Themenbereich: Fehlgeburt

"Wie mit der Angst nach Fehlgeburt umgehen?"

Anonym

Frage vom 16.01.2015

Hallo liebes Hebammen-Team.

Am 29.07.2014 hatte ich eine Fehlgeburt in der 10. SSW. Ich hatte sehr daran zu kauen, weil 5 Tage zuvor noch alles in Ordnung war.
Nun bin ich erneut schwanger, und die Angst vor einer erneuten Fehlgeburt ist unbeschreiblich groß. Erschwerend für mich kommt jetzt auch noch dazu, das meine FÄ ihre Praxis über gibt und mich daher nicht mehr als Schwangere aufnimmt. Habe mich zwar um einen neuen FA bemüht, dort jedoch erst einen Termin für den 26.01 erhalten. Was kann ich tun um dieser Angst Herr zu werden? Wo kann ich Hilfe bekommen? Eine familiäre Unterstützung ist nahezu ausgeschlossen, da FG in meiner Familie ein Tabuthema ist. Mein Mann gibt sich sehr viel mühe mich aufzufangen, jedoch plagen ihn eigene ängste und sorgen.
Für ihre liebe mühe, im Voraus danke.

Antwort vom 19.01.2015

Hallo, eine Fehlgeburt ist leider ein trauriges, wenn auch nicht seltenes Ereignis, das immer noch ein großes Tabuthema darstellt. In der Folgeschwangerschaft ist die Freude zwar meistens groß, doch ein Gefühl der Angst ist ein häufiger Begleiter, der die Freude über die neue Schwangerschaft manchmal sogar überschatten kann.
Es ist ganz normal, dass die Angst da ist, sie darf auch da sein – und dass Sie nun Zeit benötigen, um sich auf die Schwangerschaft einlassen zu können und Vertrauen zu fassen: in Ihre ganz neue Schwangerschaft mit einem neuen Baby.
Wenn Sie es schaffen zu sagen: „Ich versuche mir, meinem Körper und meinem Kind zu vertrauen und ich genieße jeden Tag mit meinem Kind auch wenn ich schmerzlich erfahren musste, dass es keine Garantie gibt, dass die Schwangerschaft gut ausgeht“ sind Sie auf einem guten Weg.
Ich empfehle Ihnen, sich eine Hebamme für die Schwangerenvorsorge zu suchen, evtl. in Abwechslung mit Ihrem Frauenarzt: neben den medizinischen Inhalten der Vorsorgeuntersuchung liegt der Schwerpunkt hier in der Normalität dieses natürlichen Vorgangs sowie in der Stärkung der Frau.
Von der Psyche her gesehen ist es wichtig, das Sie den Verlust Ihres Babys auch wirklich verarbeitet haben. Trauer ist dabei ein wichtiger Prozess. Wenn Sie meinen, dass Sie da noch Hilfe benötigen könnten, können Sie sich auch an eine Hebamme, die auf Trauerarbeiten spezialisiert ist oder Fehlgeburten begleitet, wenden.
Auch Selbsthilfegruppen nach Fehlgeburt können sehr hilfreich sein, um sich auszutauschen, sich verstanden zu fühlen und neuen Mut zu finden. Vielleicht finden Sie eine in Ihrer Nähe.
Bei stärkeren Angststörungen oder Depressionen, die nicht wenige Frauen nach einer Fehlgeburt entwickeln, kann manchmal auch eine Therapie sinnvoll sein.
Ich wünsche Ihnen alles Gute, Olivia Heiss, Hebamme


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