Themenbereich: Geburt allgemein

"Erhötes Risiko beim 5.Kind?"

Anonym

Frage vom 04.12.2013

Hallo, Ich bekomme im März mein 5tes Kind. Eigentlich wollte ich im Geburtshaus entbinden wurde jetzt aber von einer Ärztin verunsichert. Sie meinte, aufgrund der vielen Geburten sei die Gefahr einer Atonie bei mir zu hoch und ich bräuchte unmittelbar nach der Geburt unbedingt diese Infusion. Bei meinen Kindern hatte ich nie ein Problem mit übermäßigen Blutungen, auch hat sich die Gebärmutter in der Stillzeit immer super schnell zurückgebildet. Wie groß ist das Risiko denn tatsächlich? Ich bin kein Freund von Medikamenten und würde unheimlich gern meinen Sohn im Geburtshaus zur Welt bringen.
Christine

Antwort vom 06.12.2013

Hallo, die Beschäftigung mit Risiken ist kompliziert, weil es davon immer mehrere gibt, die in unterschiedlichen Kombinationen auftreten. Für den Einzelfall sagt das Ergebnis einer Prozentzahl leider überhaupt nichts aus, weil es sich immer auf alle Frauen bezieht, Sie aber immer noch nicht wissen, ob Sie zu der einen oder anderen Gruppe gehören werden. Individuell ist es daher viel sinnvoller abzuschätzen, ob eine echte Gefahr vorliegt durch Kombination ungünstiger Faktoren aus der Vorgeschichte oder etwas, was jetzt tatsächlich vorliegt.
Vor einer Geburt im Geburtshaus wird immer sorgfältig nach der Vorgeschichte gefragt und danach abgewogen, ob eine Geburt im Geburtshaus zu empfehlen ist oder ob es sinnvoller erscheint in die Klinik zu gehen. Wenn Ihre Hebamme/n im Geburtshaus Sie also zur Geburt dort "annehmen", dann liegt nichts vor, was die Geburt dort absolut ausschließt (Es gibt eine Liste mit Ausschlusskriterien).
Die Empfehlungen richten sich in der Medizin normalerweise nach Leitlinien, in denen Studien ausgewertet werden. Die Leitlinie mit Angaben zum statistischen Risiko von Blutungen (Leitlinie "perinatale Blutungen") ist von der Fachgesellschaft der Gynäkologen. Die meisten davon sind methodisch nicht besonders gut und diese ist gerade gar nicht gültig. In der alten Leitlinie wurde das allgemeine Risiko für schwerere Blutungen im Zusammenhang mit der Geburt zwischen 0,5% und 5% angegeben. Eine Erhöhung für Atonie liegt bei recht vielen Faktoren vor. Dazu zählen Überdehnung der Gebärmutter (durch Mehrlinge und zu viel Fruchtwasser), voran gegangene Uterusoperationen und Myome. Erhöht ist das Risiko auch, wenn bei voran gegangenen Geburten bereits eine Atonie aufgetreten ist, dann kommt es in 25% der Fälle wieder zu einer Agonie, bei 75% jedoch nicht. Da es sich um klinische Daten handelt, sind darin auch Frauen enthalten, bei denen die Geburt eingeleitet wurde oder die Wehenmittel während der Geburt erhalten haben, was erfahrungsgemäß die Blutungsgefahr nach der Geburt erhöht und Frauen, die grundsätzlich eine erhöhte Blutungsneigung haben.
Die Anzahl der Geburten, bei denen häufiger eine Atonie beobachtet wird, wird mit MEHR ALS fünf Geburten angegeben. Demnach würden Sie mit dem fünften Kind noch nicht dazu zählen, sondern erst beim 6. Kind.
Dass es mit jedem Kind wahrscheinlicher wird, halte ich für logisch, weil ja viel mehr Möglichkeiten bestehen für Vorkommnisse bei voran gegangenen Geburten (dass bei sechs Geburten einmal Mehrlinge, viel Fruchtwasser, eine Einleitung, eine Blutung, eine OP) vorlagen oder dass sich im Laufe der Zeit Myome gebildet haben. Deshalb ist es für mich etwas fraglich, ob der Grund nun alleine darin liegt, dass es mehr als fünf Geburten sind oder ob es nicht eher die anderen Faktoren sind, die zu einer Atonie geführt haben.
Die meisten Hebammen schauen sich ALLE bekanntenFaktoren genau an und entscheiden dann mit der Frau gemeinsam welcher Geburtsort geplant wird.
Das kann zur Folge haben, das es beim 3. Kind nicht im Geburtshaus geht und beim 8. Kind schon. Auch im Geburtshaus stehen übrigens kontraktionsfördernde Mittel zur Verfügung, die gegeben werden können, falls es unerwartet zu einer Atonie kommt. "Auf jeden Fall" (also bei ganz normalem Verlauf) wird auch in vielen Kliniken nach der Geburt keine Infusion gegeben und Sie haben das Recht sich dagegen zu entscheiden, wenn Sie das nicht möchten oder nach Aufklärung nicht für nötig halten.
Im Fazit kann ich bei den Angaben, die Sie gemacht haben für Sie individuell nichts erkennen, was gegen eine Geburt im Geburtshaus spricht. Sie haben vier Kinder ganz normal bekommen und wenn sich die Gebärmutter immer gut kontrahiert hat, ist das doch eher eine Basis für eine gute Prognose für die nächste Geburt.
Wenn Sie verunsichert werden, kann ich Ihnen empfehlen sich noch mal mit den Hebammen des Geburtshauses zu besprechen, die Ihnen dazu sicher auch noch mal ausführlichere Informationen geben können, als es in meiner Antwort möglich war.
Alles Gute für eine schöne Geburt, Monika Selow, Hebamme

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