Themenbereich: Schwangerschaft

Steht die Diagnose Windei fest?

Anonym

Frage vom 17.04.2019

Liebes Hebammenteam,

nach zahlreichen Tiefschlägen (3 frühe Fehlgeburten, 1 Missed Abortion und eine stille Geburt in der 20. SSW) habe ich nun wieder eine Hiobsbotschaft erhalten. Ich war zur Feststellung der Schwangerschaft bei 6+2 bei meiner Frauenärztin. SIe konnte eine dem Gestationsalter entsprechend große Fruchthöhle (18,5mm) erkennen jedoch keine embryonalen Anlagen. Damit steht für sie die Diagnose Windei fest. Ich wurde sofort vor die Wahl gestellt ausschaben zu lassen oder einen natürlichen Abgang abzuwarten. Ich kann das alles gar nicht fassen. Es wurde auch keine weitere Untersuchung angesetzt. Gibt es denn wirklich keine Hoffnung? Ist die Diagnose bei diesen Parametern unumstößlich? Wäre ein natürlicher Abgang so schmerzhaft wie etwa bei der M.A., wo es auch einen Embryo gibt oder wird es leichter, weil keine Frucht angelegt ist?

Antwort vom 17.04.2019

Hallo, es tut mir sehr leid für Sie, dass Sie bislang schon so viele Fehlschläge zu beklagen haben. In der jetzigen Schwangerschaft ist es aber noch zu früh, um ein Windei ganz sicher zu diagnostizieren. Studien haben gezeigt, dass sich auch mit einer Größe der Fruchtblase von mehr als 20 mm noch Embryonen zeigen können. Es wird daher empfohlen erst ab einer Größe der Fruchtblase von mehr als 25mm die Diagnose "Windei" zu stellen. Darunter ist eine weitere Untersuchung im Abstand von mindestens einer Woche sinnvoll. Wenn bei dieser Untersuchung dann auch keine Embryonalanlage erkennbar ist, ist die Diagnose auch dann sicher, wenn die Fruchtblase nur so wenig gewachsen ist, dass sie immer noch unter 25 mm groß ist.
Zu Ihrer zweiten Frage:
Jede Fehlgeburt verläuft anders, so dass sich nicht vorhersagen lässt wie groß die Beschwerden sein würden. Von der Tendenz her verläuft eine Fehlgeburt um so einfacher, desto jünger eine Schwangerschaft ist. In den frühen Wochen geht dabei die Fruchtblase meist im ganzen vollständig auf einmal ab. Bei einer Größe der Fruchtblase von beispielsweise 20 mm dürfte es vom Empfinden her keinen Unterschied machen ob darin ein Embryo enthalten ist oder nicht. Eine Ausschabung bietet dabei keinen Vorteil gegenüber dem natürlichen Abgang.
Bis jetzt würde ich Ihnen aber raten abzuwarten und "guter Hoffnung" für diese Schwangerschaft zu bleiben.

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Anonym
Kommentar vom 09.05.2019 07:37
Neuigkeiten
Liebe Frau Selow,

ich möchte mich gerne noch einmal zurückmelden. Gestern war ich bei meiner Frauenärztin - eigentlich um zu besprechen, wie wir den Abgang beschleunigen können, da sich in den letzten 3 Wochen nach der Diagnose nichts tat. Plötzlich erschien eine Embryo mit Dottersack und Herzschlag auf dem Ultraschall. Meine Ärztin war ziemlich perplex. Natürlich bin ich froh über die Neuigkeiten, mache mir nun aber Gedanken, ob das alles etwas zu bedeuten hat in Hinblick auf einen genetischen Fehler. Der Embryo entspricht wohl eher 8+6 statt 9+4. Ich weiß aus (Mess-)Erfahrung, dass mein Eisprung immer relativ spät stattfindet, aber das erklärt nicht, warum die Fruchtblase bei der ersten Untersuchung mit 18,5mm absolut der rechnerischen (!) 6+2 entsprach. Lässt eine zu große Fruchtblase auf Störungen schließen? Meine Frauenärztin war auch etwas verhalten und meinte, dass wir nur abwarten können.

Ich hoffe so sehr, dass wir nun nach all den Rückschlägen unserem Glück endlich mal trauen dürfen.

Viele Grüße!
Kommentar vom 09.05.2019 11:22
Neuigkeiten
Hallo, es freut mich sehr, dass sich das Abwarten gelohnt hat.
Aus der Größe der Fruchtblase lassen sich keine Rückschlüsse auf genetische Besonderheiten schließen. Alleine aus der Größe der Fruchtblase lässt sich das Schwangerschaftsalter nicht zuverlässig bestimmen. Alle Messwerte, aus denen auf das Alter geschlossen wird, sind Durchschnittswerte, bei denen erhebliche Spannbreiten bestehen, obwohl die Schwangerschaften ganz normal sind. Versuchen Sie in der Gegenwart zu bleiben und sich über einen offensichtlich vorhandenen Embryo zu freuen und den Messergebnissen nicht mehr Bedeutung beizumessen, als sie tatsächlich haben. Ohne die ganzen Spekulationen hätte das erste mal eine Schwangerschaft bestätigt werden können, die sich in der Gebärmutter angesiedelt hat (alles Bestens) und jetzt lässt sich die Entwicklung eines lebenden Embryos nachweisen (auch alles Bestens). Der Embryo ist nicht "plötzlich" während des US erschienen, er war die ganze Zeit da. An seiner Existenz wurde nur gezweifelt, weil sowohl Sie als auch die Ärztin mit einer eher pessimistische Grundhaltung an die Schwangerschaft heran gehen. Bitte suchen Sie sich noch eine andere Unterstützungsquelle oder eine zusätzliche. Es ist weder notwendig noch sinnvoll nun wieder in eine engmaschige Kontrolle zu gehen. Es wird immer etwas geben, was anscheinend nicht so passt, ungewöhnlich ist, etwas bedeuten KÖNNTE, was nochmal kontrolliert werden müsste, um genaueres zu sagen usw.. Diese Verunsicherung führt dazu, dass die Schwangerschaft in Angst erlebt wird. Nur die Zeit wird Ihnen Gewissheit geben und später auch die Bewegungen Ihres Kindes.
Ich wünsche Ihnen alles Gute für die weitere Schwangerschaft, Monika Selow
Kommentar vom 09.05.2019 11:31
Neuigkeiten
PS: Bei der Feststellung der Schwangerschaft vor drei Wochen hätte es genügt genau diese Feststellung zu treffen. Statt dessen stand für Ihre Ärztin "die Diagnose Windei fest" und damit hätten Sie auch direkt eine Ausschabung haben können. Diese Diagnose war aber falsch, was sich nur durch Abwarten bestätigen ließ. Das wäre eigentlich Grund zur Freude. Mich regt aber auf, dass überhaupt, ohne jede Not und entgegen empfohlenen Kriterien für eine Diagnosestellung, überhaupt eine Diagnose gestellt wurde, die dazu führte, dass Sie mehrere Wochen in Trauer, Angst und negativen Gefühlen verbracht haben. Es gibt keinen vernünftigen Grund weiter Messwerte mit Vermutungen zu verknüpfen und dadurch das positive emotionale Erleben zu blockieren.
Anonym
Kommentar vom 10.05.2019 07:21
Danke!
Liebe Frau Selow,

ich möchte mich ganz herzlich für Ihre ausführlichen Antworten bedanken. Sie haben Recht. Ich werde versuchen, mir das Vertrauen in meinen Körper und die Natur zurück zu erkämpfen und damit positiv in die Zukunft sehen.

Herzlichen Dank für Ihr Engagement!

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