrimester-Sceening.
Was ist als Ergebnis zu erwarten? Sie haben ein bestimmtes statistisches Risiko ein Kind mit einem Downsyndrom zu bekommen. In Ihrer Altersklasse ist das mit 1 zu 1100 ziemlich gering. Als "schlechtes" Ergebnis könnten die Berechnungen durch die Tests beispielsweise einen Wert von 1:270 ergeben. Damit klingt es erst mal dramatisch, da es ein fünf mal so hohes Risiko darstellt, als es Ihrer Altersklasse entsprechen würde. Konkret bedeutet es aber auch, dass wenn Sie 270 Jahre jedes Jahr ein Kind bekämen, wäre eines mit Downsyndrom dabei. Ob es das erste oder das letzte wäre, kann Ihnen durch die Tests noch niemand sagen.
Auf Basis dieses Ergebnisses müssten Sie sich dann entscheiden, ob Sie weitere Tests durchführen lassen wollen.
Von 100 Frauen, deren Testergebnis auffällig ist, bekommen 96 ein gesundes Kind, nachdem sie eine Zeit der Verunsicherung durchlebt haben. Umgekehrt werden 10 von 100 Chromosomenabweichungen durch diese ersten Tests nicht erkannt.
Es ist übers Internet nicht möglich eine persönliche Einschätzung zu geben. Zuverlässige und unabhängige Informationen finden Sie auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter dem Link:
https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/praenataldiagnostik/risikoeinschaetzungen/#c59995

Unterstützung zur eigenen Entscheidungsfindung finden Sie in Schwangerenberatungsstellen, die kostenlos informieren und beraten. Es ist besser dieses Beratungsangebot bereits vor den ersten Tests zur Pränataldiagnostik in Anspruch zu nehmen, als erst wenn weitere Entscheidungen anstehen. Sie finden die Stellen indem Sie die Begriffe "Schwangerenberatungsstelle" und Ihre Stadt oder Ihren Landkreis in einer Suchmaschine im Internet eingeben.
Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft werden Ihnen sicherlich noch viele weitere IGeL-Leistungen angeboten. Bei manchen Ärzten können sich die Kosten dafür insgesamt auf mehrere Hundert-Euro summieren.
Meine Meinung zu den Angeboten der Medizin im allgemeinen ist, dass die Kosten für alles was sinnvoll und angemessen ist, von den Krankenkassen übernommen werden. Dies betrifft zum Beispiel alle Maßnahmen im Rahmen der Schwangerenvorsorge.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche kostenpflichtige Angebote im Gesundheitswesen (IGeL-Leistungen). Sie werden von den Kassen nicht (oder nur in begründeten Einzelfällen) übernommen, weil ihr Nutzen nicht belegt ist oder weil die damit verbundenen Risiken gegenüber dem Nutzen zweifelhaft sind.
Siehe dazu auch:
https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/schwangerschaftsvorsorge/igel-individuelle-gesundheitsleistungen/#c2222
Wenn mir ein Arzt/eine Ärztin eine IGeL-Leistung anbietet, nehme ich sie nur in Anspruch, wenn mir schlüssig erklärt wird, warum diese Leistung für mich persönlich wichtiger sein könnte, als für alle anderen Versicherten. Das ist aber meine eigene persönliche Vorgehensweise. Es gibt viele Menschen, die fühlen sich sicherer, wenn sie alles in Anspruch nehmen, was möglich ist.
Letztendlich zählt, mit was man sich selbst besser fühlt.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit, Monika Selow

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