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"Baby zur Oma (7,5 Monate)?"

Anonym

Frage vom 30.05.2001

Liebes Hebammenteam, ich habe zur Zeit das Gefühl alles hat sich gegen mich verschworen. Das hört sich sehr dramatisch an und das ist es für mich auch: Aus vielen Ecken meines Freundeskreises und auch meiner Verwandtschaft ist man der Meinung ich müsste meine Tochter Luca (7,5 Monate) hin und wieder mal abgeben.
Ich finde es schrecklich mir vorzustellen, dass ich mein Baby irgendwo zurückzulassen soll! Mein Gefühl wehrt sich absolut dagegen. Ich kann auch nichts gutes daran sehen, weder für Luca noch für mich. Warum sollte ich es also tun? Stelle ich diese Frage bekomme ich solche Dinge gesagt, wie: Luca muss sich daran gewöhnen auch mal bei anderen zu sein;
Tue ich es nicht jetzt, wird es später immer schwieriger werden; Es wäre für mich gut auch mal ohne Baby wegzugehen; und das Schlimmste finde ich: Ich nehme Luca die Chance sich weiterzuentwickeln.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es meinem Baby gut tut, wenn es feststellt, dass Mami nicht mehr da ist? Es geht mir also mit der Erwartungshaltung die man an mich stellt ( gerade meine Schwiegermutter; meine Mutter lebt leider nicht mehr) meine Tochter mal zur Oma zu geben absolut nicht gut!
Selbst mein Mann ist ähnlicher Meinung wie alle anderen, bedrängt mich allerdings nicht. Nun bin ich schon fast so weit zu sagen, ich diskutiere nicht mehr!! Das ist meine Einstellung und basta!! Wenn nicht die Unsicherheit wäre, dass ich Luca doch in irgendeiner Form in ihrer Entwicklung hindere.
Zu bemerken ist auch noch, dass Luca es auch nicht gut findet bei jemanden anderen als Papi oder Mami zu sein. Kommt nicht irdendwann der Zeitpunkt, wo alles von ganz alleine passiert: Ich habe Lust etwas alleine zu unternehmen und Luca ist bereit auch bei anderen Personen zu bleiben?
Oder müssen Luca und ich diesen (schmerzlichen) Weg gehen? Ich bin wirklich sehr gespannt auf Ihre Antwort.

Anonym

Antwort vom 31.05.2001

Meine Antwort lautet: Es wird zu gegebener Zeit ganz von alleine ein langsamer und stetiger Loslösungsprozess einsetzen und zwar dann, wenn das Kind als auch die Mutter dazu bereit sind. Das Kind bestimmt seine eigene Entwicklung sowohl im körperlichen als auch im sozialen Rahmen individuell selber, d.h. es entwickelt sich nach seinen individuellen Fähigkeiten und auch in seinen eigenen individuellen Zeiträumen. Die Aufgabe der Eltern ist es, diesen Bedürfnissen und den Ansprüchen Ihres Kindes Aufmerksamkeit zu schenken und entsprechend zu unterstützen. Sie <müssen> Ihre Tochter nirgendwo zurücklassen! Und schon gleich gar nicht, wenn Sie das als Mutter nicht wollen!! Ich unterstütze Sie darin, daß Sie als Mutter dies vertreten und zwar in dem Vertrauen, daß Sie nach Ihrem instinktiven Muttergefühl zu diesem Zeitpunkt so richtig handeln. Dritte Personen müssen dies dann akzeptieren, auch wenn sie es selber vielleicht anders gemacht haben. Jede Generation hat ihre eigenen Wege und es sind auch die Umstände zu berücksichtigen. Sie können glücklich sein, daß Sie als Mutter für Ihre Tochter da sein können. Solange Sie dies aus voller Überzeugung tun, ist es gut und auch richtig. Im ersten Lebensjahr gewöhnt sich das Kind an Wechselbeziehungen im engen Familienkreis und mit weiteren Verwandten, die ins Haus kommen. Fremden und Erwachsenen gegenüber fühlt das Kind sich bedeutend wohler, wenn es zu spüren beginnt, daß Ihre Freunde auch seine Freunde sind, daß es auch andere Menschen gibt, die ihm helfen, es versorgen und denen es vertrauen kann. Ich möchte Ihnen raten, daß Sie Ihre Tochter so bald wie möglich mit anderen Kindern zusammentreffen lassen. Mit etwa 18 Monaten toleriert das Kind schon andere Kinder, obwohl sie kaum zusammen, sondern Seite an Seite spielen, ohne aufeinander einzugehen. Es ist, wenn die Umstände es zulassen, zeitgerecht, zusammen mit Ihrer Tochter gemeinsame Kontakte zu suchen und nicht, getrennt von Ihrer Tochter eigenen Interessen nachzugehen. So können Sie ihr helfen, Erwachsene zu akzeptieren. Später hilft es dem Kind beim Umgang mit anderen Kindern, deren Gesellschaft es sucht, sobald es seine Erfahrungen ausdehnen und sich selbständig machen will. Es kommt also alles zu seiner Zeit. Vertrauen Sie auf Ihr Gefühl und unterstützen Sie Ihre Tochter auf ihrem Weg ihrer Entwicklung, indem Sie Ihr ein Vorbild sind, Ihr Liebe und Aufmerksamkeit schenken, ihre Individualität kennenlernen, ihr Unterstützung und Sicherheit bieten. Zuerst muß das Kind das Gefühl der Sicherheit erlangen, bevor es aus der Anhänglichkeit entwächst.
Zum Schluß möchte ich Ihnen noch persönlich dazu meine drei Kinder schildern- der Größte mit jetzt knapp vier, ein Sohn, braucht das sichere Gefühl, mich <da> zu haben bis heute, die zweite, eine Tochter mit knapp drei, ist bereits jetzt sehr selbständig und hat auch keine Probleme damit, daß ich mal nicht da bin, bleibt auch gerne mit dritten Vertrauenspersonen und die kleinste Tochter mit knapp zwei kann ich seit ihrer Geburt bei fast allen dritten Bezugspersonen <alleine>lassen- sie hat damit überhaupt kein Problem! So unterschiedlich kann es sein!
Mit freundlichen Grüßen

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