Themenbereich: Kaiserschnitt

"geplanter Kaiserschnitt sinnvoll oder lieber Wehenbeginn abwarten?"

Anonym

Frage vom 23.04.2014

Sehr geehrte Hebamme,

erst mal ganz herzlichen Dank, für die Möglichkeit, hier "einfach so" Fragen stellen zu können, ein toller Service für -in meinem Fall- eine unparteeische Zweitmeinung!
Ich bin 39 Jahre alt, nach jahrelangen Versuchen dann doch spontan schwanger geworden, mein Entbindungstermin ist der 6.6.2014. Im vergangenen Jahr hatte ich einen gesicherten epileptischen Anfall, der auch durch ein pathologisches EEG gesichert wurde. Auf Medikamente wurde ich eingestellt, die ich aber nach kurzem wieder aufgrund von Unverträglichkeit absetzte. Die Diagnose der Epilepsie blieb und bleibt trotz aktuell unauffälligem EEG für den Beobachtungszeitraum von einem Jahr bestehen, obwohl dieser Krampfanfall nur einmalig stattfand (bezgl. dessen: Ich bin selbst Ärztin).
Nun sind die Neurolgen überein gekommen, ich solle am besten via Sectio in einem großen Perinatalzentrum entbinden - oder aber unter der Bereitstellung verschiedenster intensivmedizischiner Maßnahmen es "zur Not" auch so versuchen mit der Option, quasi ständig in Sectio- Bereitschaft zu sein. Da ich es mir schrecklich vorstelle, ständig den "Notkaiserschnitt" mit Konsequenzen vor Augen zu haben, bin ich mit meiner Gynäkologin insgesamt zu der Entscheidung der primären Sectio gekommen.

Nun aber meine Zweifel: Obwohl ich mit dem Kaiserschnitt gut leben kann (in dem Sinne, mich nicht als Versagerin etc. zu betrachten), merke ich doch immer mehr, daß es mir schrecklich ist, mein Mausekind so unvermittelt aus seinem Nestchen herauszureißen. Am liebsten hätte ich einen natürlichen Geburtsbeginn durch das Baby, um dann bei wirklicher Geburtsreife den Kaiserschnitt durchführen zu lassen. Terminlich ist es bisher so, daß 7-10 Tage vor dem errechneten Termin der geplante Kaiserschnitt stattfinden soll (nebenbei gibt es auch noch, trotz Kenntnis der letzten Periode Terminunklarheit, so daß ich umso mehr befürchte, das Kind wird zu zeitig geholt).

Im Forum habe ich die Antwort von Ihnen/ einer Kollegin zu einer ähnlichen Frage gelesen, niemand könne mir ein Datum aufzwingen. Das ist natürlich klar, allerdings mag es natürlich klare Argumente geben, die die Planung rechtfertigen, wie "ausreichend Personaldichte, kein Beginn in der Nacht oder am Wochenende, ruhige Vorbereitung für größtmögliche Sicherheit". Das ist mir sehr einleuchtend und Sicherheit finde ich auch sehr sehr wichtig. Was ist aber nun mit dem "aber"? Fallen Ihnen Argumente ein, die ein Abwarten rechtfertigen würden?

Ich danke Ihnen herzlich für das Lesen meiner weitschweifigen Frage und hoffe, vielleicht eine Antwort lesen zu dürfen.

Viele Grüße
Lara

Antwort vom 25.04.2014

Erst mal halte ich bei Ihrer Vorgeschichte die Entscheidung für einen geplanten KS für absolut richtig. Auch wenn Sie "nur einmal" einen Anfall hatten, ist der Ausnahmezustand Geburt doch ein Risiko für eine Wiederholung, das in diesem Fall vermieden werden kann.
Aus diesem Bewusstsein heraus haben Sie sich für den KS entschieden und haben all die Argumente, die dafür sprechen, schon selbst genannt. Das Problem ist nun die fehlende "Geburts-Vorbereitung" für Ihr Baby, die Sorge, dass das Kleine sich "rausgeschmissen" vorkommt, wenn der natürliche Weg umgangen wird. Diese Sorge ist auch berechtigt, denn es gibt Untersuchungen, die entsprechende Reaktionen bei KS-Babys zeigen.
Ein Abwarten des Geburtsbeginns macht das Ganze allerdings wieder unkalkulierbar und Sie würden damit genau das Risiko doch eingehen, das Sie über den KS eigentlich ja umgehen wollen.
Ich denke, wenn Sie hinter Ihrer Entscheidung KS stehen und sich außerdem um die "Besonderheiten" dieser Art und Weise, auf die Welt zu kommen bewusst sind, dann sind Sie durchaus in der Lage, gemeinsam mit Ihrem Partner Ihrem Kind einen liebevollen Empfang zu bereiten, der den "Rausschmiss" ausgleicht. Wenn schon ein Kaiserschnitt, dann genießen Sie die Vorzüge der Planbarkeit etc und machen sich diese zunütze, um die Ankunft Ihres Babys und Ihre erste Familienzeit zu gestalten. Das heißt nicht, dass Sie einen großen Bahnhof veranstalten müssen - eher im Gegenteil: dafür sorgen, dass Sie die nötige Ruhe und Zeit haben, sich gegenseitig kennen zu lernen, ungestört die erste Zeit zu dritt miteinander verbringen können. Ihrem Baby braucht es an nichts zu fehlen, weil es keine natürliche Geburt erlebt. Was jedes Baby braucht, um gut anzukommen, bekommt Ihres genauso, da bin ich mir sicher.
Es wird im Leben mit Ihrem Kind immer wieder Situationen geben, in denen Sie denken, Sie müssten als Mutter und Vater besser/ stärker/ liebevoller/ geduldiger,... sein. Das gehört zum Eltern-sein dazu - fragen Sie mal Ihre eigenen! Sie machen das bestimmt intuitiv ganz richtig und geben Ihrem Baby alles, was nötig ist um gut auf der Welt anzukommen. Ich wünsche Ihnen das Allerbeste!

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