Themenbereich: Entwicklung und Erziehung

"Mein Kind hängt den ganzen Tag an meinem Rockzipfel"

Anonym

Frage vom 24.02.2013

Hallo,

ich habe ein Problem mit meinem mittlerweile 10,5 Monate altem Sohn bei dem ich leider nicht mehr weiter weiß :(
Eigentlich ist der Kleine recht pflegeleicht, aber es gibt eine Sache, bei der ich nicht weiterweiß und die mir langsam etwas an die Substanz geht, weil es schon Monate andauert :(

Es fing ziemlich genau mit 7 Monaten an. In diesem Alter, so las ich dem Buch "Oje ich wachse", fängt es an, dass die Kleinen lernen, dass die Mutter weggehen kann. Und in genau diesem Alter fing mein Sohn an mir hinterherzuschreien, wenn ich mich nur kurz aus dem Raum bewege (oder auch mal nur an das andere Ende vom Raum gehe). Er hängt mir nunmehr seid fast 4 Monaten ständig am Rockzipfel, wenn ich den Raum verlasse schreit er (wenn ich zum Beispiel aus der Küche kurz ins Bad gehe (er kann von der Küche sogar ins Badezimmer blicken). Oder wenn ich mich einfach einige Meter von ihm wegbewege.

Er ist mobil, er krabbelt, fängt gerade an zu laufen, er könnte mir überall hin folgen. Er krabbelt mir auch hinterher, herzzereissend schreiend udn beruhigt sich dann auch nicht mehr, bis ich ihn hochnehme. Er schreit dabei so sehr, dass er für den Weg zu krabbeln natürlich 5x solang braucht, wie wenn er einfach geschwind hinter mir herkrabbeln würde.

Ich rede mit ihm, sag ihm, dass ich nicht weggehe, dass ich gleich wiederkomme usw. Das hilft alles nichts.

Selbst wenn mein Mann und sein großer Bruder (der ist jetzt 2,5 Jahre alt und hatte so eine Phase übrigens nie) z.B. in der Küche bleiben und ich raus ins Schlafzimmer gehe, fängt das Geheule an.

Ich komme hier eigentlich seit 3,5 Monaten zu nichts mehr, weil ich immer den Kleinen am Zipfel hängen habe, wenn ich irgendwo stehe, kommt er oft her und zieht sich an meinem Bein hoch und hält mich fest, so dass ich mich gar nicht mehr bewegen kann (was sehr ungeschickt ist wenn ich gerade koche, putze oder aufräumen muss, was ich halt wirklich ab und zu mal machen muss, schliesslich wollen die Kinder ja auch was essen).

Eigentlich habe ich immer die Erfahrung gemacht, dass es immer solche merkwürdigen Phasen gibt, in denen die Kleinen "spinnen" und dass die Zeit alle Probleme löst. Klar wird der Kleine das nicht machen bis er 18 ist, aber langsam dauert mir diese Phase etwas lange an und ich frage mich ernsthaft ob ich evtl. etwas falsch mache.

Ich verstehe nicht warum er (anscheinend?) kein Vertrauen in mich hat, dass ich wiederkomme wenn ich gehe?! Ich habe ihn nie wirklich schreien lassen (ausser halt dieses mal paar Minuten Schreien, was es halt so mit sich bringt, wenn man 2 kleine Kinder hat. Da ist man halt mal mit dem einen beschäftigt und das andere Kind muss ein paar Minuten warten, auch wenn es dies nicht will).

Meine Nachbarin (die selbst ein Kind hat, das 13 Monate alt ist) und ich unterstützen uns ab und zu gegenseitig und nehmen uns die Kinder ab, wenn z.b. wichtige Arzttermine anstehen. Wenn ich den Kleinen zu ihr gebe (egal ob mit oder ohne seinen Bruder) dann weint er mir schon kurz hinterher, aber dann ist es auch gut. Er spielt dann bei ihr auf dem Boden oder ab und zu muss sie ihn auch tragen, wiel er halt nicht auf dem Boden sein möchte.

Heute habe ich sehr das Gefühl gehabt, nachdem mein Mann mich darauf hingewiesen hat, dass der Kleine mich versucht zu erziehen mit seinem Schreien (ich denke in seinem Alter kann das ja schon der Fall sein oder?)

Ich habe folgendes beobachtet:
Wenn ich aus dem Raum gegangen bin, hat er gebrüllt, ist mir hinterher, hat sich dann aber ca. 1 m vor mir auf den Boden gesetzt, mich angeschaut und geschrien und geschrien und geschrien. Ich habe ihm dann meine Hände hingestreckt (normal zieht er sich daran hoch), die hat er jedoch nur weggeschoben und weiter geschrien. Ich habe ihm dann in ruhigem Ton gesagt, dass ich ihn jetzt nicht hochnehmen werde und auch nicht weggehe und er aufhören kann zu schreien. Nach einiger Zeit hat er tatsächlich aufgehört zu schreien und gespielt. Wie er gemerkt hat, dass ich ihn ansehe, gingen sofort die Mundwinkel wieder nach unten.

Das Spielchen hat sich 2-3 x wiederholt. Einmal bin ich auch rausgegangen, da fing er sofort wieder total hysterisch an zu schreien und ist mir hinterhergekrabbelt wie oben beschrieben und das ging alles von vorne los.

Lange Rede, kurzer Sinn. Haben Sie Erfahrungswerte, wie lange diese Phase i.d.R. andauert? Bei niemandem in meiner Bekanntschaft war das so extrem wie bei meinem Sohn. Kann ich irgendwas tun? Mache ich vielleicht wirklich irgendwas falsch?

Mein Mann meinte, das ganze mal paar Tage durchziehen, dann kapiert er es schon. Ich denke schon, dass der Kleine irgendwie versucht mich zu erziehen, aber ich kann ihn doch nicht mehrere Tage schreien lassen. Das fühlt sich für mich einfach nicht gut an.

Allerdings muss ich sagen, dass ich langsam auch wirklich richtig genervt bin (was natürlich auch die Kinder dann irgendwann spüren (was ich aber nicht will), weil ichs nicht mehr verbergen kann). 14 Wochen sind eine lange Zeit und bei mir liegt der Haushalt mehr oder weniger brach, da ich abends natürlich auch fix und alle bin und keine Lust mehr habe stundenlang zu putzen!

Sonst ist alles super, er schläft gut (zwar am liebsten bei Mama - klar ;)), er isst gut, er entwickelt sich gut, aber diese Anhänglichkeit *puh* :(

Bin um jeden Rat sehr dankbar. Danke fürs Lesen :o)

Viele Grüße

Antwort vom 28.02.2013

Hallo!
Ich kann leider nur Vermutungen anstellen zum Verhalten Ihres Kindes. Möglicherweise ist Ihr zweiter Sohn von der Fremdelphase gleich rüber in die erste (eher frühe) Trotzphase hineingewandert. Der übernächste Entwicklungsschritt, wo die Kinder phasenweise nämlich „am Rockzipfel hängen“, ist eigentlich noch viel zu früh für ihn. Ich denke, Ihr Sohn beginnt seinen eigenen Willen zu entdecken und versucht ihn durchzusetzen. Gelingt es ihm nicht, äussert er seinen Unwillen. Gleichzeitig beobachten alle Kinder ihre Bezugspersonen sehr genau, wie auch Ihr Sohn. Sie wollen unsere Reaktion einschätzen und achten sehr auf unsere Mimik und Gestik. Das bedeutet, dass das Verhalten und die Mimik und Gestik einheitlich sein müssen, damit die Kinder die Reaktion richtig einschätzen können. Z.B.: wenn ich als Mutter beim ersten Hinfallen meines Kindes sofort panisch reagiere und zu ihm renne ohne abgeschätzt zu haben, wie schlimm es wirklich ist, so wird auch mein Kind gleich panisch werden beim nächsten Hinfallen. Meistens zeigen es Kinder dadurch, dass sie erst Mama anschauen, um einschätzen zu können, „wie schlimm“ das Ereignis wirklich ist. Je ruhiger es also gelingt zu reagieren, desto weniger aufregend wird es auch für Ihr Kind. Eine wirklich heikle Situation hört man als Mutter immer gleich heraus. So gesehen „probiert“ auch Ihr Sohn aus, wie Sie auf ihn reagieren und mit welchem Verhalten er zum Ziel kommt. Und da beginnt wirklich ein Stück Erziehung: welche Grenzen setzen Sie ihm, ohne, dass er Schaden erleidet. Jedes Kind braucht unterschiedlich lang, um mit gewissen Gefühlen wie Frustration etc. umgehen zu können. Sich auch über Trotzreaktionen und ihre Bedeutung klar zu werden innerhalb der elterlichen Erziehung ist sehr wichtig. Ein Ausbleiben der Trotzphase wird übrigens als gar nicht vorteilhaft betrachtet, sondern sie ist ein wichtiger Entwicklungsschritt; sehr mühselig für Eltern allerdings, ohne Frage. Alles Gute, Inken Hesse, Hebamme


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