Themenbereich: Kinderwunsch allgemein

"unterschieliche Aussagen zum Warten nach Fehlgeburt"

Anonym

Frage vom 13.03.2005

Also muß man nicht unbedingt 2-3 Monate warten.?????(nach einer Fehlgeburt) Warum sagen die Frauenärzte dann mal dies und das???

Antwort vom 14.03.2005

Hallo, Hebammen und Frauenärzte sind ebenso wie die Berufsgruppen in sich nicht immer der gleichen Meinung. Je nachdem aus welcher Perspektive eine Empfehlung betrachtet wird, gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Sie "müssen" gar nichts, sondern es ist Ihre freie Entscheidung ob und welcher Empfehlung Sie sich anschließen. Es gibt eine biologische und eine psychische Komponente. Beide sind individuell sehr verschieden. Biologisch: Nach einer Fehlgeburt dauert es meistens eine gewisse Weile, bis sich wieder ein Eisprung einstellt und die Gebärmutter wieder empfangsbereit ist. Eine willentliche Beschränkung oder Förderung ist weder möglich noch sinnvoll. Wenn Sie noch nicht wieder schwanger werden, ist es auch noch nicht soweit, egal ob es nun 2 oder 5 Monate dauert. Man könnte also sagen, wenn Sie schwanger werden sollten, dann waren die biologischen Bedingungen anscheinend auch erfüllt. Aktiv Eingreifen (zB. durch Hormongabe) sollte man aber nicht.
Psychisch: Eine Fehlgeburt ist ein schmerzliches und trauriges Ereignis, das erst mal verarbeitet werden will. Vielen Frauen ist direkt nach einer Fehlgeburt weder nach Verkehr noch nach erneuter Schwangerschaft zumute. Bei rasch einsetzender Folgeschwangerschaft besteht die Gefahr, dass in den ersten Monaten sehr viel Angst vorherrscht, dass es wieder zu einer Fehlgeburt kommen könnte. Diese Angst trübt die Freude aufs neue Kind und führt dazu, dass frühe und häufige Untersuchungen in Anspruch genommen werden, deren vage Ergebnisse wiederum verunsichern statt die gewünschte Bestätigung "es ist alles in Ordnung" zu bringen. Wie lange aus diesen Gründen gewartet werden sollte, ist individuell sehr verschieden. Auch andere Punkte spielen hier eine Rolle: Angst "zu alt" zu werden, Einstellung des Partners, allgemeine Problemlösungsstrategien usw. Hier stellt sich die Frage, wer am Besten in der Lage ist zu beurteilen, wann der gute Zeitpunkt für eine erneute Schwangerschaft ist. Meiner Meinung nach kann das nur die Frau selbst. Ich empfehle sich nicht unter Druck zu setzen oder setzen zu lassen und tendenziell meine ich, dass eine Frau umso schneller eine erneute Schwangerschaft angehen kann, desto besser sie die Fehlgeburt annehmen kann, als Ereignis das vorkommen kann, aber nicht zwangsläufig wieder vorkommen muss.
Für diejenigen, die Beratungen zu dem Thema durchführen gibt es einen zusätzlichen Aspekt: Mit der Frau herausfinden was individuell für sie empfehlenswert ist und Ihr so bei der Verarbeitung zu helfen, braucht Zeit. Was dabei herauskommt, stimmt nur für diese Frau. Einen "Mittelwert" zu nehmen und den allen empfehlen geht schnell. Ich wäre also mit meiner Antwort schneller, wenn ich jetzt nur geschrieben hätte "warten Sie 3 Monate". Individuell paßt der Mittelwert aber nicht und läßt andere Fragen folgen: "Was ist, wenn ich vorher ungewollt schwanger werden sollte?" "Muss ich verhüten und wie?" "Ist es normal, wenn ich nach 3 Monaten noch nicht will oder kann?" und vor allen Dingen "warum gerade 3 Monate?"
Wenn ich die erste Frage nach dem "Warten müssen" einfach beantworte, fehlen mir befriedigende Antworten für die Folgefragen. Es hat nämlich keine Konsequenz, wenn eine Frau früher schwanger wird, ich finde es widersinnig bei Kinderwunsch zu verhüten und ich finde die Entscheidungen die Frauen aus dem Bauch heraus selbst treffen oft besser und förderlicher für die weitere Entwicklung der Folgeschwangerschaft, als verkopftes Folgen einer Expertenmeinung, die mit der persönlichen Lebenssituation nichts zu tun hat.
Alles Gute, Monika

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