Themenbereich: Vorsorgeuntersuchungen

"Verunsicherung durch pränatale Diagnostik"

Anonym

Frage vom 03.09.2008

Hallo,
habe auch gerade Anruf vom Arzt bekommen; waren am Montag zur Nackenfaltenmessung.
Meinte am MOntag beim US das alles tip top in ORdnung mit unserem Baby ist, allerdings mußte er noch die Laborwerte abwarten.
Heute mittag dann der Anruf; Die US war ja 1 a. Nackenfalte misst 2,4 cm. Meinte, nagut war am Montag, das alles in ORdnung sein müßte.
Jetzt nachdem er die Blutwerte, sogar 2 mal hat untersuchen lassem, lt. Aussage des Arztes, weil er es eigentlich nicht glauben konnte, riet er uns zu einer Fruchtwasserpunktion. Mein Freund und ich sind jetzt natürlich total durch den Wind!
Vor allem mein Freund, da ich mir eigentlich (? !) ziemlich sicher bin, das alles ok ist.
Weil wir beide eigentlich auf natürlichem WEge, wie man so schön sagt, es normalerweise nicht geschafft hätten, ein Baby zu bekommen.
Danke, schon mal im voraus. War am MOntag 13 +1
liebe GRüße

Antwort vom 04.09.2008

Hallo, Sie haben eigentlich keine Frage an uns gestellt, sondern lediglich berichtet. Ich nehme an, dass Sie jetzt in einem Entscheidungsdilemma sind, ob Sie eine Fruchtwasseruntersuchung durchführen lassen wollen oder nicht.
Frauen erwarten sich durch die pränatale Diagnostik eigentlich eine Bestätigung, dass alles in Ordnung ist. Nicht selten führt jedoch eine Untersuchung zur nächsten. Wichtig wäre gewesen, dass Sie in einem Gespräch VOR allen Untersuchungen abwägen wie weit die Untersuchungen gehen sollen, welche Alternativen es gibt, welches Risiko die Untersuchungen an sich bergen und ob Sie diese Risiken eingehen wollen oder nicht.
Die Blutuntersuchungen und die Messung der Nackenfalte geben keine Diagnose, sondern münden lediglich in einer Hochrechnung des Risikos. dabei sagt es für Sie individuell gar nichts aus, ob das Risiko bei 1:1000 oder eins zu 1:200 (Beispiele) liegt, weil die Wahrscheinlichkeit für Sie selbst bei beiden werten ausgesprochen gering wäre und Sie egal wie hoch die Werte sind bezogen auf alle Frauen entweder zu null oder 100% betroffen sind. In der Pränataldiagnostik wird jedoch bei bestimmten Werten eine weitergehende Untersuchung vorgeschlagen. Für Sie selbst gibt es eine Fragestellung, die Sie sich beantworten müssen, die mit den medizinischen Werten gar nichts zu tun hat, nämlich ob Sie die Schwangerschaft abbrechen wollen, wenn das Kind Chromosomenanomalien. Alle Ergebnisse garantieren Ihnen nicht, dass das Kind gesund ist. Die meisten Behinderungen treten nach der Geburt auf (durch Unfälle, Infektionen usw.) und viele Krankheiten sind durch die Untersuchungen gar nicht feststellbar. Trotzdem ist die überwiegende Mehrzahl aller Kinder ganz gesund.
Die Fruchtwasseruntersuchung birgt ein gewisses Risiko, dass eine Fehlgeburt ausgelöst wird, unabhängig davon, ob eine Chromosomenanomalie vorliegt oder nicht. Dieses Risiko ist meist höher (je nach Untersucher zwischen 1 und 3%) als das einer Anomalie.
Eine Alternative kann sein einen speziellen Ultraschall in einem speziellen Center durchführen zu lassen (Feindiagnostik). Nach dieser Untersuchung müssten Sie sich jedoch auch fragen ob Sie die Schwangerschaft beendigen lassen würden oder nicht, weil die Feindiagnostik keine 100% Gewissheit bietet und bei Auffälligkeiten weitere Untersuchungen oder ein Abbruch vorgeschlagen wird. Hinzu kommt, dass die Schwangerschaft während der Wartezeiten voranschreitet, so dass ein Abbruch nicht mehr so vorgenommen werden kann wie in der Frühschwangerschaft, sondern durch eine künstlich eingeleitete Geburt. Krankheit oder Behinderung eines Kindes sind keine zugelassenen Gründe für einen Spätabbruch. Dieser darf nur durchgeführt werden (dann jedoch bis zur natürlich einsetzenden Geburt) wenn die Gesundheit der Mutter (Körperlich oder psychisch) in Gefahr ist oder wenn Ihnen die Fortführung der Schwangerschaft und ein Leben mit dem Kind nicht zugemutet werden kann, weil es Ihr Wohlergehen unzumutbar beeinträchtigen würde. Sie müssten zunächst selbst entscheiden, ob dem so wäre.
In der derzeitigen Situation haben Sie mehrere Möglichkeiten:
- Sie können sich gegen weitere Diagnostik entscheiden
- Sie können sich beraten lassen zu Alternativen zur Fruchtwasseruntersuchung (von Ihrem oder einem anderen Arzt)
- Sie können z.B. in einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle ein ausführliches Gespräch führen (am besten mit Ihrem Freund)

Letzteres wäre besser gewesen vor jeder Diagnostik. Es ist im Gespräch, dass dies gesetzlich verankert wird, was Ihnen in Ihrer derzeitigen Zwickmühle aber leider noch nicht zu Gute gekommen ist.

Übers Internet ist diese Problematik leider nicht zu lösen, da es weniger ein medizinisches als ein ethisches Problem ist, in dem Ihre persönliche Ethik und Werte eine wesentliche Rolle spielen. Das Leben an sich ist ein "Risiko", das Sie nicht ausschalten können. Indem Sie eines verringern, erhöhen Sie ein anderes. Welches Sie eingehen und welches Sie vermeiden ist eine persönliche Entscheidung, die Ihnen leider (oder zum Glück) niemand abnehmen kann.

Ich wünsche Ihnen alles Gute, Monika



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