Themenbereich: Frühgeburt

"verweigert Beikost und erbricht sie wieder"

Anonym

Frage vom 28.03.2011

Hallo, mein Sohn kam knappe 5 Wochen zu früh auf die Welt (35. SSW +2) und hatte als 8-Monatsbaby die "typischen STartschwierigkeiten". Er schlief und musste zu jeder Mahlzeit geweckt werden. Bei diesen kämpften wir dann um jedes Gramm. MIt 3 Wochen trank er noch lange nicht die notwendige Menge, aber ich durfte ihn mit heimnehmen. Dank meiner Hebamme stillte ich recht bald "voll" bzw. glaubte dies zunächst. Zur U4 wurde Untergewicht diagnostiziert. Durch Stillproben wurde klar, dass er nur etwas mehr als die alterstypische Menge/Tag zu sich nahm. Da 2-wöchiges Abpumpen die Milchmengen nicht steigern konnten, stieg ich zwangsläufig auf Flaschennahrung um. Recht bald pegelte sich dann endlich ein ungefährer Tagesrhythmus ein - inkl. 8 bis 12 Stunden Nachtschlaf.
Als mein Sohn begann statt 5 Mahlzeiten aller 3 Stunden tagsüber bis zu 7, teilweise 8 Mahlzeiten einzunehmen und dementsprechend nicht mehr durchschlief, wechselten wir von einer pre- zu einer 1er-Nahrung. Das machte jedoch keinen nennenswerten Unterschied. Kurz danach stiegen wir dann auf Anraten des Kinderarztes auf eine AR-Nahrung um, um dem ständigen Spucken Einhalt zu gebieten. Zu diesem Zeitpunkt war er fast 6 1/2 Monate alt (tatsächliches Alter) - laut Anraten unserer Hebamme höchste Zeit, Beikost einzuführen.
Aufgrund des Nicht-mehr-Durchschlafens entschied ich mich für die Abendmahlzeit und füttere nun seit gut 2 Wochen Reisflocken gemischt der 1er-Nahrung, die ihm bereits vertraut ist. Dabei mische ich zunächst 1/4 der angegebenen Reisflockenmenge mit der Hälfte der angegebenen Milchmenge, sodass die Portion kleiner, aber vor allem dünnflüssiger ist (soll ihm den Start erleichtern).
Nun habe ich aber irgendwie den Eindruck, dass ich meinem Sohn den Brei aufdränge. Obwohl ich ihm diesen nun seit über 2 Wochen anbiete, öffnet er nie alleine den Mund (ich muss die Lippen mit dem Löffel herunterdrücken) und spätestens ab dem 3 Löffel, schluckt er nur, wenn ich ihm den Beruhigungssauger hinterhergebe. Ich traue mich kaum, ihm die "gesamte" Menge zu verabreichen (die ja tatsächlich nur 1/4 bis die Hälfte einer vollen Portion ist).
Dazu kommt, dass er vorgestern und heute noch vor dem Ende der BreiMahlzeit nahezu alles wieder erbrochen hat. Zumind. heute hat er anschließend aber noch eine halbe Flasche getrunken.
Wie soll ich denn jetzt weiterverfahren?
Kann/soll ich die Beikost noch einmal völlig aussetzen, da er den Mund nicht von selbst öffnet (macht er aber auch bei der Flasche erst nach Kontakt mit dem Sauger)? Wenn ja, wie lange? Wann muss er sp't. Beikost bekommen bzw. wann eine volle Portion schaffen?
Sollte ich nach den ersten Löffeln, die er ohne Schnuller schluckt aufhören und dann Milch geben? Wird er im Laufe der Zeit von selbst immer mehr Löffel "nehmen"?
Sollte ich einen anderen, evtl. gesüßten Grießbrei ausprobieren? Oder statt abends doch mittags beginnen - also lieber Gemüse füttern?
Kann das Erbrechen auch am Zahnen liegen? Er hatte gestern Fieber und trinkt seitdem meist nur halbe Flaschen und schläft seeeeeeehr viel (meines Erachtens schläft er aber auch sonst noch zu viel für sein Alter!). Das Zahnfleisch scheint mir jedoch unauffällig. Dabei sind die Nachte jedoch sehr unruhig, er ist aller halbe bis Stunde wach, weint und muss mit Sauger beruhigt werden, bis er dann definitiv eine sehr zeitige bzw sogar Nachtmahlzeit anmeldet.
Ich bin im Moment ziemlich ratlos und verzweifelt, weil ich nicht weiß, in wie weit sein Verhalten als Frühchen doch "normal" ist. Ich habe Angst, ihn zu uberfordern oder gar das Essen aufzuzwängen.

Antwort vom 31.03.2011

Hallo!
Ihre Beschreibung klingt in erster Linie danach, als sei Ihr Sohn noch gar nicht bereit für die Beikost. Ein Säugling ist reif für die Beikost, wenn er sich dafür interessiert, was andere Familienmitglieder essen, er danach greift und auch den Mund (erwartungsvoll) öffnet oder das Essen in den Mund stecken würde. Er kaut eventuell mit und bildet ausserdem reichlich Speichel. Ausserdem sollte der sog. Zungenstreckreflex (die Zunge schiebt alles wieder hinaus und es kommt nicht zum Hinunterschlucken) annähernd verschwunden sein, das Kind eine sehr gute Kopfkontrolle haben und ausserdem sein Wollen und Nicht-Wollen durch Zustimmung oder Wegdrehen des Kopfes deutlich machen können. Ich möchte Ihnen empfehlen, Ihr Kind auf keinen Fall zum Essen zu zwingen. Sie könnten ihm einerseits den Brei weiter anbieten und umgehend aufhören, wenn er das Zeichen gibt, dass er nicht möchte. Selbstverständlich kann es aber auch sein, dass er die Getreidemischung nicht mag und Sie mit einer Gemüsesorte besser vorwärts kommen. Und ja, das „Löffeln“ will gelernt sein und braucht seine Zeit. Die wenigstens Kinder essen gleich zu Beginn eine grosse Portion, sondern hangeln sich von Löffel zu Löffel, aber nie mit Zwang und Druck (sprich z.B. Nuggi zum Nachschieben o.a.). Zu früh geborene Kinder machen im Rahmen der Betreuung auf einer Intensivstation oft ganz andere sog. orale Erfahrungen (Erfahrungen im Mundbereich), die ihr Atem-, Saug- und Schluckmuster beeinflussen können. Das kann im Extremfall auch mal zu eine Störung der Nahrungsaufnahme führen. Gerade deshalb möchte ich Ihnen empfehlen, nochmals aufmerksamer Ihr Kind zu beobachten und/oder auch eine Fachperson (Kontakt zur Frühchenstation o.a.) dahingehend zu kontaktieren.

Übrigens finde ich es überhaupt nicht ungewöhnlich, dass Ihr Kind eine Nachtmahlzeit gebrauchen könnte. Möglicherweise hat Ihr Kind generell einen (nötigen?) Wachstumsschub, und er braucht die Kalorien. Jedes Kind hat sein ganz eigenes Tempo und das gilt insbesondere für Frühgeborene im ersten Lebensjahr. Ich möchte Sie einladen einfach ganz genau Ihr kleines Menschlein anzuschauen, was es braucht und wie weit es wirklich ist in seiner Entwicklung. Und damit sollten Sie sich auch nicht weiter selbst stressen mit dem, was Ihr Sohn vermeintlich können und tun sollte.
Alles Gute, Inken Hesse, Hebamme

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