Themenbereich: Geburt allgemein

"kann ich das 3. Kind normal bekommen?"

Anonym

Frage vom 27.10.2005

Hallo,
ich habe bereits 2 Söhne. Erster Sohn kam behindert zur Welt. Nach 5J volle Arzttermine und Fehldiagnosen wissen wir nun, dass er (wahrschenlich) aufgrund eines Geburtsschadens dass Kiss-Syndrom hat.
Zweiter Sohn kam mit erschwerter Schulterentwicklung zur Welt und hatte noch eine Schlüsselbeinfraktur. 12 mal einrenken und 6 Mon Krankengymnastik folgten
Nun bin ich mit unserem dritten Sohn Schwanger (27 SSW) und traue mich nicht wirklich an eine "normale" Geburt ran. Schließlich ist die letzten male auch alles schief gegangen... (Gewicht der Kinder lag beide male bei ca. 4000 g)
Mein FA sagte, dass sowas nicht wieder passieren würde, denn meine letze Schwangerschaft ist erst seit 15 Mon zu Ende und das Becken wäre noch gedehnt. Das Kind würde nur noch so "herausrutschen" und alles besser laufen.
Im Krankenhaus hatte man vorab beide Kinder auf ca. 3000g geschätzt (also um 1 Kilo verrechnet!!!)

Ich traue dem ganzen nicht wirklich.
Ich bin zwar groß, aber im nichtschwangeren Zustand gerade mal 51 kg leicht. Denke, dass das wieder ein Problem sein könnte.
Bei meinem ältersten Sohn hat das Kiss-Syndrom erhebliche Schäden hinterlassen. Er kann mit seinen 5J kaum sprechen, ist motorisch auf dem Stand eines 2-Jährigen und geistig zurückentwickelt... Ich möchte nichts riskieren...

Wie groß ist nach Ihren Erfahrungen die Wahrscheinlichkeit, dass ich nach 2 Geburten mit Problemen nun eine "normale" Geburt hinbekommen kann?

Gruß
Sylvia

Antwort vom 27.10.2005

Hallo, Ihr Misstrauen gegenüber den Ultraschall-Schätzungen ist berchtigt. Grobe Fehlschätzungen was das Geburtsgewicht angeht, sind leider nicht selten.
Das Kiss-Syndrom entsteht nicht unbedingt erst bei der Geburt. Oft ist es so, dass schon in der Schwangerschaft Haltungsanomalien vorkommen, die sich dann auch in der Geburt äußern (Kopf findet nicht richtig durchs Becken). Es ist also nicht gesagt, dass Ihr erstes Kind gesund gewesen wäre, wenn es durch Kaiserschnitt geboren worden wäre. Genau lässt sich das im Nachhinein nicht mehr feststellen, vor allen Dingen nicht von mir, weil ich den genauen Hergang ja nicht beurteilen kann.
Wenn Sie große Bedenken wegen einer normalen geburt haben, kann das durchaus ein Grund für einen Kaiserschnitt beim dritten Kind sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass die dritte Geburt ohne Probleme verläuft lässt sich nicht pauschal angeben. Am wahrscheinlichesten wäre die Möglichkeit für eine komplikationsfreie Geburt bei einer zurückhaltenden Geburtspraxis (keine Einleitung, kein Wehentropf, kein zu frühes Pressen, Geburt nicht in Rückenlage), bei der bei Verdacht auf erneute Lageanomalien oder Schwierigkeiten mit der Beckenpassage großzügig die Indikation für einen Kaiserschnitt gestellt wird.
Sie können sich schon in der Schwangerschaft mit einer Hebamme in Verbindung setzen, die mit Ihnen die beiden Geburten noch einmal durchgeht und sich Ihr Becken genau ansieht, ob dort eventuell Abweichungen feststellbar sind, die den Kindern die Passage erschwerden.
Sehr aufschlussreich könnte auch der Besuch beim Osteopathen sein. Der kann sich sowohl Ihre beiden Kinder, als auch Sie mal genau ansehen und eventuell vorhandene Geburtshindernisse diagnostizieren. Besonders für Ihr erstes Kind könnte eine osteopatische Behandlung auch Bessung der Behinderung geben. Leider wird die behandlung oft nicht von den Kassen bezahlt. Ich finde es schon merkwürdig, dass Sie bei beiden Geburten Schwierigkeiten hatten, die sich auf die Kinder ausgewirkt haben und kann von daher gut nachvollziehen, dass Ihnen unwohl ist, wenn nicht wirklich eine vertrauensvolle Analyse vorliegt, die Ihnen den Spielraum gibt etwas anders zu machen, als bei den letzten Kindern. Die reine Ultraschallbestimmung des voraussichtlichen Geburtsgewichtes, ist dabei am unwesentlichsten, da unabhängig von den groben Messfehlern, die Größe des Kindes viel weniger aussagt, als die Haltung des Kindes zum mütterlichen Becken. Auch größere Kinder können völlig problemlos geboren werden, wenn Sie sich normal und günstig ans mütterliche Becken anpassen. Sie haben jetzt nicht geschrieben wie groß Sie sind, aber 51 kg sind bei einer großen Frau eher wenig. Das Gewicht selbst wär kein Problem, aber wenn die Proportionen nicht stimmen, könnte auch das ein Hinweis auf Becken- oder Haltungsveränderungen sein. Ich würde Ihnen jedenfalls empfehlen bis zur Geburt noch nähere Informationen einzuholen, damit Sie entweder entspannt das dritte Kind normal bekommen können oder einen Kaiserschnitt machen lassen, wenn sich rausstellen lassen sollte, dass eine anatomische Besonderheit vorliegt, die nicht asugeglichen werden kann.

Alles Gute, Monika

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